Salzwedel l Fast den ganzen Vormittag war Antje Pochte, Leiterin der Jeetzeschule in Salzwedel, am Donnerstag (13. Dezember) etwas nervös. Und dann, kurz vor der Mittagspause, klingelte endlich das Telefon. Eine Mitarbeiterin der Robert-Bosch-Stiftung verkündete die gute Nachricht: Die Jeetzeschule gehört beim Deutschen Schulpreis 2019 zu den Top 20. Die monatelange Vorbereitung im Sommer hatte sich bezahlt gemacht.

Und Antje Pochte ist optimistisch, dass diesmal sogar ein vorderer Platz bei der Endauswahl herausspringt. Denn: Die Salzwedeler Bildungseinrichtung ist nach 2015 bereits zum zweiten Mal unter den besten 20 Schulen in der Bundesrepublik.

In der Region etablieren

Der 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung ins Leben gerufene Preis stand für die aktuelle Auflage unter der Fragestellung „Vor welcher Herausforderung steht Ihre Schule?“. Dazu sagte Antje Pochte im Gespräch mit der Volksstimme, dass es für die Jeetzeschule schon seit längerem darum gehe, „sich mit unserem Schulmodell in dieser strukturschwachen Region zu etablieren“. Dabei sieht Pochte die Bildungsstätte auf einem guten Weg. Sie verwies unter anderem darauf, dass bereits seit 2014 jährlich Schüler die Jeetzeschule mit dem Abitur als Abschluss verlassen. Unter anderem ist auch der Notenschnitt ein Kriterium für den Deutschen Schulpreis.

Die 15 besten Schulen werden im Juni 2019 zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen. Der Hauptpreis, dotiert mit 100 000 Euro, wird dann von Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht.

„Wir sind als Schule stabiler geworden. Unser Konzept hat sich gefestigt, in vielen Bereichen haben wir uns weiter entwickelt“, glaubt die Schulleiterin an die Chance auf eine Platzierung weiter vorne. Neben der Kurfürst-Moritz-Schule in Moritzburg (Sachsen) ist die Salzwedeler Schule die einzige weitere Bildungseinrichtung aus den ostdeutschen Bundesländern, die es in die Endrunde geschafft hat. Die meisten erfolgreichen Schulen stellen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (6) und Baden-Württemberg (5).

Schüler im Mittelpunkt

In ihrer Bewerbung konzentrierte sich die Jeetzeschule auf ihr Konzept, den Schüler und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir takten den Lehrplan nach den Bedürfnissen der Schüler“, betont Antje Pochte. Daneben hob die Leiterin die Vielzahl an Projekten und Kooperationen an der Schule hervor. So zum Beispiel die „Reisende Schule“. Unter anderem zum Schuljahresbeginn geht es für die Sechstklässler auf eine Wanderung, die 7. Klasse ist mit Kanus auf der Müritz unterwegs. Kooperationen gibt es unter anderem mit dem Offenen Kanal Salzwedel und dem Kunsthaus der Hansestadt.

Am 23. und 24. Januar wird sich dann eine externe Expertenkommission vom Schulkonzept in Salzwedel direkt überzeugen. „Am ersten Tag gibt es einen Schulrundgang. Dann folgen Gespräche mit der Schulleitung, der Schülervertretung und mit Eltern. Am zweiten Tag werden die Prüfer auch in den Unterricht schauen“, erklärt Antje Pochte den weiteren Verlauf. „Unsere Schüler kennen das“, ist die Leiterin optimistisch, „denn hier hospitieren immer wieder Leute von außerhalb.“

Entscheidung im März

Ende März wird es dann spannend: Die Schulpreis-Jury, besetzt mit Experten aus Wissenschaft und Praxis, einigt sich auf bis zu 15 Schulen, die für den Deutschen Schulpreis nominiert und zur Preisvergabe nach Berlin eingeladen werden. Dann stehen auch schon die sechs Preisträger fest.

Für Lehrer, Eltern und Schüler ist aber schon die jetzige Platzierung unter den besten 20 Schulen als großer Erfolg zu werten. „Das Geld zu gewinnen, wäre sicherlich schön“, sagte Antje Pochte gestern. „Doch auch die große Anerkennung, die mit solch einem Preis verbunden ist, würde uns schon viel weiterhelfen.“