Salzwedel l Es war eine Nachricht, die fast ein wenig unterging und in der Hansestadt wenig Beachtung fand: Im Juni entschied der Jugendhilfeausschuss des Altmarkkreises Salzwedel, dass 1,126 Millionen Euro aus dem Bundesförderprogramm „Kinderbetreuungsausbau“ für Kindertagesstätten in den Neubau einer Kita in Kusey fließen. Beim Eigenbetrieb Kindertagesstätten der Hansestadt wird dieser Beschluss mindestens Stirnrunzeln ausgelöst haben.

Denn um die Förderung hatte man sich ebenfalls bemüht, mit dem Geld sollte die energetische Sanierung des Kinder-Eltern-Zentrums Siebeneichen finanziert werden. Insbesondere die Heizungsanlage, verwendet werden immer noch sogenannte Nachtspeicheröfen, soll komplett erneuert werden. Auch beim Thema Brandschutz muss noch nachgebessert werden. Auch am Dach des Gebäudes besteht Sanierungsbedarf, Barrierefreiheit muss ebenfalls hergestellt werden. Passiert nichts, droht im schlimmsten Fall der Entzug der Betriebserlaubnis und damit die Schließung der Kita.

Kein Cent nach Salzwedel

Die Finanzierung ist aber fraglicher denn je. Fest steht, dass aus dem Programm „Kinderbetreuungsausbau“ kein Cent nach Salzwedel fließen wird. „Für den Zeitraum zwischen 2017 und 2020 stehen insgesamt 1 143 099,97 Euro zur Verfügung. Diese Mittel sind zunächst komplett für Kusey verplant“, sagte Birgit Eurich, Pressesprecherin des Altmarkkreises, der für Verteilung des Geldes zuständig ist.

Den Zuschlag erhielt der Klötzer Ortsteil, weil dort zusätzliche Kita-Plätze entstehen. Dies ist eine Voraussetzung, um in den Genuss der Förderung zu kommen.

Bereits während der Sitzung des Betriebsauschusses im Dezember 2016 hatte Doris Gensch, Leiterin des Kita-Eigenbetriebes, die Mängel in Siebeneichen angemahnt. Damals sprach sie davon, dass man sich spätestens in den Jahren 2018 und 2019 Gedanken über die Sanierung machen müsste. Die Nachtspeicheröfen seien keine Lösung für die Zukunft, sprach sie vor fast zwei Jahren Klartext. Kein Wunder, handelt es sich bei diesen Heizungen um Relikte aus der Vergangenheit. In den 1960er- und 70er Jahren entwickelt, gelten sie mittlerweile als Technik von vorgestern. Sie sind alles andere als effizient, unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten gelten sie als desaströs. Eigentlich sollten sie schon verboten sein, ein entsprechendes Gesetz wurde aber im Jahr 2013 gekippt.

Sicherheitsrisiko

Viele Eltern sehen sie außerdem als Sicherheitsrisiko für ihre Kinder. Eine Mutter, deren Tochter die Kita Siebeneichen besucht hat, berichtet der Volksstimme, dass sich die Kleinen immer wieder an den Öfen verbrannt hätten. Auch Kleidungsstücke, die zum Trocknen aufgehängt worden, seien hin und wieder angeschmorrt.

Eigenbetriebsleiterin Dorisch Gensch wollte auf Anfrage der Volksstimme zum gesamten Sachverhalt keine Stellung nehmen. Sie möchte sich erst in der nächsten Sitzung des Betriebsausschusses, der voraussichtlich noch in diesem Monat stattfindet, äußern. Die Stadtverwaltung verwies ihrerseits auf die Eigenbetriebsleiterin. Wie es weitergeht, bleibt also offen.