Salzwedel l Immer wieder wurden die Erläuterungen von Bauplanerin Bianka Niemeyer durch lautes Gemurmel der Anwohner des Südbockhorns unterbrochen. Bauamtsleiterin Martyna Hartwich und die Planerin präsentierten den Anliegern kürzlich die Planungen zum grundhaften Ausbau der Straße. Die Betroffenen übten bei vielen Punkten Kritik. Fast alle 120 Anwohner wollen nach Angaben von Ingo Drechsel, Stadtratsmitglied und selbst betroffen, zudem gegen die Zahlung der Straßenausbaubeiträge Widerspruch einlegen.

Beitrag: 827.000 Euro

Genau beim Punkt Beiträge wurde es unruhig in der Aula der Lessing-Grundschule. Die rund 100 Anwesenden hörten von Bauamtsleiterin erstmals den Teil der Kosten, den sie nach der städtischen Beitragssatzung aufzubringen haben. Die Sanierung des Südbockhorns kostet nach Schätzung des Bauamtes etwa 1,7 Millionen Euro. 827.000 Euro davon soll durch die 120 Grundstücksbesitzer geteilt werden. Allein für das Grundstück der Jenny-Marx-Grundschule muss in diesem Fall die Stadt als Anlieger 92.000 Euro übernehmen, war zu erfahren. Die geschätzten Kosten konnte jeder einzelne Anwohner für sein Grundstück im Anschluss der Versammlung erfragen.

„Ihnen ist aber bekannt, dass die Straße schon lange auf der Agenda steht“, sagte Martyna Hartwich zu Beginn. Anschließend übernahm Bianka Niemeyer die Aufgabe, die Neugestaltung des Südbockhorns vorzustellen. Schon dabei wurden aus der Versammlung immer wieder Fragen laut.

Noch keine Ausschreibung

Frank Rossau nutzte als erster die Möglichkeit, seine Fragen loszuwerden. Er wollte wissen, ob denn schon eine Ausschreibung für die Arbeiten erfolgt sei. Dies verneinte Martyna Hartwich. Zunächst müssen darüber noch der Bau- und Hauptausschuss befinden, also einen sogenannten Herstellungsbeschluss fassen.

Anschließend wurden die Fragen konkreter. Ein neuer Fußgängerüberweg nahe der Aufmündung zur Jahnstraße, die Platzierung neuer Parkplätze in Höhe der Volkssolidarität und gegenüber der Grundschule sowie ein fehlender Radweg wurden kritisiert.

Baubeginn im Mai

Besonders dem Datum des anvisierten Baubeginns, dem 15. Mai, wollten die Anwesenden wenig Glauben schenken. „Ich fühle mich verarscht“, war die wenig schmeichelhafte Aussage eines Anwohners vor dem Hintergrund, dass noch keine Ausschreibung erfolgt ist und auch noch städtische Gremien dem Ausbau zustimmen müssen. Martyna Hartwich nannte dennoch das Ziel, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 8. Mai der Auftragsvergabe zustimmen könnte.

Es folgten weitere Wortwechsel zwischen Ingo Drechsel, Frank Rossau und Martyna Hartwich hinsichtlich der Bürgerbeteiligung im Vorfeld der Maßnahme sowie der kurzfristigen Einladung zur Anwohnerversammlung. „Sie planen und wir bezahlen“, lautete eine enttäuschte Äußerung von Drechsel.

Ausgerechnet am Lehrerzimmer standen die Anwohner am Ende Schlange, um nacheinander zu erfahren, welche Kosten auf sie zukommen. Glücklich wirkte dort niemand.