Stöckheim l Es funkelt schon weithin sichtbar die Straße hinunter. Genau wie es sich gehört. Eigentlich bräuchten die Nachbarn ringsum keine Straßenbeleuchtung. Wer neben dem Weihnachtsmann wohnt, kann also schon mal sparen. In Zeiten des Klimawandels ist das ja auch ein Vorteil. Zudem hat das Haus natürlich einen ganz besonderen Zauber: Wer sich ihm nähert, kommt automatisch in Weihnachtsstimmung. Und das nicht erst heute, am Heiligen Abend. Seit dem ersten Adventswochenende wird einem beim Anblick vom Weihnachtshaus in Stöckheim ganz warm ums Herz.

Wen wundert es da noch, dass nach dem Klingeln der Weihnachtsmann persönlich die Tür öffnet. Natürlich ist er noch in Zivil, als sich vor ein paar Tagen die Volksstimme angemeldet hat. Aber unverkennbar: Er ist es. Hausbesitzer Roland Plaasch ist Santa. Und zwar seit Ende der 90er Jahre.

Mehr als 100 Lichterketten

Da ist er nämlich ganz zufällig in den Job hineingestolpert. So mit ein paar Lichterketten vor dem Haus. „Erst bloß vor der Tür“, gibt der Stöckheimer fröhlich zu. Dann hat sich die Sache offenbar verselbstständigt. Mittlerweile sind es insgesamt über 100 Lichterketten, die hier im und vor dem Haus leuchten. Und hinter dem Haus geht es erst richtig los ...

Da nämlich gibt es eine Scheune – klar, schließlich ist Stöckheim ein Dorf, da gehört sich das so. Diese Scheune allerdings ist wohl einzigartig in der Region. „Warten Sie mal kurz“, sagt nämlich Roland Plaasch und verschwindet irgendwo im Dunkeln. Und plötzlich gehen ringsum überall auf seinem Hof und in der Scheune tausende Lichter an und Weihnachtsmusik spielt.

Mit einem Klick wird es hell

Quasi mit einem Klick verwandelt sich die Scheune in die Weihnachtsscheune schlechthin. Von außen und von innen. Denn drin herrscht die pure Weihnachtsgemütlichkeit. Ein Tannenbaum, klar, viel Grün, viel Holz, viel Deko. An der Wand eine Leiste mit nummerierten Socken.

Die ist übrigens von der ersten „Weihnachtsfeier“ im Jahr hängengeblieben. Da nämlich hatte Roland Plaasch, seines Zeichens auch stimmgewaltiger Tenor im Männerchor Harmonie Salzwedel, seine Sängerkollegen samt Frauen eingeladen und jedem von ihnen da eine Kleinigkeit hineingesteckt. „Das ist Tradition“, sagt Plaasch. „Das machen wir immer am Sonnabend vor dem ersten Advent.“ Und eigentlich hat er seine „Weihnachtsscheune“ auch ein bisschen den Chorbrüdern zu verdanken. „Ich wollte sie nämlich schon abreißen“, sagt er. Da hätten die Sängerkollegen aber protestiert. Und so blieb sie stehen und wurde Jahr für Jahr immer weihnachtlicher. „Nun ist sie wohl einmalig“, sagt Plaasch. Und mittlerweile ist sie natürlich längst der Lieblingstreffpunkt, nicht nur der Sänger.

Mehrere Jahre in Kanada

Wenn die kommen, dann singen sie selbstverständlich auch Weihnachtslieder, versichert der Gastgeber. Und zwar deutsche und englischsprachige. Plaasch ist nämlich beruflich mehrere Jahre in Kanada gewesen und von dort hat er auch ein paar Weihnachtsbräuche mitgebracht. Vielleicht auch ein paar Dekoartikel. Und vielleicht ist er ja auch dort noch ein bisschen mehr von diesem Weihnachtsvirus angesteckt worden, ohne es zu ahnen. Denn in Amerika ist ja bekanntermaßen alles ein bisschen größer und mehr und doller als hierzulande.

Doch selbst wenn Plaasch so manche Idee sicher dort aufgeschnappt hat: Die deutsche Gemütlichkeit ist überall zu spüren. „Das liegt schon daran, dass ich viel Wert darauf lege, dass es warmes Licht ist“, erklärt er. Auch bei den LED-Lichterketten achte er immer auf die Farbtemperatur.

Stromverbrauch ist gesunken

Dass es diese neue Technik gibt, freut den Hausherrn im Weihnachtsmannhaus übrigens sehr. Denn der Stromverbrauch sei damit in den vergangenen Jahren doch erheblich gesunken. Obwohl, darauf habe er eigentlich nie geachtet, verrät Plaasch achselzuckend. „Wenn die Stromrechnung kam, habe ich gar nicht erst hingeschaut.“ Wer das eine liebe, müsse das andere mögen. Und auch die viele Arbeit, die das Schmücken macht, macht dem Stöckheimer nichts aus. „Im September fange ich schon damit an“, gibt er zu. „Und dann, so nach und nach,“ werde alles dekoriert. „Ich bin ja Rentner. Ich habe Zeit dafür.“

Aber was sagt eigentlich Frau Weihnachtsmann zum Hobby ihres Mannes? „Na ja, manchmal, wenn ich wieder was Neues gekauft habe, sagt sie hmmm, hmmm ...“, gibt Plaasch augenzwinkernd zu. Aber längst ist auch sie angesteckt vom Charme der heimischen Weihnachtszauberwelt. Denn im Haus ist es zur Adventszeit ebenso festlich und gemütlich. Dafür sorgt nicht nur der fröhliche Havaneser Smiley, der seit einigen Jahren der Weihnachtshund im Haus ist – auch hier herrscht dekotechnisch absolut weihnachtliches Flair.

Langer Rauschebart

Eine Frage drängt sich dem Besucher bei all der Lichterpracht allerdings auf: Wenn es schon in den Wochen vor Weihnachten so festlich ist, gibt es dann überhaupt noch eine Steigerung? Roland Plaasch beantwortet das mit einem Schmunzeln und zückt sein Smartphone. Die Fotos drauf zeigen ihn nämlich in einem unglaublichen Weihnachtsmannkostüm. So richtig fluffig mit Fellkragen, einer Fellkugel an der Mütze, mit echten Weihnachtsmannstiefeln und einem langen weißen weichen Rauschebart.

Mit dem angetan, verwandelt sich der Stöckheimer dann am Heiligen Abend tatsächlich in den „echten“ Weihnachtsmann. Und er hat auch fast soviel zu tun wie das Original: 15 Familien besucht Plaasch in diesem Jahr an den Feiertagen. Ein Mammutprogramm. Und dazu kommen noch Besuche in der Vorweihnachtszeit, wo er in Kindereinrichtungen der Region vorbeischaut. Sein Markenzeichen dabei: Die Uhr an der Kette um den Hals. Denn schließlich muss er seine vielen Termine ja im Auge behalten.

Keine Rute, kein Schimpfen

Dass die Uhr meist schon eine ziemlich fortgeschrittene Stunde anzeigt, sein eigenes Weihnachtsfest also auch heute Abend wohl spät anfängt, daran hat sich die Familie schon gewöhnt. Und Plaasch selbst bekommt den schönsten Lohn, wenn sich die Kinder über seinen Besuch freuen. Und er freut sich auch über die Weihnachtslieder und Gedichte, die er in den Stuben hört. „In manchen Häusern gibt es sogar Kinder, die ein Instrument spielen. Das ist so schön“, schwärmt er.

Tränen hat er übrigens noch nie gesehen. „Bei mir gibt es auch keine Rute und kein Schimpfen.“ Er ist ein lieber Weihnachtsmann. Selbst wenn es peinliche Fragen gibt. „Warum bist du denn so dick?“, hatte ihn im vergangenen Jahr zum Beispiel mal ein Kind gefragt – denn der Stöckheimer Weihnachtsmann ist tatsächlich ein sehr stattlicher Bursche. Und der hatte selbstverständlich auch eine coole Antwort für das vorwitzige Kind. „Wenn ich dünner wäre, wär ich ja der Osterhase“, hatte er gesagt – und ein Kichern geerntet.

Fröhlich kommentiert auch Smiley diese Anekdote. Geht er eigentlich mit auf Tour? „Nee“, sagt Roland Plaasch. „Ich hab überlegt, ihn mit einem Rentiergeweih auf dem Kopf mitzunehmen. Aber er würde mir wohl die Show stehlen.“ Auch der Weihnachtsmann ist eben ein klein bisschen eitel. Das macht ihn irgendwie noch sympathischer ...