Diesdorf/Salzwedel l Es weht ein leichter Wind, die Temperatur ist angenehm und die Stimmung bei Heike Pfabe sowie Petra Würdig mit ihrer Enkelin Emilia (8) ist gelöst. Gerade hat das Lüdelsener Hobbymaler-Trio den wuchtigen Holztisch auf dem Spielplatz des Diesdorfer Freilichtmuseums hergerichtet. Blätter, Tuschekasten oder Bleistifte liegen bereit, doch zuerst lassen sie die freundliche, sommerliche Umgebung auf sich wirken.

Für ihr Hobby bietet sich das Museumsgelände mit den alten Fachwerkhäusern wahrlich an. Das sieht auch Juliane Helene Berger so. Sie leitet seit mehrere Jahren Mal- oder Zeichenkurse an der Kreisvolkshochschule (KVHS) Salzwedel. Und in diesem Jahr bereits die 8. Sommerakademie, für die die Teilnehmer wieder nach Diesdorf kamen.

„Wir waren schon im vergangenen Jahr hier“, berichtet Juliane Berger, dass die Künstler dort beste Bedingungen vorfinden. Zehn Teilnehmer sind in ihrem Kurs meist schon einige Jahre dabei. „Jeder ist frei“, meint Berger die Wahl der Farben, der Stile oder der Utensilien. Viele zeichnen zunächst einfache Skizzen auch mal mit Kohle, manche malen bereits Aquarelle und einige trauen sich auch schon an Bilder in Öl heran. Nur zum Auftakt kommt die Gruppe kurz am Morgen zusammen. Danach begibt sich jeder auf die Suche nach seinem perfekten Motiv.

Die Augen trainieren

Und das Museumsumfeld hat für das Hobby, das Altmärker und Niedersachsen aus der Region zusammenbringt, einiges zu bieten. „Wir trainieren hier auch unsere Augen“, sagt Juliane Berger, die heute als freischaffende Künstlerin in Bad Bevensen lebt und arbeitet. Die gebürtige Uelzenerin studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, an der Akademie der Freien Künste Berlin und war später unter anderem in Italien tätig. 1997 wurde sie zur Professorin der schönen Künste von der Internationalen Kunstakademie Fano Italien ernannt. Damit ist klar, dass die Künstler aus der Region äußerst fachkundig angeleitet werden.

„Jeder sucht sich ein bestimmtes Teil, was er dann malerisch umsetzt“, erklärt Berger das Vorgehen ihrer Schützlinge. So geht es darum, die klaren Strukturen eines Fachwerks mit den eher weicheren Zügen der Landschaft oder von Bäumen in der Umgebung in Einklang zu bringen. Deshalb auch das Training für die Augen. „Wir wollen genau sein“, betont die Kursleiterin. „Der Zaun dort vorne ist zum Beispiel ideal“, zeigt Berger auf die Formen der Holzlatten vor dem Weiher neben dem Freilichtmuseum.

Freier Blick in die Natur

„Das ist entspanntes Malen“, sagt Heike Pfabe auf der Holzbank am Spielplatz. Dazu gehört eine Tasse Kaffee und der freie Blick auf die Natur. Diese Freiheit schätzen die Teilnehmer im Freilichtmuseum. Und dass damit die Kreativität gefördert wird, bezeugt ein kleiner Stapel aktueller Werke, die Heike Pfabe mit dabei hat. Und noch ein weiteres Werk, das drei Teilnehmer gemeinsam geschaffen haben.

Marianne Richardt, Brigitte Schulz und Konrad Bohleke haben auf eigene Kosten einen kleinen Kalender erstellt, der eine Auswahl ihrer Werke mit Motiven aus dem Freilichtmuseum zeigt. Für einen Obolus von sechs Euro ist dieser unter anderem im Museum erhältlich. Der Erlös kommt der Diesdorfer Einrichtung in vollem Umfang zu Gute.