Naturschutz

Schilfgürtel am Arendsee in Gefahr

Uferschutz, Heimat für Vögel und ein natürliches Reinigungssystem: Der Schilfgürtel hat am Arendsee viele Funktionen.

Von Von Christian Ziems

Arendsee l Noch vor ein paar Wochen zeigte sich Dr. Helmut Günther mit Blick auf den Uferbereich zwischen Kloster und Quelle zufrieden. Die jungen Schilfpflanzen konnten wachsen, da sich Spaziergänger und Radler, die auf dem angrenzenden Seeweg unterwegs sind, zurückhielten. Doch nun hat sich die Lage verändert. Besonders hinter dem Wellenbrecher aus Steinen werden immer wieder Überbleibsel entdeckt, die dort nichts zu suchen haben. So wird dieser geschützte Bereich offenbar als Feier- und Badeort genutzt. Dieses schadet dem Schilfgürtel, der sich dort ausbreiten soll.

Dafür setzt sich der Seestädter ein und hatte im vergangenen Jahr mit weiteren Ehrenamtlichen eine Pflanzaktion gestartet. „50 Schüler und einige Rentner waren dabei“, erinnert der Naturfreunde. Nun hofft er mit einer Mischung aus Informationen, Verbot und Toleranz, die geleistete Arbeit erhalten zu können. Hilfe bekommt der Arendseer auch weiterhin von Schulleiterin Antje Poche (Jeetze­schule Salzwedel) sowie ihrem Amtskollegen Thomas Schlicke (Fontane Schule Arendsee). Alle drei appellierten in einem Volksstimme-Gespräch an die Bevölkerung, den Schilfbereich zu meiden.

Denn dieser hat eine wichtige Funktion, wenn es darum geht, die Selbstreinigungskräfte des Gewässers zu wahren. Außerdem finden dort verschiedene Vogelarten Schutz. Bei einem dichten Gürtel haben es Wellen zudem schwerer, den Uferbereich zu beschädigen. Doch nicht immer gibt es in der Bevölkerung Einsicht. So sprach Antje Pochte Menschen an, die sich dort aufhalten. Als Antwort bekam sie, dass kein Verbot zu erkennen sein. Dabei hängen an beiden Stellen, die im vergangenen Jahr bepflanzt wurden, Flatterbänder in den Farben Rot und Weiß. Neu sind zudem Verbotsschilder des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt. Dieser zeichnet für die Bewirtschaftung der „Blauen Perle“, die sich im Besitz des Landes befindet, verantwortlich. Auch die Stadt beteiligte sich mit einer Tafel, die auf das Projekt hinweist.

Dr. Helmut Günther erinnerte daran, dass der Uferbereich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach befestigt und aufgeschüttet wurde. Dies sorgte innerhalb der Arendseer Bevölkerung immer wieder für Aufmerksamkeit, genauso wie die einstigen Seesanierungsprojekte mit der Kreideaufspülung sowie der Tiefenwasserableitung. Vor einigen Jahren drückte das Wasser so sehr auf den Seeweg, dass kleine Teile zwischen Kloster und Quelle wegbrachen. Eine Reaktion darauf war der Aufbau von Wellenbrechern. Die Konstruktion aus Holz hielt den Naturgewalten nicht stand und wurde zum Schandfleck. Kurz vor der Pflanzaktion 2019 wurde der Wellenbrecher schließlich abgebaut.

Eine Fortsetzung des Projektes ist erst mal nicht vorgesehen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schutz. Von Anfang ging es zudem darum, Badefreuden sowie Naturschutz in Einklang zu bringen. Das Problem: Nicht jeder weiß, wo er in die Fluten darf. Auskunft darüber gibt ein Informationsblatt des Altmarkkreises Salzwedel. Wer gezielt danach sucht, findet es unter der dem Begriff „Arendsee“ auf der Kreis-Internetseite in digitaler Form, aber nicht auf den beiden offiziellen Seiten der Einheitsgemeinde.

Auf einem Plan ist gekennzeichnet, wo das Wasser vom Ufer aus erreicht werden darf. Neben dem Strandbad gehören nur die Badestellen Kaskade, Quelle, Wanderrast, Schramper Eck, Zießau und Kaskade dazu. Durch die Trockenheit sind in den vergangenen Sommern allerdings neue Sandstrände entstanden. Dazu eine Fläche neben dem Schramper Eck. Eine Besonderheit gibt es nahe dem kleinen Hügel am Fischer. Dort dürfen auch Pferde ins Wasser.