Salzwedel l Es ist eine recht typische Situation, besonders für Touristen: Man ist in der Stadt unterwegs, die Blase drückt, und Toiletten sind nicht in Sichtweite. Erwachsene haben da vielleicht noch die nötige Selbstbeherrschung. Sind sie aber mit Kindern unterwegs, wird es kritischer.

Normalerweise wäre das nächst gelegene Restaurant eine Option für das dringende Bedürfnis. Doch während der Corona-Pandemie setzen viele Restaurants eher auf Lieferdienste und haben ihre Türen verschlossen. Da kann man momentan nicht einfach rein und auf die Kundentoilette gehen.

Stattdessen ein Gebüsch zu nehmen, wäre sehr riskant und kann ein Strafgeld kosten. Aktuell dürften also öffentliche Toiletten, die von manchen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, die beste Alternative sein.

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Dürftiges Angebot in Salzwedel

Für diese in Salzwedel eine eigene Karte anzulegen, lohnt sich übrigens nicht. Dazu ist das Angebot mit vier öffentlichen Toiletten zu begrenzt. Zudem können davon derzeit nur zwei wirklich ohne Weiteres genutzt werden. Das ist aber immerhin eine Verbesserung zu den Zeiten, als es gar keine öffentlichen Klos gab.

Da wäre zum Einen die Toilette am Burggarten, Ende 2019 wieder eröffnet und zu den selben Zeiten betretbar wie der Burggarten selbst. Damit ist sie im Notfall aber nicht unbedingt zuverlässig: Zumindest diese Woche waren die Tore mehrmals verschlossen, als der Park eigentlich geöffnet sein sollte. Die Toilette liegt etwas unscheinbar in der Nähe des Eingangs an der Burgstraße in einer eingemauerten Gasse – ohne Ausschilderung in der Nähe. Wer sich also nicht auskennt, wird eher zufällig darauf stoßen.

Im Jahr gibt die Stadt Salzwedel für die Anlage rund 16 400 Euro aus, wie Stadtsprecher Andreas Köhler angibt und auch in den Haushaltsplänen nachzulesen ist. Lange wurde von einer Renovierung abgesehen, da es vielfach Ärger mit Vandalismus gab. So lautete die Aussage der Stadt bei einer Nachfrage 2013 zur Ruhezeit der Burggarten-Toilette.

Vandalismus gab es auch etwa ein Jahr nach Einweihung wieder in Form einer eingetretenen Scheibe, die ein paar Wochen später ersetzt wurde. Die Reparaturkosten beliefen sich laut Köhler 2020 auf rund 1 000 Euro.

Etwa eineinhalb Kilometer Fußweg weiter stehen die zweite aktuelle Erleichterungsmöglichkeit – die Toiletten im Bahnhofsgebäude. Für Touristen oder Pendler besteht die Chance zur Notdurft also direkt nach der Ankunft in oder kurz vor der Abfahrt aus Salzwedel. Hier handelt es sich um einen Sonderfall, da sie nicht direkt von der Stadt betrieben werden.

Diese beteiligt sich allerdings an den Betriebskosten des Inhabers mit jährlichen Zuschüssen von 14 000 Euro laut Köhler.

Auch diese Anlagen hatten viel mit Vandalen zu kämpfen und lagen daher zwischen 2011 und 2019 brach.

Bürgercenter für Passanten derzeit auch

Dass die Sanierung nicht zu lange zurück liegt, zeigt sich auch, zahlt man hier ebenfalls 50 Cent Nutzungsgebühr: Die Toilette ist in einem weitaus besseren Zustand als so manch anderes Bahnhofs-WC. Als die beiden Toiletten noch dicht waren, galten übrigens das Rathaus und das Bürgercenter als einzige Alternative, abgesehen von nachsichtigen Café- und Restaurantbesitzern.

Da der Besucherverkehr aber gerade ruht, haben Passanten dort auch keinen Klo-Zutritt – außer, sie sind wegen anderer Termine dort. Im Falle des Bürgercenters werden Besucher aber einfach zum Burggarten weitergeschickt, sollten sie deswegen fragen, gibt Köhler an.