Umfelde l Noch vor gut 30 Jahren hatten die meisten Orte im Altmarkkreis ihre Dorfkneipe. Ob klein und gemütlich oder etwas größer mit einem Saal für Feiern, waren die Gaststätten Anlaufpunkte, um sich auszutauschen, für Veranstaltungen und vieles mehr. Inzwischen sind nur wenige übrig geblieben. Und wenn die Wirte das Ruhestandsalter erreicht haben, finden sie oft keinen Nachfolger.

Damit geht immer auch ein Stück Dorfkultur verloren. So war es auch in Ostwig, einem Ort im Sauerland. Die Mitglieder des dortigen Heimat- und Fördervereins wollten sich damit nicht zufrieden geben und riefen „Kumm rin, die Hofschänke“ ins Leben. Eine besondere Dorfkneipe, die ausschließlich ehrenamtlich geführt wird. 45 Wirte übernehmen den Ausschank und sichern die Öffnungszeiten ab. Unentgeltlich, aber geschult in Schankseminaren der Brauerei. Das nicht allzu umfangreiche Getränkeangebot gibt es zu moderaten Preisen. Der Jahresüberschuss der Ehrenamtskneipe wird nach Abzug aller Ausgaben in das Ostwiger Dorfleben investiert, erzählte der Vereinsvorsitzende Klaus Schmücker, beim Seminartag „Gemeinsam haben wir Zukunft“ in Umfelde.

Hobby-Wirte hinterm Tresen

Das Angebot kommt an, die Ostwiger und Gäste aus den Nachbarorte lassen sich regelmäßig, oder auch nur hin und wieder, im „Kumm rin“ blicken, vom Jugendlichen bis zum Kaffeekränzchen älterer Damen reicht dabei die Altersspanne, berichtet er. Mit dem Dienstplan – mindestens einmal im Monat steht jeder Hobby-Wirte hinter dem Tresen – gebe es keine Probleme. Und das obwohl die Kneipe auch an Feiertagen geöffnet ist.

Ein Beispiel, wie Dorfbewohner es selbst in die Hand nehmen, ihren Ort lebenswert zu gestalten, das die Teilnehmer beeindruckte. Doch auch die Altmärker brauchen sich dahingehend nicht zu verstecken, wie die Vorstellung von Projekten verschiedener Vereine zeigte. Ob Schützen-, Naturerbe- oder Kultur- und Heimatverein, die Mitglieder engagieren sich dafür, dass sich in ihren Dörfern etwas bewegt. Dabei muss es nicht immer ein Verein sein. Auch Initiativen, wie Lebensmittelkooperative Ellenberg, die Maibaum-Verantwortlichen in Diesdorf oder die Dorfgemeinschaft Quarnebeck engagieren sich für ihre Orte und deren Einwohner.

Viele Leute einbeziehen

In den meisten Fällen hänge der Erfolg von einem Motor ab, sagte der Initiator des Seminartags Ulrich Storck aus Diesdorf. Vielfach sind es einzelne oder wenige Personen, die Projekte nach vorn treiben. Wichtig sei, Arbeit und Aufgaben zu verteilen und zum mitmachen zu motivieren. Leute anzusprechen, und vor allem die Jugend einzubeziehen empfahl auch der Gast aus dem Sauerland. Denn ein zentrales Thema war, wie junge Leute dazu bewegt werden können, in der Region zu bleiben oder zurückzukehren. „Sie müssen sie fragen, wie attraktiv ist die Region für euch“, sagte Schmücker. Es reiche als Reaktion auf den demografischen Wandel nicht, ausreichend Angebote und ein angepasstes Lebensumfeld für Ältere zu schaffen. Vielmehr sollten die Interessen der Jugend eine große Rolle spielen, und dazu gehöre beispielsweise eine ständige Breitband-Verfügbarkeit. „W-Lan zu haben, ist heute ein Grundbedürfnis“, sagte Schmücker.

Landrat Michael Ziche kündigte ein neues Kreisentwicklungskonzept mit Blick auf die nächste EU-Förderperiode ab 2021 an. Dabei solle hinsichtlich der Daseinsvorsorge ein Diskussionsprozess in Gang gesetzt werden. Dabei sollen die Einwohner sagen können, wie sie sich ihr Leben im Altmarkkreis vorstellen und wohin die Reise gehen soll. „Das Verständnis füreinander wächst“, schätzte der Landrat ein.

Das Treffen war dazu angelegt, Anregungen und Ideen auszutauschen, in Verbindung zu bleiben und Netzwerke aufzubauen, erklärte Storck, nach knapp vier Stunden angeregter Gespräche. Deshalb es soll im kommenden Jahr auf jeden Fall eine Wiederholung geben, waren sich die Anwesenden einig.