Hilmsen l „Rubins Eltern haben ihre beiden Söhne zu den Großeltern gebracht in der Hoffnung, dass sie dort sicher sind. Aber das war nicht so“: Der Künstler Hans Molzberger erzählt den Schülern der 9a der Lessing-Ganztagsschule Salzwedel unterm Dach des Atelierhauses Hilmsen von seinem jüdischen Freund Rubin Samuelson, den er in Houston (USA) kennengelernt hat. Als dieser so alt gewesen sei wie die Neuntklässler heute, so um die 14, 15 Jahre, habe der Zweite Weltkrieg getobt. Rubin und sein Bruder seien zur Zwangsarbeit eingezogen worden. „Sie haben sich immer sofort gemeldet. Erst waren sie in einer Glas-, dann in einer Drahtfa- brik tätig“, schildert Hans Molzberger. Irgendwie hätten sie es geschafft zusammenzubleiben. Im Januar/Februar 1945 seien sie in die damalige Porzellan- und Keramikfabrik Colditz gebracht worden. Dort sollten sie Panzerfäuste bauen. „Als der Transport dorthin zusammengestellt war, stand sein Bruder auf der Liste, aber nicht Rubin. Deshalb hat er seine Jacke mit der eines anderen Häftlings getauscht“, berichtet der Hilmsener. Allerdings habe keiner gewusst, wo es hingehe.

Als sich der Krieg dem Ende näherte, seien die Häftlinge auf den Todesmarsch geschickt worden. „Rubin und sein Bruder haben sich im großen Keramikofen versteckt“, erzählt Hans Molzberger. Dort hätten sie jedoch die Hunde der SS-Männer aufgespürt. Auf dem großen Appellplatz sollten sie ihre eigenen Gräber schaufeln, als plötzlich ein Sirenenton auf die anrückenden Amerikaner hinwies. Mit etwas Glück kamen die Brüder geschwächt, aber mit dem Leben davon.

Rubin habe in den USA angefangen, künstlerisch mit Glas zu arbeiten. Unter anderem habe er Schmetterlinge gemacht, schildert Hans Molzberger und verweist auf die Installation unterm Dach. Er habe von seinem Freund drei Muster erhalten. Aus den Gesprächen mit Rubin Samuelson sei das Projekt „Rubin‘s Colors“ entstanden, das dem Gedenken an die 1,5 Millionen jüdischen Kindern gewidmet ist, die von den Nationalsozialisten ermordet worden seien. Dazu gehört auch ein Interview, das sich die Neuntklässler interessiert ansehen.

Glas-Schmetterlinge gestaltet

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Gefangenen so viel arbeiten mussten“, meint die Schülerin Lea Sophie Fritzsche, die den Tag sehr interessant fand. Sie fügt hinzu: „Ich finde es sehr rührend, dass die Brüder zusammengeblieben sind.“ „Es ist top, was Herr Molzberger über seinen Freund erzählt hat. So ein Projekt finde ich sehr lehrreich“, sagt Leon Michael Braumann und wendet sich dann wieder dem Glas-Schmetterling zu, den er gerade gestaltet.

Die Lessing-Ganztagsschule nehme zum ersten Mal das Angebot wahr, schildert Schulsozialarbeiterin Irene Barth, die die Klasse mit Lehrerin Sabine Wienecke nach dem Rundgang entlang der Stolpersteine in Salzwedel nach Hilmsen begleitete. Beetzendorfer Sekundarschüler werden ebenfalls erstmals das Leben von Rubin Samuelson kennen lernen. Weitere Teilnehmer sind die Comenius-, die Pestalozzi-Schule und das Jahngymnasium Salzwedel sowie die Sekundarschule Dähre.