Salzwedel l Mitarbeiter der Frühschicht des Salzwedeler Unternehmens Paradiesfrucht sind erneut in den Ausstand getreten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte zu einem vierstündigen Warnstreik aufgerufen, weil die Geschäftsführung von Paradiesfrucht weiterhin ablehnend zur Aufnahme von Tarifverhandlungen reagiere.

Die Gewerkschaft fordert, die Arbeitsbedingungen der rund 250 Beschäftigten tariflich zu regeln. Verhandlungsführer Thomas Gawron spricht von einer immer noch bestehenden „Lohnmauer“ zum rund zehn Kilometer entfernten Nachbarland Niedersachsen. Auch 29 Jahre nach der Wiedervereinigung würden bei der Paradiesfrucht noch bis zu 31 Prozent niedrigere Löhne gezahlt, als für vergleichbare Beschäftigte in Niedersachsen. Hinzu komme, „dass die niedersächsischen Kolleginnen und Kollegen jeden Monat rund einen Arbeitstag weniger arbeiten, dafür aber mehr Urlaub als die Mitarbeiter bei Paradiesfrucht erhalten“, erklärt er.

Inzwischen habe die Geschäftsführung in einem internen Schreiben mitgeteilt, den Beschäftigten in Kürze eine freiwillige Lohnerhöhung gewähren zu wollen. Dies wertet Gawron als Erfolg des ersten Streiks Anfang Oktober. „Rechtssicherheit und wirklich faire Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten bieten jedoch nur Tarifverträge“, betont Gawron, der die Stimmung während des Streiks als gut beschreibt und von 50 Teilnehmern spricht.

Abläufe nicht beeinflusst

Paradiesfrucht-Geschäftführer Bernd Wiesner hat allerdings nur 25 Streikende gezählt, wovon sieben eine Freischicht gehabt hätten. Damit wären nur 18 von 121 zu dem Zeitpunkt beschäftigten Mitarbeitern, der Arbeit fern geblieben. Das zeige sich anhand der Listen, in denen aufgeführt ist, wer gearbeitet hat und wer nicht. Die Abläufe seien dadurch nicht beeinflusst worden.

Dass eine Lohnerhöhung angekündigt wurde, habe mit dem Streik nichts zu tun. Sie sei Bestandteil der Firmenpolitik und erfolge regelmäßig. Die große Mehrheit der Mitarbeiter werde ohnehin schon übertariflich bezahlt. „Wir hatten bereits gute Lohnsteigerungen“, schätzt er ein.

Nicht verpflichtet

Paradiesfrucht sei als Arbeitgeber nicht verpflichtet tarifgebunden zu sein. Ziel sei, nicht alle Beschäftigten gleich sondern leistungsgerecht zu bezahlen. „Der Weg, den die Gewerkschaften gehen, ist nicht mehr zeitgemäß“, betont der Geschäftsführer. Er wertet die aus seiner Sicht geringe Teilnahme am Streik so, dass die Überzahl der Beschäftigten mit der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen zufrieden ist.