Zethlingen l Das gab es noch nicht. In der Küche der Langobarden wurde römisch gekocht. Das Gericht war äußerst lecker, die wie die anwesenden Germanen versicherten. Sie waren wieder zum Stammestreffen zusammengekommen. Die suebischen und thüringischen Krieger und Frauen der Gruppen Tiuwari und Thunrakundi und die Semnonen aus dem Havelland. Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Leben vor gut 2000 Jahren nicht nur darzustellen, sondern auch möglichst authentisch nachzuvollziehen.

Dieses Ziel haben auch die Mitglieder der Legio I Germanica aus Waldgirmes in Hessen. Dort hatten die Römer in den Jahren 4/3 v. Chr. eine Siedlung gegründet. Schon wenige Jahre später begannen sie, Foren und monumentale Standbilder zu errichten. Zu überregionaler Bekanntheit gelangte ein bronzener Pferdekopf einer Augustusstatue, berichtete Hartmut Krämer bei dem Treffen. Bereits im Jahr 16 nach Christus wurde die Siedlung nach der verlorenen Varusschlacht unter Kaiser Tiberius wieder aufgegeben.

Nach einem Römertag 2009 fanden sich Gleichgesinnte zusammen, um die Legion zu bilden. Mit viel Akribie auf der Grundlage von archäologischen Funden und bildlichen Überlieferungen entwarfen sie Ausrüstung wie Schilde, Waffen, Helme und Alltagsgegenstände sowie Kleidung, die sie zu einem großen Teil selbst herstellten. Jeder hat in der Legion seinen Stand und Rang.

Bilder

Lebendige Darstellung der Geschichte

„Ich bin ein Einheimischer, der für die Römer kämpfte“, berichtet Ulrich Vetter. Seine Ausstattung ist weitaus spärlicher als die der oberen Ränge. Gekämpft wird bei den Legionären nicht. Ihnen gehe es um die lebendige Darstellung der Geschichte um die Zeitenwende, als Kaiser Augustus regierte. Dabei steht das militärisch-römische Leben im Mittelpunkt.

Die Kultur vor etwa 2000 Jahren zu ergründen, den Alltag und die Psyche der Menschen damals nachzuempfinden, darum geht es Sven Lorek. Seine Gruppe widmet sich den elbgermanische Semnonen, dem Stammvolk der Sueben. Sie lebten ebenfalls in augustinischer Zeit. Ihm sei es wichtig, den kulturhistorischen Hintergrund nachzuvollziehen, sagt Lorek. Auf Grundlage von Ausgrabungsfunden, Berichten und Zeichnungen wurde die Ausrüstung angefertigt, von der Gürtelschnalle über die Gewandfibel bis hin zu den Waffen. Zu letzteren greifen die Krieger nur noch, um die Besucher zu beeindrucken und sich im sportlichen Wettkampf zu messen.

Eckart Frey vom Förderverein für die Langobardenwerkstatt, Museumsmitarbeiter Lothar Mittag und die fleißigen Mitstreiter, die das Treffen vorbereitet hatten, freuten sich über die freundschaftliche Atmosphäre unter Gleichgesinnten und viele Gäste, die nicht nur schauen, sondern ihr handwerkliches Geschick beweisen konnten.