Salzwedel l Ein blutiger Kadaver auf einer Landstraße. Ein Tier, das einmal der Liebling einer Familie war. Doch viele Autofahrer fahren achtlos vorbei. So etwas bricht Marie Luise Schmeiß (21) aus Salzwedel das Herz. Sie engagiert sich leidenschaftlich dafür, dass die toten Tiere geborgen werden und ihre Familien erfahren, was mit ihrem treuen Begleiter passiert ist.

Diese Momente erfordern manchmal Mut. Nicht immer ist das Lebewesen noch als solches zu erkennen, wenn Marie Luise Schmeiß (21) ein überfahrenes Tier von einer Straße des Altmarkkreises holt. Wenn sie Glück hat, dann hat schon ein anderer Verkehrsteilnehmer den Liebling einer Familie zumindest an den Straßenrand gelegt. Aber manchmal ist es eben auch eine sehr blutige Angelegenheit. Das schreckt die junge Frau aus Salzwedel aber nicht ab. Sie engagiert sich in der Region für das Tierbergungsteam Sachsen-Anhalt.

Besitzer nicht im Ungewissen lassen

Marie Luise Schmeiß hat dabei ein ganz konkretes Ziel: Sie möchte, das die Besitzer eines toten Haustieres zumindest erfahren, was mit ihrem lange vermissten Begleiter passiert ist. Niemand soll im Ungewissen bleiben. Deshalb fährt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit los, wenn sie über ein weiteres, trauriges Tierschicksal informiert wird. „Jede Fellnase hat es verdient, wieder nach Hause zu kommen“, sagt die junge Frau im Gespräch mit der Volksstimme.

Bilder

Ausrüstung immer parat

Im Kofferraum ihres Autos liegen Handschuhe, Plastiktüten und ganz wichtig, ein Chip-Lesegerät sowie ein Rasierer bereit. Damit kann sie zum Beispiel bei einer toten Katze auslesen, ob das Tier registriert ist. Oder sie findet Kastrastionsnarben, eine Tätowierung und andere besondere Merkmale, die die Besitzer zum Beispiel bei einer Vermisstenmeldung angegeben haben. Alles wird fotografiert, damit der Totfund später eindeutig zugeordnet werden kann.

Bei einer normalen Polizeikontrolle führte der Inhalt ihres Kofferraums bereits zu einer kuriosen Situation. Den Beamten kamen Handschuhe und Plastiktüten doch etwas komisch vor. Aber die Tierfreundin konnte die Polizisten aufklären. „Eigentlich hat nur noch ein Spaten im Kofferraum gefehlt“, erzählt sie mit einem Lachen von der Situation.

Ansprechpartner für Salzwedel

„Ich habe einfach ein Herz für Tiere“, sagt die ausgebildete Floristin, die in Waddekath an der Landesgrenze aufgewachsen ist. Sie besitzt selbst zwei Katzen. „Meine Räuber“, nennt sie ihre tierischen Lebensbegleiter liebevoll. Sie mag sich nicht vorstellen, ihre Fellnasen einmal zu vermissen. Das ist ihr Antrieb, um im Altmarkkreis in ihrer besonderen Mission unterwegs zu sein.

Das sogenannte Tierbergungsteam Sachsen-Anhalt beruht auf einer Initiative einer Tierschützerin aus der Region Halle. „Swetlana März hat das Projekt ins Leben gerufen“, erzählt Marie Luise Schmeiß. Auf einer Facebookseite sammelte sie Bilder von Totfunden, und versuchte so, die Besitzer der Tiere zu ermitteln. Und das Ansinnen fand nach und nach immer mehr Mitstreiter. Mittlerweile gebe es in fast jedem Kreis des Landes einen Ansprechpartner. Auch die Salzwedelerin hat nun eine eigene Facebookseite, über die man Kontakt zu ihr aufnehmen kann.

Blutlachen, verstümmelt Kadaver - „damit habe ich keine Probleme mehr“, erzählt die 21-Jährige. Für sie seien die Tiere so etwas wie Seelenverwandte. Manchmal fährt sie nach einem Hinweis auch abends um 21.30 Uhr nochmal los. Das alles macht sie, um den toten Haustieren ein würdevolleres Ende als im Straßengraben zu ermöglichen.

Weitere Mitstreiter gesucht

Dafür hat sich Marie Luise Schmeiß auch bereits bei der Polizei in Salzwedel vorgestellt. Auch beim Ordnungsamt der Hansestadt ist ihr Ansinnen bekannt. Demnächst will sie auch noch Kontakt zur Feuerwehr und der Stadtreinigung suchen. Und sie sucht weitere Mitstreiter, denn die Wege im Altmarkkreis sind bekanntlich lang. „Es fehlen Helfer in Klötze, Gardelegen oder Arendsee“, zählt sie auf, und hofft, dass sich Interessierte bei ihr melden. Sie bietet zudem an, bei den ersten Einsätzen an der Seite der Neulinge zu stehen.

Zuletzt hat Marie Luise bei Mahlsdorf zwei tote Streuner eingesammelt. „Dann gehört auch Klinkenputzen zu meinen Aufgaben“, berichtet die Tierschützerin. An so mancher Haustür erntete sie noch skeptische Blicke, andere waren aber auch sehr hilfsbereit.

Sich nicht selbst in Gefahr bringen

Und was sagt ihr Freund zu dem zeitaufwändigen Engagement? „Der steht mir zur Seite und findet es richtig, was ich mache“, kann Marie Luise auf ihren Partner zählen.

Und Marie Luise Schmeiß geht es nicht nur um vermisste Haustiere. Auch bei Wildtieren hat sie keine Scheu, ein totes Tier von der Straße zu holen und den zuständigen Jagdpächter zu informieren. „Ich kümmere mich auch um einen überfahren Hasen“, sagt sie. Ganz wichtig dabei, auch für andere die so reagieren, warnt die Tierschützerin: „Man darf sich und andere dabei aber nicht in Gefahr bringen.“

Kontakt

Wer ein totes Tier entdeckt hat oder Marie Luise Schmeiß bei ihrem Einsatz im Altmarkkreis unterstützen möchte, kann sie unter Telefon 0173 495 78 00 erreichen. Auch über die Facebookseite www.facebook.com/bergungsalzwedel ist die Tierfreundin erreichbar.