Burkhard Hammermeister: "Die Comeniusschule wird ein Kunstwerk"

Salzwedel im Kleinformat

Von Christina Bendigs

Nach Kalbenser und Gardeleger Gebäuden werkeln Langzeitarbeitslose inzwischen an einer Salzwedeler Miniaturwelt. Detailgetreu bis zum letzten Backstein wird unter anderem die Comeniusschule im Maßstab 1:25 nachgebaut. Die Regionalleiterin des Projektes, Anneliese Brauns, bemüht sich derzeit um eine Ausstellungsmöglichkeit.

Salzwedel. Mannshoch ragt der Salzwedeler Wasserturm in der Miniaturwelt Altmark an der Salzwedeler Sonnenstraße auf. Er steht auf einem Tisch und reicht fast bis an die Decke heran. Noch säumen weiße Stellen den Turm, auch wenn Daniel Rubin und Carmen Tusch aus Salzwedel schon etliche tausend Steinchen zugeschnitten und auf den Plastikuntergrund geklebt haben. Es ist aber unverkennbar der Salzwedeler Wasserturm an der Schillerstraße, der da nicht weniger beeindruckend als das Original vor ihnen steht.

Carmen Tusch: "Das ist besser als jede Schule"

"Das ist schon ein recht schwieriges Gebäude", sagt Anleiter Franz Schwankl über die Salzwedeler Sehenswürdigkeit. Schwankl betreut die Arbeitslosen in dieser Maßnahme, steht ihnen in Werksfragen mit Rat und Tat zur Seite. Bevor mit dem Miniatur- nachbau begonnen werden konnte, galt es aber, "zu messen, was zu messen war". Originalpläne gab es von den Salzwedeler Gebäuden nicht. Und selbst wenn: Durch viele Umbauten in den vergangen Jahrhunderten wären diese wahrscheinlich ohnehin nicht mehr sehr hilfreich gewesen. Auch Fotografien sind deshalb gefertigt worden. Zählen und rechnen ist für die Miniaturbaumeister an der Tagesordnung, und das sechs Stunden täglich. Carmen Tusch hat an ihrer Aufgabe Spaß. "Das ist besser als jede Schule", sagt sie. Denn am Ende sieht sie, was sie geleistet hat.

Mit dem Kalbenser Kulturhaus, dem Letzlinger Jagdschloss und der Miester Sekundarschule haben die Mitarbeiter der Gesellschaft "Bildung und Beruf plus" und ihre Schützlinge schon von sich reden gemacht. Dass Langzeitarbeitslose wieder eine Tagesstruktur erlernen, ist nur eines der Ziele, das die Agentur für Arbeit mit der Förderung des Projektes verfolgt. In der Werkstatt werden auch die Fähigkeiten der Langzeitarbeitslosen getestet. Und das steigert wiederum auch deren eigenes Bewusstsein für ihr Können. Viele derjenigen, die die Maßnahme inzwischen schon durchlaufen haben, hätten anfangs Zweifel gehabt, ob sie den anstehenden Aufgaben überhaupt gewachsen seien, erzählt Annaliese Brauns.

"Ich möchte nicht, dass sie im Keller verschwinden"

Neben dem Salzwedeler Wasserturm wird aus Anlass ihres 100. Geburtstages auch die Comeniusschule nachgebaut. Sie wird nach Ansicht des pädagogischen Mitarbeiters Burkhard Hammermeister, der gestern auch schon einmal die Kamera holte, um die Gebäude im Zwischenstand abzulichten, "ein richtiges Kunstwerk". Das stark gegliederte Gebäude sei "eine echte Herausforderung", sagt auch Franz Schwankl. Die einzelnen Teile des Gebäudes haben sich die Männer und Frauen der Maßnahme untereinander aufgeteilt. Dass die Comeniusschule bis zur Jubiläumsfeier im September fertig wird, glaubt er nicht.

Auch wenn die Miniaturwelt an der Sonnenstraße Besuchern offen steht, sucht Anneliese Brauns noch nach einer Möglichkeit, die Bauten dauerhaft auszustellen. "Ich möchte nicht, dass sie im Keller verschwinden", sagt sie. Brauns und ihre Mitarbeiter würden sich zudem freuen, wenn die Arbeitsmaßnahme durch die Agentur für Arbeit verlängert werden würde. Denn sie sei sinnvoll für die Beschäftigten. Und viele weitere Salzwedeler Gebäude wären es wert, nachgebaut zu werden. In Arbeit sind bereits der Puparschbrunnen und die St.-Georg-Kirche. Folgen könnten die Katharinenkirche, die Mönchskirche, das Hotel Schwarzer Adler..., zählten Brauns und Hammermeister auf.