Salzwedel l „Meine Tochter würde gern das Seepferdchen machen“, sagt Björn Michaelis am Montagmorgen (29. Juli) zu Schwimmmeister Ulrich Einenkel (63). „Kein Problem. Sagt einfach Bescheid, wenn ihr soweit seid. Ich komme dann rüber“, antwortet Einenkel von der Treppe am Schwimmmeisterturm. Die kleine Anni (8) hat also noch etwas Zeit sich einzuschwimmen und vor allem das Tauchen zu üben. Schließlich muss ja später noch der Ring vom Beckenboden wieder heraufgeholt werden.

29 Jahre war Ulrich Einenkel, gebürtig aus Thum bei Annaberg-Bucholz im Erzgebirge, als Schwimmeister in Salzwedel tätig. Am Mittwoch (31. Juli) hatte der 63-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Und dass seine Arbeit in der Hansestadt geschätzt wurde, machten am frühen Montagmorgen auch noch einmal die Frühschwimmer deutlich. Die Gruppe hatte ein kleines Buffet, mit selbstgebackenen kleinen Schwänen und etwas Sekt – für den Schwimmmeister natürlich alkoholfrei – vorbereitet.

Dass Uli – so rufen ihn viele Freunde und Bekannte – die Arbeit am Beckenrand Spaß macht, ist ihm auch kurz vor der Pensionierung anzumerken. Dabei wird deutlich, dass ein Schwimmmeister nicht nur braungebrannt am Beckenrand sitzt, wie so manche Vorurteile besagen.

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Diplom-Sportlehrer

Nein, Ulrich Einenkel muss neben seiner Tätigkeit als Rettungsschwimmer auch technisch versiert sein, damit der Badebetrieb funktioniert.„Es laufen gerade 17 Pumpen“, deutet Einenkel auf das kleine unscheinbare Häuschen – den Eingang zur Unterwelt des Freibades. 2500 Kubikmeter Wasser sind in den Becken. Alle vier Stunden müssen diese einmal komplett umgewälzt werden. „Das heißt, 800 Kubikmeter pro Stunde gehen raus und wieder rein“, weiß der Schwimmmeister. Zum Vergleich hat Einenkel auch eine Zahl parat: „Eine dreiköpfige Familie verbraucht etwa 60 Kubikmeter Wasser im ganzen Jahr.“ Zu seinem Job gehört auch die Kontrolle der Wasserqualität. So hat Einenkel den ph-Wert im Blick und kontrolliert die Chlorwerte.

Mit dem 1. Rettungsschwimmer 1973 war Ulrich Einenkels berufliche Laufbahn eigentlich vorgezeichnet. Schon 1975 wurde er für ein Jahr Schwimmmeister am Greifenbachstauweiher, einer der ältesten Talsperren in Deutschland. Doch dann ging es zunächst zum Studium nach Leipzig. Einenkel wur- de Diplom-Sportlehrer und Hochschultrainer, ehe es ihn aus beruflichen Gründen nach Salzwedel verschlug. Ulrich Einenkel wurde Trainer der Ringermannschaft in der Hansestadt.

72-Jähriger das Schwimmen beigebracht

Nach der Wende ergab sich dann die Möglichkeit, in Salz- wedel als Schwimmmeister zu arbeiten. So begann Ulrich Einenkel am 1. September 1990. „Ich habe bis heute etwa 1500 Kindern das Schwimmen beigebracht“, hat Ulrich Einenkel einmal überschlagen, wie vielen Mädchen und Jungen er die Angst vor dem kühlen Nass genommen hat. „Manche Muttis haben mir nun schon erzählt, dass sie bei mir in der Schwimmschule waren“, erzählt der 63-Jährige. Aber auch Erwachsene wurden von ihm mit den richtigen Bewegungen im Wasser vertraut gemacht. „Das müssten auch etwa 200 bis 250 gewesen“, meint Einenkel. „Die Älteste war 72 Jahre alt“, erinnert sich der Schwimmmeister an eine Seniorin, die auf einem Dorf außerhalb Salzwedels aufgewachsen war und dort nie das Schwimmen gelernt hatte. „Später zog sie in die Stadt und wollte einfach auch ins Freibad gehen.“

Mit Freude blickt Ulrich Einenkel auch auf den Neubau des Freibades am Dämmchenweg 1996 und 1997 zurück. „7,2 Millionen Deutsche Mark sind hier ausgegeben worden“, betont er. „Wann hat man schon die Möglichkeit, ein Bad quasi mitzubauen. Und unser Rat war gefragt“, erinnert er sich.

Neben diesen schönen Erinnerungen würde Einenkel auf manch andere Begegnungen gern verzichten. „Letztens hat es gedonnert, ein Gewitter zog auf“, berichtet der Schwimmmeister, dass er die Becken aus Sicherheitsgründen sperren musste. „Da kam ein Mann und hat gesagt: Er gehe baden, wann er möchte“, schüttelt Einenkel den Kopf über diese Uneinsichtigkeit.

„Und dann kommen Eltern mit Kindern zwischen vier und sechs Jahren, die noch niemals ein Freibad gesehen haben“, ärgert sich der Schwimmmeister darüber, dass einige Eltern, der schwimmerischen Ausbildung ihrer Kinder nur wenig Bedeutung beimessen.

Nun wird es ruhiger im Leben von Ulrich Einenkel. Aber nicht ganz. Denn der 63-Jährige will die freie Zeit dazu nutzen, öfter seine beiden Enkelkinder in Hamburg zu besuchen. Und sein Hobby, eine groß angelegte Modelleisenbahnlandschaft im heimischen Garten, will er weiter pflegen.

Doch vorher beobachtete der Schwimmmeister noch Anni Michaelis im Becken. Die achtjährige absolvierte routiniert ihre 25 Meter. Und freute sich dann über ihr Seepferdchen.