Das Benedikterkloster in Amt Dambeck

1224: Kloster Dambeck wird von den Grafen von Dannenberg/Elbe erbaut. Die „Herberge der Heimat“ nimmt Pilger, Durchreisende, Flüchtlinge und Notleidende auf.

1283: Erste urkundliche Erwähnung. Die benediktinische Ordensregel ist verbindliche Grundlage für die christliche Lebensgemeinschaft.

1400: Die Familie von der Schulenburg übernimmt die Verwaltung des Klosters.

1484: Probst Verdemann lässt den berühmten Einhornaltar für die Klosterkirche in Dambeck bauen. 1986 wird er zum Schutz vor Vandalismus in die Salzwedeler Katharinenkirche gebracht.

1541: Nach der Reformation wird das Kloster evangelisch.

1645: Nach der Plünderung im 30-jährigen Krieg verstirbt die letzte Nonne im Kloster.

1750: Kloster Dambeck wird für die landwirtschaftliche Nutzung umgebaut. Die Kirche erhält einen barocken Turm.

1900: Das Gutshaus wird zu seiner heutigen Form umgebaut.

1962: Das Gutshaus wird Internat für landwirtschaftliche Ausbildung mit Abitur und beherbergt 60 Lehrlinge.

1991: Die Benediktiner-Mönche suchen ein Stammkloster und bekommen 1992 einen Mietvertrag.

Amt Dambeck l Ora et labora – Bete und Arbeite. Für die Mönche der Joseph-Bruderschaft im Kloster Dambeck nahe der Hansestadt Salzwedel ist das nicht nur ein Spruch, sondern der Leitgedanke ihres Lebens. Der Tag beginnt für sie spätestens um 6 Uhr. Dann gilt es, die Kühe zu melken, die Tiere zu versorgen und das Frühstück vorzubereiten. „Gegen 8.30 Uhr halten wir die Morgenandacht ab. Anschließend frühstücken wir gemeinsam“, berichtet Bruder Jens. Als Prior ist er für alle Belange des Klosters verantwortlich.

Bis zum Mittagslob um 12 Uhr und der Abendandacht um 19 Uhr steht Arbeiten auf dem Programm. Denn die Mönche versorgen sich weitestgehend selbst. Dazu muss nicht nur der Klostergarten mit unzähligen Gemüse- und Kräuterbeeten sowie mehr als 400 Obstbäumen bewirtschaftet werden. In der Nähe von Mehmke besitzt das Kloster einen Acker, auf dem Bio-Getreide und Bio-Kartoffeln angebaut werden. Sechs Traktoren – drei Belarus, zwei ZT und ein Schlüter – stehen den Mönchen für die Feldarbeit zur Verfügung.

Das Getreide wird vor allem für die Versorgung der Tiere, wie Schweine, Kühe und Hühner, gebraucht. „Aus dem angebauten Dinkel backen wir Brot. Die Milch der Tiere müssen wir schnellstmöglich verarbeiten“, sagt Bruder Jens. Täglich werde deshalb Quark, Käse oder Frischkäse hergestellt. Für das sonntägliche Kaffeetrinken mit Andacht sowie die Besucher, die fast täglich im Kloster vorbeischauen, wird Kuchen gebacken. „Am Tag des offenen Denkmals kommen bis zu 400 Gäste zu uns. Im vergangenen Jahr wurden dafür 25 Torten und mehrere Kuchen gebacken“, erinnert sich Bruder Jens.

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Ärzte gaben die Hoffnung auf

Der Vorsteher der Dambecker Bruderschaft war nicht immer Mönch. Als Kind erkrankte er an Lungentuberkulose. Spätfolgen blieben. Nach der Ausbildung zum Tischler und Restaurator des Handwerks musste er seinen Beruf aufgrund seiner körperlichen Leiden an den Nagel hängen, wurde Berufsschullehrer in Soltau. „Das war die schönste Zeit meines Lebens. Ich konnte mein Wissen an die Jugend weitergeben“, sagt Bruder Jens.

Doch auch hier machte ihm sein Körper einen Strich durch die Rechnung. Er wurde arbeitsunfähig. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte folgten, die Ärzte gaben die Hoffnung auf, schickten ihn als untherapierbar nach Hause. „Auch Heilpraktiker konnten mir nicht helfen. Der letzte entließ mich mit den Worten ‚Wir müssen alle mal sterben. Bei Ihnen hilft nur noch beten‘.“

In der Hamburger Petrikirche traf er auf Christen, die für ihn und andere kranke Menschen beteten. Er lebte weiter, stellte sein Leben fortan in den Dienst Gottes und ließ sich zum Benediktiner-Mönch ausbilden. 1991 wurde er als Bruder Jens ins Kloster Dambeck ausgesandt.

„Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen in Not aufzunehmen. Das ist auch der Zweck der Stiftung Kloster Dambeck“, erklärt Bruder Jens. Mehr als 1000 Menschen hätten in den vergangenen fast 24 Jahren so wieder Boden unter den Füßen bekommen.

Fast zehn Jahre lang haben die Brüder zudem ukrainische Kinder aus Tschernobyl zur Erholung beherbergt. „Wir hatten damals eine Fahrradwerkstatt. Jedem Kind haben wir ein Rad geschenkt. Also brauchten wir alle paar Wochen 80 Fahrräder. Und was soll ich sagen, es hat funktioniert“, erinnert sich Bruder Jens. Es sei ein tolles Erlebnis gewesen. In den vergangenen Jahren stand mit der Restauration der Propstei eine wahre Mammutaufgabe ins Haus. Mit Hilfe von Fördermitteln des Landes und der Stiftung Denkmalschutz erstrahlt das Gebäude heute – nach fast vierjähriger Bauzeit – in neuem Glanz. „Durch meine Berufsausbildung konnte ich viel in Eigenleistung restaurieren. Dadurch konnten wir Geld sparen und auch noch den Innenausbau realisieren“, erklärt Bruder Jens sichtlich stolz.

Mittlerweile bietet die Propstei nicht nur Platz für Kaffeegäste und Empfänge. Auch Vorträge und Vereins-Veranstaltungen können dort abgehalten werden.

„Hier im Kloster haben wir auch jeweils zwei Stellen für Absolventen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) und Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst. Leider ist das nur wenigen bekannt“, sagt der Prior. Für sie stehe ein eigenes Haus mit Internet-Zugang zur Verfügung.

Das nächste Projekt ist die Sanierung der maroden Klosterkirche – und das in Eigenleistung. Zwei Jahre lang haben Bruder Jens und Bruder Axel an sechs Tagen die Woche bis zu zehn Stunden gearbeitet, um das einsturzgefährdete Dach notdürftig zu sanieren. „Wir sind eben Handwerker. Nun sollte das Dach für die nächsten 100 Jahre halten“, sagt Bruder Jens. Im Kloster zu leben, sei das Gegenteil von Selbstverwirklichung. „Hier heißt es, für andere zu Leben.“