Mehrin l Ein Thema, das im abgelaufenen Jahr 2017 viele Menschen beschäftigt hat, ist der Wolf. Logisch, dass auch Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner dazu eine klare Meinung hat. Volksstimme-Redakteurin Conny Kaiser traf sich mit ihm auf eine Tasse Kaffee, um mit ihm über dieses und andere Themen, aber auch über Persönliches zu sprechen.

Hans-Ulrich Brückner, der eigentlich aus dem Raum Aschersleben stammt, kam vor mehr als 50 Jahren der Liebe wegen nach Mehrin in der heutigen Einheitsgemeinde Kalbe. Das Thema Gebiets- und Strukturreform, das kennt der 72-Jährige nur zu gut. Schließlich war er nach der Wende und bis 2002 Chef des Personalamtes der Kreisverwaltung Salzwedel und musste dort mit dafür sorgen, die Altkreise Gardelegen, Klötze und Salzwedel zusammenzuführen. Später oblag ihm als Personalchef des Klinikums eine ähnliche Aufgabe bei der Fusion des Gardeleger und des Salzwedeler Krankenhauses.

Schulbank drücken

Eigentlich ist Hans-Ulrich Brückner jedoch studierter Veterinäringenieur. Nur gab es diesen tiermedizischen Beruf nach der politischen Wende plötzlich nicht mehr. Der Mehriner musste umsatteln – und auch noch einmal die Schulbank drücken, um die vor ihm liegenden Aufgaben in der Kreisverwaltung meistern zu können. Und weil Herumsitzen für einen wie ihn nichts ist, entschied er sich 2008, nachdem er im Jahr zuvor in die sogenannte Ruhephase der Altersteilzeit eingetreten war, den gerade frei gewordenen Posten des ehrenamtlichen Kreisjägermeisters zu übernehmen. Dieser ist quasi der Boss von rund 2000 Jägern im gesamten Altmarkkreis, die sich wiederum auf die drei Jägerschaften Gardelegen, Klötze und Salzwedel verteilen.

Afrikanische Scheinepest auf Vormarsch

„Es ist ein recht aufwendiges Amt“, sagt Hans-Ulrich Brückner und meint damit unter anderem, dass das, was er von sich gibt beziehungsweise in Zusammenarbeit mit anderen entscheidet, gerichtsfest sein muss. Stichwort Jagdwaffenentzug, der zum Glück nicht oft vorkommt. Sein Hauptaugenmerk legt der Kreisjägermeister aber auf die „Bewahrung des deutschen Waidwesens“, bei dem „die Ehrfurcht vor der Natur“ im Vordergrund stehe, wie er betont. Und genau das werde auch dem hiesigen Jägernachwuchs vermittelt, der vor der Prüfung in entsprechenden Lehrgängen praxisbezogen ausgebildet werde. Einen immer größeren Stellenwert nehme dabei die sogenannte Wildbrethygiene ein. Denn ein Waidmann müsse lernen, wie zur Strecke gebrachtes Wild fachmännisch aufzubrechen und zu zerlegen sei. Hausschlachtungen, bei denen so etwas schon früh vermittelt werde, gebe es ja kaum noch.

Für Hans-Ulrich Brückner ist der Aufenthalt in der Natur das Schönste am Jagdwesen, „auch wenn man dann ohne Beute nach Hause kommt“. Ein Waidmann habe die Population der einzelnen Wildrassen im Auge zu behalten. Umso mehr sorge es ihn, dass es in einigen Teilen seines Zuständigkeitsbereiches kaum noch Muffelwild gebe und sich auch andere Wildarten kaum mehr aus der Deckung wagen würden. Grund sei das erhöhte Aufkommen des Wolfs. „Ich glaube nicht, dass wir ihm Gutes tun, wenn er sich ungehindert ausbreiten kann“, sagt der Kreisjägermeister und weist dabei das Argument der Artenbedrohung streng zurück.

Schutzstatus für Wolf aufheben

„Der Osten Europas steckt voll von Wölfen“, so seine Worte. Die Bundesregierung müsse in Brüssel dafür sorgen, dass der strenge Schutzstatus für den Isegrim aufgehoben werde. Denn seine Population wachse da, wo er wieder heimisch geworden sei, jährlich um rund 30 Prozent.

Sorgen bereitet Brückner aber auch der Vormarsch der Afrikanischen Schweinepest. Sie habe die hiesige Region zwar noch nicht erreicht. Dennoch müssten im Umgang mit gestrecktem Schwarzwild jedwede Maßnahmen ergriffen werden, damit dies so bleibe.