Arendsee l Das Schiff Queen Arendsee kann langfristig nur weiterfahren, wenn es auch einen neuen TÜV hat. Diese Überprüfung steht an. Bei der Umsetzung sorgt der niedrige Wasserstand für schier unüberwindbare Schwierigkeiten. Die „Queen“ wird normalerweise im Herbst an die Slipanlage gesteuert. Auf speziellen Wagen und mit Hilfe der Maschinenkraft von Seilwinden geht es dann an Land. Dort kann der Zustand des Unterbodens genau kontrolliert werden, wichtig für die TÜV-Abnahme.

Die Suche nach dem richtigen Weg

Die bislang letzte Untersuchung liegt fast drei Jahre zurück. Der TÜV läuft Ende November aus. Doch derzeit kommt die „Queen“ nicht auf die Schlitten und kann nicht an Land gezogen werden. Der Wasserstand des Arendsees ist für die Aktion 26 Zentimeter zu niedrig. Folge: Experten könnten zwar im Außenbereich alles über der Wasserlinie kontrollieren, darunter sei es schwierig.

Darüber informierte Sonja Nowak, Vize-Geschäftsführerin der Luftkurort Arendsee, während des Wirtschaftsausschusses. Mehrere Optionen sind derzeit denkbar.

Was ist machbar?

Die Erste: einfach abwarten und auf einen stark steigenden Wasserstand hoffen. Dann könnte das Schiff vielleicht Anfang des Jahres an Land, der TÜV im besten Fall schnell sein Okay geben und um Ostern herum die neue Saison auf dem See starten.

Die zweite Möglichkeit: neben der Hoffnung auf mehr Regen mit Entscheidungen den Betrieb des Schiffes langfristig sichern. Dazu gilt es die Frage zu klären, ob für die Kontrolle der Dicke des Bodens die „Queen“ tatsächlich aus dem Wasser muss. Vielleicht könnten Taucher eingesetzt werden.

Die dritte Idee: die vorhandene Anlage umbauen oder an eine andere Stelle versetzen. Ein Verlängern der Schienen, auf denen die Slipwagen laufen, sei unmöglich. Grund dafür ist der Seegrund. Direkt hinter den vorhandenen Schienen befindet sich eine Abruchkante. Es geht mehrere Meter steil hinab. Ob es eine Ausnahmeregelung für den weiteren Fahrbetrieb geben kann, ist derzeit unklar. Im schlimmsten Fall nimmt der TÜV im nächsten Jahr der Einheitsgemeinde die Entscheidung über die Zukunft des Schiffs ab und lässt auf Grund nicht durchführbarer Kontrollen am Unterboden den Betrieb zeitweise einstellen.

Die Kommunalpolitiker sprachen sich grundsätzlich für einen weiteren Betrieb des Schiffes aus. Frank Schumann, Ortsbürgermeister von Höwisch, hob ebenfalls die Bedeutung der „Königlichen“ für die Region hervor. „Wir müssen uns Gedanken machen“, sagte er. Ausschussvorsitzender Jens Reichardt schätzt die Situation als schwierig ein. Auch deshalb, weil die Kommune nicht einfach so eine neue Stelle schaffen könne, um dort die „Queen“ an Land zu ziehen. Das Land und der Altmarkkreis Salzwedel haben ein Wörtchen mitzureden.

Eine über 100-jährige Tradition

Ein Blick in die Vergangenheit macht deutlich: In der über 100-jährigen Passagierschifffahrt auf dem Arendsee gab es mehrfach schwierige Zeiten. Mutige Entscheidungen der jeweils in der Region Verantwortlichen brachten aber immer wieder neuen Schwung in diese Tourismusform.

Ein Beispiel ist der Neubau des Motorschiffes „Seeadler“ (steht an der Bundesstraße 190). Dieser war auf Grund von Zwängen der DDR-Planwirtschaft eigentlich nicht umsetzbar. Doch deklariert als „Umbau“, gelang es 1970 schließlich doch. Der Kauf der „Queen“ 1991 war für die Stadt ein finanzielles Risiko. Seit dieser Entscheidung konnten aber hunderttausende Gäste ein paar schöne Stunden auf der „Blauen Perle“ erleben.