Infrastruktur

Salzwedel: Bahn frei auf dem Bundesfeldweg?

Der Bahnübergang auf dem Bundesfeldweg ist kreisstraßengerecht ausgebaut. Foto: Antje Mewes

Salzwedel (me)

Es hätte so schön sein können: Auf der Bundesstraße 190 vor dem Ortseingang von Salzwedel abbiegen, dann geht es über Kreisstraßen zum Lokschuppenkreisel und von dort auf die B?71 oder 248. So war der Plan für eine Ostumfahrung der Hansestadt. Der Kreis wollte bauen, 2015 sollte es losgehen. Doch dann verzögerte sich das Vorhaben. Grundstückseigentümer wollten ihre Flächen nicht rausrücken, die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) müsste den Bahnübergang der Strecke Salzwedel-Geestgottberg ausbauen, und nun hat das Landesverwaltungsamt bescheinigt, dass der Kreis gar nicht so richtig dafür zuständig ist. Die Behörde verweigert das Aufstufen zu einer Kreisstraße. Es sei nicht Aufgabe des Kreises, eine Ortsumfahrung für Salzwedel zu bauen.

Landkreis reagiert verhalten

Dabei ist schon viel in das Vorhaben, das 2019 noch einmal auf dieses Jahr verschoben wurde, investiert worden. Nicht nur Geld für vorbereitende Planungsleistungen oder Flächenankäufe, sondern auch Zeit und Nerven aller Beteiligten. Auf die Anfrage der Volksstimme, wie es nun weitergehen soll und wie teuer das Ganze den Kreis bereits zu stehen gekommen ist, gibt sich dessen Sprecherin Birgit Eurich einsilbig: „Für die Umsetzung des Projektes ,Bundesfeldweg’ wird sich der Landrat weiterhin einsetzen.“ Dazu werde er weitere Gespräche mit dem Landesverwaltungsamt und der Stadt Salzwedel führen.

Die sieht sich gerade nicht in der Pflicht, in die Offensive zu gehen, wie Stadtsprecher Andreas Köhler mitteilte: „Der Wirtschaftsweg ist dem Kreis übertragen worden, deshalb kann die Stadt erst einmal nicht handeln.“

Frage bleibt unbeantwortet

Einen weiteren Punkt, der seit Sperrung des Weges im Jahr 2012 immer wieder diskutiert wurde, ließ die Kreisverwaltung ebenfalls unbeantwortet: Kann die Strecke wieder für den Verkehr geöffnet werden? Sie war seinerzeit auf Antrag der Deutschen Bahn für den Durchgangsverkehr gesperrt worden. Der Bahnübergang sei für so ein hohes Verkehrsaufkommen nicht geeignet, lauteten die Argumente. Zumal auch Lkw die Abkürzung zu den Bundesstraßen 248 und 71 genutzt hatten. Bis zu 5000 Fahrzeuge am Tag sind damals dort gezählt worden.

Als es mit dem Ausbau nicht voran ging, gab es immer wieder Forderungen aus der Kommunalpolitik und von Anwohnern, die Sperrung rückgängig zu machen. Oder wenigstens eine Richtung offen zu halten, wie der damalige Salzwedeler Stadtrat und Kreistagsmitglied Frank Rossau mehrfach angeregt hatte. Inzwischen ist der besagte Bahnübergang auf sechs Meter Breite ausgebaut. Der Grund für die damalige Sperrung wäre also nicht mehr gegeben.

Nicht nachvollziehbar

Das sehen auch Salzwedeler Stadtpolitiker so. „Von uns aus hätte er nie zugemacht werden müssen“, sagt Nils Krümmel (Freie Fraktion). Aus seiner Sicht sei der Weg schnellstmöglich wieder freizugeben.

„Es ist nicht nachvollziehbar, wie die Verhältnisse dort momentan sind“, schimpft Martin Schulz (Bündnis 90/Die Grünen). Er könne alle gut verstehen, die den Weg nutzen wollen, um Zeit zu sparen und den Stadtverkehr zu umgehen. Es sei eine „dramatische Fehlentscheidung“, dass die Deutsche Bahn den Übergang für die Strecke Salzwedel-Geestgottberg nicht mit ausgebaut habe und kein Engagement zeige, die Strecke zurückzunehmen und zu reaktivieren.

Meistbefahrene Kreisstraße

Er sei dafür, dass der Weg für den Verkehr aufgemacht wird, sagt Karl-Heinz Schliekau (CDU). Es spreche nichts dagegen, Pkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge dort fahren zu lassen. „Das wäre die meistbefahrene Kreisstraße geworden“, meint er. Es sei allerdings fraglich, was nach 2028 passiere, wenn die Amerikalinie zweigleisig ausgebaut ist und alle paar Minuten die Schranken schließen.

Das Problem spricht auch Gerd Schönfeld (Die Linke) an. Ob die Strecke dann noch für Autofahrer attraktiv ist, wagt er zu bezweifeln. Der Vorteil, den überörtlichen Verkehr aus der Stadt zu halten, sei unstrittig, aber ob es jetzt noch Sinn ergebe, die Ausbaupläne weiter zu verfolgen, sei gut zu überlegen. Wie umsetzbar es ist, den Feldweg in seinem jetzigen Zustand zu öffnen, könne er nicht beantworten.

Er wäre zum jetzigen Zeitpunkt sehr für eine einseitige Öffnung in Richtung Ritze, meint Norbert Hundt (SPD), „Was auch unproblematisch wäre“, schätzt er ein.