Salzwedel l Viele Vögel der Region haben längst die Reise in wärmere Gefilde angetreten, um dort zu überwintern. Doch nicht alle verlassen ihre Heimat. Und so stellt sich die Frage: Füttern oder nicht? „Besonders verschiedene Drossel-Arten, Finken, Sperlinge und Meisen profitieren von Fütterungen“, sagt René Fonger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND. Die Fütterungen sollten sich aber auf die Monate November bis Februar beschränken, so der Ornithologe. „Wichtig ist es vor allem bei längeren Frost- und Schneeperioden“, fügt er hinzu.

Grundsätzlich können die Altmärker durch das Bereitstellen von Futter Vögel anlocken, die sie sonst vielleicht nicht ganz so häufig zu Gesicht bekommen. „Deshalb ist es sehr wichtig für das Naturleben im direkten Wohnumfeld.“ Seltenen Vogelarten hingegen könne so nicht wirklich geholfen werden, da deren Ansprüche andere sind und diese kein Futterhaus anfliegen.

Haferflocken und Rosinen für Weichfresser

Für die Fütterung von Gartenvögeln empfiehlt der Ornithologe das handelsübliche Sortiment an Sämereien und Meisenknödel. Wichtig sei es, das Futterhaus auf Vordermann zu halten, damit durch Vogelkot keine Krankheiten verbreitet werden. „Für Weichfresser wie Drosseln kann man mit Rosinen und Haferflocken arbeiten“, erzählt René Fonger. Ob nun auf der Terrasse, im Garten oder dem Balkon: Prinzipiell könne überall gefüttert werden.

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Neben dem Füttern lassen sich die heimischen Gartenvögel noch anders unterstützen. Zum Beispiel durch Nistkästen. Auch eine dichte Gehölzgruppe aus heimischen Arten sei eine tolle Sache. „Sie bietet Nahrung und Brutplätze für Gebüschbrüter wie Rotkehlchen oder Nachtigall. Dort würden sie gleich ihre Nahrung, sprich Insekten, antreffen. Daher könne ein Teil der Stauden auch über den Winter stehen bleiben.

Wild nur in Notzeiten füttern

Am häufigsten seien in Siedlungsbereichen Amsel, Buchfink, Kohlmeise und der Spatz anzutreffen, sagt René Fonger. Girlitz, Bluthänfling und Stieglitz würden sich hingegen rar machen. „Wenn jede Böschung am Wegrand bis auf den letzten Halm gemäht wird, sind keine Strukturen mehr da, wo Vögel und Insekten Nahrung finden.“ Schottergärten tragen ihren unrühmlichen Teil dazu bei.

Anders als bei Gartenvögeln ist die Fütterung von Wild im Wald auf Notzeiten zu beschränken, so Kreis-Naturschutzbeauftragter Ralf Knapp: „Da ist sie dann aber auch Pflicht.“ Kälte allein sei noch keine Notzeit, sondern erst dann, wenn hoher Schnee und gefrorene Böden kaum bis keine Nahrung mehr hergeben. Ob es eine Notzeit ist und für welche Wildarten, gebe die Jagdbehörde bekannt. Sollte es aber zu einer Notfütterung kommen, dann würden Heu, Grassilage, heimische Baumfrüchte sowie Hackfrüchte zugelassen sein. „Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann wir das zum letzten Mal in der Altmark hatten“, sagte er.

Vor- und Nachteile der Fütterung

Aus der Fütterung von Wild ergeben sich Vor- und Nachteile. Von Vorteil sei, dass die Tiere wie Hirschartige und Mufflons weniger Verluste in der Population erleiden. Nachteil: „Der Mensch greift mit der Fütterung massiv in die biologische Kapazität des Lebensraums ein und erhöht somit künstlich die Population des Schalenwilds.“ Das sei in vielerlei Hinsicht negativ. Wildverbiss an Waldbäumen und Vegetationsdecken, Konkurrenz- und Fraßdruck auf seltene Arten, listet Ralf Knapp auf: „Die natürliche Selektion und damit die Gesunderhaltung von Wildtieren läuft nicht mehr in dem Maß ab und kann nur durch Jäger oder Wolf erfolgen.“ Erhöhte Schalenwildbestände würden zudem zu einer höheren Wolfsdichte führen, da das Raubtier sein Revier am Nahrungsangebot festmache. „Heißt, die Jäger könnten die Zahl der Wölfe im Land mit der Reduzierung des Schalenwildes reduzieren.“

Wer das Wild unterstützen möchte, sollte in erste Linie Ruhe im Wald halten und die Tiere nicht durch Beunruhigung zu einem höheren Energieverbrauch zwingen. Das passiere aber eher in Bergregionen mit Skitourismus. In dem Zusammenhang verweist der Kreis-Naturschutzbeauftragte auf den Stress für das Wild, wenn Hunde durch die Reviere laufen. „Die Leinenpflicht in Wald und Feld gilt in Sachsen-Anhalt nur in der Brut- und Setzzeit.“ Wer aber nicht weiß, ob sein Vierbeiner auf Jagd geht, sollte die Leine besser ganzjährig anlegen.