Artenschutz

Seltener Greifvogel: Valfitz im Altmarkkreis ein Hotspot für bedrohte Wiesenweihen

In der Altmark sind weniger Wiesenweihen anzutreffen. Grund dafür sind die derzeit wenigen Mäuse, heißt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt. Trotzdem: Das Schutzprojekt für die bedrohte Art wird als Erfolg gewertet.

Von Alexander Rekow 07.08.2021, 04:21
Eine junge Wiesenweihe bei Valfitz . Ein Teil der Jungvögel wurde kürzlich beringt.
Eine junge Wiesenweihe bei Valfitz . Ein Teil der Jungvögel wurde kürzlich beringt. Foto: René Fonger

Valfitz/Büste - Weniger Jungvögel als erhofft: Das musste René Fonger, Projektleiter Schutzgebiet Wiesenweihe beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Sachsen-Anhalt, kurz BUND, in diesem Jahr feststellen. Grund dafür: Die seltenen Greifvögel fanden schlichtweg zu wenig von ihrer Lieblingsspeise auf den altmärkischen Äckern vor: Feldmäuse. Und das hat seinen Grund. Aber der Reihe nach.

Wie in den Jahren zuvor war der BUND gemeinsam mit Landwirten der Region bemüht, die Brutplätze der seltenen Wiesenweihe zu lokalisieren und mit entsprechenden Zaunanlagen vor Erntemaschinen und Prädatoren zu schützen. Dabei fiel auf: Es sind weniger Jungtiere als in den Jahren zuvor. „Der Bestand der Feldmäuse schwankt“, erklärt René Fonger dazu. In den zurückliegenden zwei Jahren sei der Mäusebestand sehr hoch gewesen und habe den Greifvögeln dementsprechend viel Nahrung geboten. Da der vergangene Winter aber härter war, als die Jahre davor, habe dies dem Feldmausbestand zugesetzt. Hinzu kommt geschmolzener Schnee, dessen Wasser die Löcher der kleinen Säugetieren flutet. Unterm Strich handle es sich um ganz normale Zyklen, so Fonger. In den nächsten Jahren werde der Bestand seiner Einschätzung nach wieder steigern.

Der Raum Valfitz hat sich zu einem regelrechten Hotspot in Sachsen-Anhalt für Wiesenweihen entwickelt.

René Fonger, Ornithologe

„In mäusearmen Jahren werden alternativ Feldvögel und Kriechtiere gejagt“, erklärt der Ornithologe weiter. Diese seien aber nicht in der Anzahl wie Feldmäuse verfügbar und seien obendrein schwieriger zu erbeuten. Und eben dies zeige sich beim Bruterfolg. Hatten die Brutpaare 2020 noch rund vier bis fünf Jungtiere, seien es in diesem Jahr nur etwa zwei, die obendrein langsamer wachsen als die Tiere aus den Vorjahren.

Trotzdem: Das Schutzprojekt sei als Erfolg zu werten. Denn so konnte die kleinere Brut vor Erntemaschinen geschützt werden. Wie beispielsweise bei Valfitz, wo ein Teil der Jungvögel kürzlich beringt wurde. „Ich freue mich sehr über diesen seltenen Gast in meinen Feldern“, sagt Landwirtin Christiane Löppenberg. Vor 20 Jahren habe sie die Bewirtschaftung ihrer Flächen auf eine biologische umgestellt. So würden sich nicht nur Wiesenweihen auf ihren Feldern wohlfühlen, sondern auch Rebhühner und Feldlerchen. „Der Raum Valfitz hat sich zu einem regelrechten Hotspot in Sachsen-Anhalt für Wiesenweihen entwickelt“, freut sich René Fonger über die Entwicklung.

Was Valfitz in der westlichen Altmark, sei der Raum Büste in der östlichen. Und dort wurden unlängst junge Wiesenweihen vor dem sicheren Tod gerettet. „Ein Mitarbeiter der Agrar-Erzeugergemeinschaft Bismark bemerkte beim Strohballenpressen, dass ein Nest bei der Ernte übersehen wurde.“ Die Jungvögel hätten wie durch ein Wunder den Mähdrescher überlebt und ohne Deckung auf den Stoppeln gesessen.

Mit dieser Umzäunung werden die Jungvögel vor Erntemaschinen und Prädatoren geschützt.
Mit dieser Umzäunung werden die Jungvögel vor Erntemaschinen und Prädatoren geschützt.
Foto: René Fonger

„Kurzerhand riefen die Mitarbeiter bei mir an und informierten mich über die Situation“, erinnert sich der Ornithologe. Dadurch sei schnell ein Zaun um die Jungtiere gestellt worden und etwas Stroh, damit sie nicht von Prädatoren gesichtet werden können. „So konnte auch diese Brut flügge werden.“ Es sind Momente wie diese, die René Fonger in seiner Arbeit als Projektleiter für den Schutz der seltenen Greifvögel bestätigten.

Bald machen sich die Tiere wieder auf den weiten Weg in ihr Winterquartier in Afrika, ehe sie 2022 wieder in die Altmark kommen.