Gardelegen l „Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten ...“ Stimmt dieser Spruch des Philosophen Rabindranath Tagore, ist Christa Ringkamp eine Weise. Denn Garten ist ihr Metier. Zahllose Gartenprojekte hat die Garten- und Landschaftsarchitektin in der Gartenakademie Sachsen-Anhalt nämlich schon angeschoben. Vereinschef Christoph von Katte bezeichnet sie als „den klugen Kopf“ des Vereines.

2011 war der gegründet worden. Das Ziel: Gärten und Parks als Begegnungsräume zu entwickeln, sie als Orte für Denkmal- Landschafts-, Natur- und Umweltschutz den nachfolgenden Generationen zu erhalten. Eines der wichtigsten Projekte seither ist „Natur im Garten“.

Opas Garten

Naturnah Gärtnern, „das heißt arbeiten im Einklang mit der Natur, unter Berücksichtigung natürlicher Kreisläufe und der Artenvielfalt.“ Ein naturnaher Garten komme ohne Pestizide, ohne leicht lösliche Mineraldünger und ohne Torf aus, sagt Ringkamp. Dafür biete er Platz, zum Beispiel für Wildstrauchhecken, Wiesen, Laubbäume, blühende Stauden und Beerensträucher, für einen Komposthaufen, Gemüse- und Kräuterbeeten. Eben so, wie schon die Großeltern einst einen Garten anlegten.

Und immer mehr Menschen finden sich, die das ganz genau so sehen, wie Christa Ringkamp und ihre Mitstreiter. „Sie rufen uns an, weil sie diese Plakette wollen“, erzählt Ringkamp. Jene schmucke emaillierte Metallscheibe, die die Gartenakademie Sachsen-Anhalt seit einigen Jahren an Gartenbesitzer vergibt, die sich an die Kernkriterien für einen natürlichen Garten halten.

Natur ist wichtig

Und die ist nicht nur „eine Zierde für jedes Gartentor. Wir wollen damit zeigen, dass uns Natur wichtig ist“, betont Ringkamp, und zwar unabhängig von der Größe, Ausstattung oder Lage des Gartens. Schon ein Vorgarten – und derer gibt es viele in Sachsen-Anhalts ländlichen Regionen – kann so zu einem Naturgarten werden. „Die Menschen müssen nur wieder wissen, wie man das macht.“

Und genau da greifen zahlreiche andere Projekte der Gartenakademie. So zum Beispiel das der „Garden-Sniffers“ (Gartenschnüffler), bei dem Jugendliche, junge Erwachsene und junge Familien wieder ganz praktisch lernen, wie ein Garten angelegt und gepflegt wird. Und das Gärten auch Therapieorte seien, wirklich heilen können, weiß Christa Ringkamp ohnehin. „Seit dem vergangenen Jahr bildet die Gartenakademie deshalb auch Gartentherapeuten aus. Die ersten haben ihre Zertifikate bereits in der Tasche.“

Beispiel für Senioren

Mit dem Projekt „Mit Rollator und Spaten ab in den Garten“ will die Gartenakademie aber auch Senioren wieder dazu ermuntern, ihren eigenen Garten weiterhin zu pflegen. Ein echtes Vorzeigeobjekt unterstützt der Verein derzeit im altmärkischen Neulingen: Dort gestalten Sabine und Albrecht Müller (77 und 80 Jahre alt) ihren 150 Jahre alten Vierseitenhof mit Wohn- und Wirtschaftshäusern und anliegendem Garten derzeit auch mithilfe der Gartenakademie zu einem Schauobjekt um, das anderen Senioren Mut machen soll. Denn Theorie sei das eine, praktische Beispiele das andere, sagt Ringkamp: „Wir müssen die Bürger mitnehmen.“

Denn schließlich komme es immer darauf an, mit welchen Augen man die Dinge sieht. Wo der eine Unkraut sieht, sieht Christa Ringkamp zum Beispiel tausend Verwendungsmöglichkeiten: „Vogelmiere? Selbst daraus lässt sich ein leckeres Pesto machen“, sagt sie lachend. „Erst neulich habe ich ein Glas gekauft. Für sechs Euro.“ Und dass die Suppe aus Radieschenblättern, die sie selbst in ihrer Kindheit öfter vorgesetzt bekam, heute in Spitzenrestaurants angeboten wird, „das würde meine Mutter sicher sehr freuen.“

Wie`s gemacht wird? Auch das kann man in verschiedenen Kursen der Gartenakademie lernen. Die Kontaktaufnahme ist hier möglich.