Salzwedel l Anhalten, Türen auf, Ranzen aus dem Kofferraum, ein kurzer Abschied und weiter gehts. Dies ist das tägliche Bild vor vielen Bildungseinrichtungen. Insbesondere Eltern aus den Ortsteilen bringen ihren Nachwuchs oft persönlich bis vor die Schultür und verkürzen so die oft relativ langen Busfahrzeiten spürbar. Aber auch Kinder in unmittelbarer Nähe werden häufig mit dem Auto zur Schule gebracht. Meist gibt es allerdings aus verkehrstechnischer Sicht einen gravierenden Nachteil. Parkende Autos sorgen für Enge, andere Verkehrsteilnehmer sehen sich dadurch zum Überholen oder Lückenspringen gezwungen. Dazwischen wuseln Fußgänger, Radfahrer, Kinder.

Über 50 Autos in 15 Minuten

„Grundsätzlich ist gegen das Elterntaxi nichts einzuwenden. Die Eltern sollten allerdings einige Regeln beachten“, sagte Frank Fleischhauer, Regionalbeauftragter des Auto Club Europa (ACE). Gemeinsam mit dem Salzwedeler ACE-Mitglied Uwe Ahrends machte er sich vor dem Salzwedeler Jahn-Gymnasium ein Bild. Dabei kamen Fleischhauer und Ahrends zu einem überraschenden Ergebnis: In dem scheinbaren Chaos herrschen mehr Ordnung und Disziplin als zuvor erwartet. Mehr als 50 Elterntaxis konnten die beiden Clubmitglieder in rund 15 Minuten zählen. Nur vier Fahrzeuge hielten in zweiter Reihe, zweimal wurde eine Einfahrt für den Stopp blockiert.

„Ein gemessen an der Zahl der Fahrzeuge ungewöhnlich gutes Ergebnis“, lobte Fleischhauer, der im Auftrag des ACE bereits in mehreren Städten ähnliche Untersuchungen organisiert hat. Besonders sticht hervor, dass alle Schüler auf der gefahrlosen rechten Seite das elterliche Auto verlassen haben. Überrascht zeigte sich Uwe Ahrends zudem davon, dass der Parkraum an der Katharinenkirche und am Hansehof mehrfach zum Aussteigen genutzt wurde. Anwohner hingegen kritisieren das hohe Verkehrsaufkommen und die daraus resultierenden Probleme.

„Schüler sollten ruhig ein Stück des Weges selber gehen. Das schafft Sicherheit und Routine im Verkehr“, legt der Salzwedeler den Eltern ans Herz.

Das sieht auch Frank Semisch, Sprecher des Salzwedeler Polizeirevier so. „Wenn Eltern es ihren Kindern zutrauen, sollten sie diese allein zur Schule gehen lassen.“ Eventuell auch nur eine Etappe. „Manche Situationen würden entschärft werden, wenn die Eltern ihre Kinder einige Meter vor der Schule absetzen und diese die letzten Meter allein gehen.“ Grundsätzlich müsse der Schulweg aber vorher gemeinsam abgegangen und die Gefahren erläutert werden. Ebenso das Verhalten an den Bushaltestellen würde hin und wieder einen Blick der Eltern verdienen.

Zu Stoßzeiten Verkehr wie am Flughafen

Apropos Bushaltestelle: Die an der Lessing-Ganztagsschule, inklusive Teile der Lindenallee, sei zu Stoßzeiten von Autos der Eltern belegt, erklärt Schulleiterin Heike Herrmann. Zwar seien die Eltern einsichtig, wenn sie angesprochen würden. Doch Hermann wünscht sich, dass die Eltern die regulären Parkplätze im Wohngebiet Arendseer Straße nutzen würden. Manche täten dies bereits. Doch „der Tag X wird kommen“, ist sich die Schulleiterin sicher, dies sei nur eine Frage der Zeit. Daher appelliert sie eindringlich an die Eltern. Denn: „Zu den Stoßzeiten ist es hier wie am Flughafen.“

Ein ähnliches Bild bietet sich an der Perver-Grundschule. Auch hier sorgen Helikopter-Eltern für Gefahren. „Das Problem ist, dass Kinder sich zwischen den Autos durchschlängeln“, weiß Schulleiterin Angela Ritter-Hundt. Sie musste schon ein Hinweisschild am Eingang anbringen, damit nicht auch noch dieser zugestellt werde, sagt sie. Auch würden Eltern vor der Schule Rangieren, was ebenfalls zu Irritationen bei anderen Verkehrsteilnehmern führe. Schlussendlich appelliert auch sie an die Eltern, nicht nur auf das eigene, sondern auch auf andere Mitschüler Rücksicht zu nehmen.

Um sich ein genaues Bild vor weiteren Salzwedeler Schulen zu machen, wird Uwe Ahrens seine Stichproben wiederholen. Dann aber an anderen Bildungseinrichtungen der Stadt.