Salzwedel l Die Altperverstraße hat wahrlich schon bessere Zeiten gesehen. Einst eine durchaus prachtvolle Einkaufsstraße, fristet sie mittlerweile ein Schattendasein. Der Leerstand ist eklatant, viele der Fachwerkhäuser sind baufällig. Von dem Haus, das einst auf dem Grundstück mit der Nummer 17 stand, ist hingegen nichts als ein Schutthaufen übrig geblieben. Und der ist zugewachsen. Ansonsten steht auf dem Grundstück nur noch ein gut zwölf Meter hoher Turm. Das denkmalgeschützte Gebäude wirkt indes ebenfalls nicht besonders einladend.

Wer glaubt, dass hier jemals wieder ein Wohnhaus stehen könnte, muss schon eine Menge Fantasie aufbringen. Oder wie Christina Niemüller Architektin sein und ein Herz für die Salzwedeler Innenstadt haben. Denn die 24-Jährige hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Salzwedels Sorgenkind bald wiederbelebt wird. Für das beschriebene Grundstück der Nummer 17 und für die Altperverstraße 20 hat Christina Niemüller, die beim Architekturbüro Planungsring Altmark arbeitet, sogar konkrete Nutzungskonzepte erstellt.

Altperver gilt als hoffnungsloser Fall

Dass sich der Straßenzug in einem derart desolaten Zustand befindet und oft als hoffnungsloser Fall abgestempelt wird, hat die Salzwedelerin umso mehr angespornt. „Es ist wirklich die schlimmste Straße der Stadt. Sie ist mir ein Dorn im Auge“, beschreibt die Spezialistin für Hochbau ihre Motivation. „Ich möchte zeigen, dass hier etwas Neues entstehen kann“, ergänzt sie.

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Für die Altperverstraße 17 schwebt ihr ein kompletter Neubau vor, der sich am Vorgängergebäude orientiert. Er hätte ein Ober- und ein Dachgeschoss. Wo sich früher im Erdgeschoss eine Braustube befand, könnte ein Café eröffnet werden. Im hinteren Bereich wäre Platz für Büros. Fürs Obergeschoss schweben ihr Wohnungen vor. Die sollen idealerweise altersgerecht und zwischen 40 bis 82 Quadratmeter groß sein. Jede hätte einen Balkon und wäre per Fahrstuhl erreichbar. „Weil das Grundstück in Richtung Nicolaiplatz sehr groß ist, könnte man auch Stellplätze für Autos bauen“, erklärt Christina Niemüller.

Der baufällige Turm müsste komplett saniert werden. Während im Erdgeschoss ebenfalls eine Bürofläche entstünde, würde man die restlichen vier Etagen zu einer Wohnung ausbauen. Auf dem Dach wäre dann genug Platz für eine Terrasse. Was aus Sicht der Architektin für ihr Konzept spricht: „Wohnungen in der Innenstadt erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das trifft genauso auf Turmwohnungen zu.“

Bauschutt schreckt ab

Jedoch gibt es ein großes Hindernis, das eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Investoren hat. Der Schutt des zusammengestürzten Hauses muss auf jeden Fall entfernt werden. Das wiederum ist teurer, als man gemeinhin annehmen würde. „Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen. Aber es wird alles andere als billig sein“, sagt die junge Architektin. Zumal nicht ganz klar ist, ob das Grundstück eventuell unterkellert ist. Das würde den Aufwand noch einmal beträchtlich erhöhen. Ob die ambitionierten Pläne also irgendwann einmal umgesetzt werden, ist demnach fraglich.

Etwas besser sieht es hingegen beim Haus mit der Nummer 20 aus. Es gehört der Industrie- und Handelskammer (IHK) und ist in einem verhältnismäßig guten Zustand. Teilweise wurden schon Sanierungsarbeiten vorgenommen. „Für den ehemaligen IHK-Geschäftsführer André Rummel habe ich ein Nutzungskonzept erstellt. Es wäre sehr gut geeignet, um Unternehmensgründern Räume zur Verfügung zu stellen “, sagt Christina Niemüller. Die Büros würden dann separat genutzt werden, während sich die Mieter die Funktionsräume teilen würden. Dazu wäre die Fläche groß genug, um noch einen Raum für Veranstaltungen zu schaffen.