Diesdorf l In der Kirche benutzen wir den Begriff ‚Solidarität‘ eher selten. Doch das, worum es geht, ist ein zentrales Anliegen. Im Neuen Testament wird dies mit dem bildhaften Vergleich vom Körper und seinen Einzelteilen ausgedrückt: Als Gemeinde gehören wir in unserer Unterschiedlichkeit alle zu einem Körper, und haben darin unseren je eigenen Platz.

Im Leib sollen alle Teile füreinander sorgen. Wenn ein Teil leidet, leiden alle anderen Teile mit. Und wenn ein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen Teile mit.“ (1. Korintherbrief, Kapitel 12)

Dieses Bild beschreibt für mich sehr gut, was Solidarität bedeutet: Wahrnehmen, dass wir aufeinander angewiesen sind, und entsprechend zusammen halten! Diese Wahrnehmung ist entscheidend: in der Familie, im Dorf, in der Gesellschaft, und in der globalen Welt. Es geht hier nicht um Ideale, sondern um das Akzeptieren der Realität: unser Leben und unser Wohlergehen hängt mit den Anderen zusammen.

Zu Kompromissen bereit sein

Besonders deutlich wird das in den Dörfern unserer Region: Wo ein Gewerbe das andere nur als Konkurrenten sieht, wo jeder Verein und jede Organisation nur auf ihren eigenen Erhalt bedacht ist, wo die Einheimischen und die Zugezogenen sich in ihrer Unterschiedlichkeit nicht akzeptieren, wo an alten Streitigkeiten und Gräben festgehalten wird, und wo jedes Dorf nur sich selber sieht, - da geht alles den Bach runter.

Wo alle zu Kompromissen bereit sind, miteinander sprechen, sich zusammenraufen, um an einem Strang zu ziehen, - da ist Vieles möglich, selbst in den kleinsten Orten.

Man braucht nur die Augen aufzumachen und findet für beides viele konkrete Beispiele, – natürlich nie hundertprozentig, aber doch ansatzweise. Eine ‚freiwillige‘ Solidarität aus Einsicht (im Gegensatz zu staatlich verordneter Solidarität) ist nicht leicht. Natürlich gibt es das begründete Misstrauen, der andere könnte mich ausnützen, und vieles andere mehr.

Doch wenn wir wahrnehmen, dass wir ‚in einem Boot sitzen‘, und deswegen miteinander statt übereinander sprechen, finden sich Wege, das Leben in dem einen Boot ein Stück weit zum ‚Himmel‘ anstatt zur ‚Hölle‘ zu machen.