Salzwedel/Malicounda l „Da bin ich schon noch typisch deutsch“, sagt Ute Moritz (59) in der Aula der Lessing-Ganztagsschule. Dort berichtete die ehemalige Lehrerin, wie sie 2018 in Malicounda Keur Waly im Senegal eine Vorschule für drei- bis fünfjährige Kinder bauen ließ. Moritz erzählt, welche Schwierigkeiten es beim Bau des Gebäudes mit den Gepflogenheiten in dem Entwicklungsland an der Westspitze Afrikas gab.

„Ich wollte zum Beispiel unbedingt, dass die Deckenplatte aus Beton gegossen wird“, berichtet die 59-Jährige. Der örtliche Bauleiter erklärte aber lapidar: „Das geht nicht.“ Für Ute Moritz aber kein Hindernis. Die Deckenplatte wurde unter Einsatz von einfachsten Werkzeugen doch gegossen.

In das Land verliebt

Nach einem Urlaub 2016 verliebte sich die Lehrerin in das Land in der Sahelzone. In kurzer Zeit hatte Ute Moritz zuvor zwei Schicksalsschläge zu verkraften. Erst starb 2008 ihr Sohn Thomas mit nur 26 Jahren bei einem tragischen Autounfall. Fünf Jahre später starb dann auch noch ihr Mann an Krebs. Mit seinem Erbe finanzierte sie nun den Bau der Schule, begann in Afrika ein neues Leben.

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Ende 2017 reifte dann schon die Idee für das Projekt in der Region Brousse. Mehrmals blieb sie für drei Monate in Afrika. Die Gemeinde schenkte ihr ein Stück Land und Mitte 2018 konnten die Bauarbeiten beginnen. „Jeder Stein wurde einzeln vor Ort gebrannt“, erzählt die Lehrerin von den Unwägbarkeiten im Senegal. Aber ihr Engagement war nicht zu bremsen. Und damit steckte sie auch die örtliche Bevölkerung an. So schaffte es Ute Moritz tatsächlich: Im November 2018 konnte die Vorschule „Case de Keur Thomas“ , benannt nach ihrem Sohn, eröffnen. Dazu kam auch ihr zweiter Sohn Tobias extra in den Senegal.

Kein Schulgeld

Am Anmeldetag zuvor war das Interesse der Einwohner riesig. Vielfach musste Ute Moritz jüngere Kinder ablehnen, denn ihre Schule ist kostenfrei. Normalerweise beträgt das Schulgeld umgerechnet fünf Euro pro Kind. Für viele senegalesische Familien, die oftmals mehr als zehn Kinder haben, eine große Summe. Dank zahlreicher Patenschaften aus Deutschland, unter anderem von der Klasse 9a der Lessing Ganztagsschule, kann die Schule weiter finanziert werden.

50 Mädchen und Jungen besuchen nun die Bildungseinrichtung, die die Kinder auf die eigentliche Schulzeit vorbereiten soll. Viele können nur die Stammessprachen der Umgebung und lernen dort nun die Landessprache Französisch. „Es ist sagenhaft, was man mit Bildung alles erreichen kann“, sagt Moritz mit tiefer Überzeugung. „Madame Ute“, nennen sie Kinder und die Dorfbewohner bei Malicounda. Kernstück des neuen Schulhauses ist eine 100 Quadratmeter große Lernwerkstatt.

Immer wieder um Rat gefragt

„Dort lernen die Kinder selbstständig, jeder nach seinem eigenen Rhythmus“, erzählt die Schulleiterin. Auch davon habe sie die örtliche Lehrerin erst einmal überzeugen müssen. Denn normalerweise gibt es im Senegal nur Frontalunterricht. „Und ich verändere die Region“, berichtet Moritz davon, dass nun die Kinder in dem muslimisch geprägten Land „ihre Eltern erziehen“.„Madame Ute hat gesagt...“, so beginnen nun viele Sätze in der Region rund um das Schulhaus. Denn Ute Moritz wird nun auch zu vielen anderen Begebenheiten im Alltag um Rat gefragt.

Und auch mit ihren Zöglingen ist die Deutsche mehr als zufrieden. „Der Erfolg ist da. Die Kinder können nun schon rechnen, schreiben und lesen“, freut sie sich und ist sich aber auch der Tatsache bewusst, dass sie nun für das Dorf auch „viel Verantwortung“ trägt. Deshalb sei über Freunde nun auch ein Verein gegründet worden. „Zuvor habe ich ja alles allein angefangen“, merkt sie selbst, dass die Aufgabe im größer geworden ist.

Spenden erlaufen

Heike Herrmann, Leiterin der Lessing-Ganztagsschule, lauschte den Ausführungen von Ute Moritz gespannt. „Ich ziehe den Hut vor so einer sinnvollen Lebensaufgabe. Unter der Überschrift „Verantwortung“ wollen die Lessingschüler das Projekt weiter unterstützen. Für 50 Euro übernehmen sie derzeit die Patenschaft für ein Vorschulkind im Senegal. Mit rund 1300 Euro gab es nun weitere Unterstützung aus dem Erlös des Sponsorenlaufes im April. Für Ute Moritz und ihr Anliegen ein Segen.