Salzwedel l In der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Salzwedel ist es selbsverständlich, sich gegenseitig zu unterstützen, berichtet Koordinatorin Birgit Schulze im Gespräch zur Volksstimme-Serie: Solidarität – Gibt es die noch?

„Menschlichkeit, Nähe, Wohlsein und den Menschen etwas geben, was sie schön finden“ - mit diesen Worten definiert Birgit Schulze, Koordinatorin der Volkssolidarität für die 22 Ortsgruppen im Bereich Salzwedel, Solidarität. Sie erklärt weiter: „Manchmal sind es nur Worte oder eine kleine Hilfe, wie Antragsstellung oder einfach nur einen Rat, den man geben kann. Ich glaube, dass es hier in der Volkssolidarität nicht unbedingt erwartet wird, doch ist man trotzdem füreinander da. Dadurch bildet sich eine Vertrautheit und Menschlichkeit, sodass sich die Leute wohlfühlen. Es geht um das Miteinander.“

Gegründet wurde der Sozialverband am 17. Oktober 1945, dessen Symbol eine dampfende Suppenschüssel darstellt. Ein Symbol, das wohl besonders nach dem Krieg für Hilfe und Unterstützung gestanden haben muss. Eine Zeit, in der Nahrung knapp war und eine warme Suppe ein Lächeln auf die Gesichter jener brachte, die es am dringendsten brauchten. Diese Bedeutung ist mit der Zeit aber nicht verloren gegangen. „Wir hatten auch schon Weihnachten für Kinder von Hartz-IV-Empfängern oder Tafeln organisiert. Solidarität gibt es also noch“, ist sich Birgit Schulze sicher.

Erinnerungen an den Start

Die heutige Koordinatorin arbeitet seit 1995 bei der Volkssolidarität. „Los ging es mit Ernährungsberatung, denn eigentlich habe ich Lebensmitteltechnologie studiert. So habe ich erst einmal die Ortsgruppen kennengelernt, indem ich Vorträge gehalten habe. Dadurch bin ich mit den Älteren in Kontakt gekommen, was am Anfang noch nicht so ganz fruchtete, weil ich ja noch jünger war. Da musste ich dann erst etwas Lehrgeld bezahlen, aber mit der Zeit wurde es“, erinnert sich Schulze schmunzelnd an ihre Anfangszeit bei der Begegnungsstätte. Sie lernte außerdem, dass sich in den Ortsgruppen im Raum Salzwedel, mit heute insgesamt mehr als 800 Mitgliedern, ein eigenes Miteinander entwickelt hat.

Zwar bietet der Sozialverband einen Ort zum Treffen und zahlreiche Veranstaltungen an, dennoch können die Mitarbeiter jedoch nicht für jede einzelne Person da sein. „Die Ortsgruppen haben eine Kommunikation unter sich. Eine ältere Dame saß einmal neben mir und hatte zu 100 Prozent Demenz. Sie hätte es alleine nie hierher geschafft, wurde aber abgeholt und zur Weihnachtsfeier hergebracht und das können wir im Betrieb nicht stemmen. Das sind eben die Ortsgruppen für sich. Die Mitglieder helfen sich gegenseitig“, erzählt Birgit Schulze von ihren Erfahrungen.

Man muss sich öffnen

Doch während Solidarität in den Ortsgruppen selbstverständlich ist, sind diese doch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Schulze: „Solange man berufstätig ist, ist es gar nicht so einfach, abends noch etwas zu unternehmen. Die Senioren haben natürlich Zeit sich tagsüber zu treffen“, begründet die Koordinatorin, warum Zusammenhalt und Miteinander bei manchen Personen vielleicht weniger stark ausgeprägt ist als bei anderen. „Ich habe das Glück, den Kontakt mit unterschiedlichen Menschen zu halten. Aber diejenigen, die sich verkapseln, bei denen sieht es schlecht aus. Die können auch nicht erwarten, dass man da mal an der Tür klopft, weil sie ja niemand kennt. Solidarität ist nur dann möglich, wenn man sich öffnet und mal vor die Tür geht.“

Eine ganz andere Dynamik, fernab vom Alltag gibt es bei Katastrophenfällen. „Zum Beispiel das Elbhochwasser vor ein paar Jahren in Fischbeck. Wir haben gestaunt. Da war auf einmal ein Solidaritätsverständnis, das war Wahnsinn. Wir haben Gelder zusammen gekriegt, auch für einzelne Menschen, die ihr neugebautes Haus verloren haben. So etwas kann man aktivieren“, glaubt Schulze fest an die Hilfsbereitschaft, die besonders dann zum Einsatz kommt, wenn Menschen in Not sind.

Damit Menschlichkeit und Miteinander nicht verloren gehen, hat Birgit Schulze einen einfachen Wunsch: „Einfach mehr rauskommen und Kommunikation suchen. Nicht die Einsamkeit fördern. Es müssen nicht alle zu uns kommen. Hauptsache sie vereinsamen nicht. Nur wenn man rausgeht, kann es passieren, dass man jemanden trifft.“