Salzwedel l Nach der Ankündigung des KulTour-Eigenbetriebs, den Umzug der städtischen Tourist-Information ins Kunsthaus aus Kostengründen auszusetzen, werfen mehrere Fraktionen Betriebsleiter Joachim Mikolajczyk vor, sie falsch informiert zu haben. Demnach sollen nicht – wie vom Betriebsleiter angegeben – die Umzugskosten vom aktuellen Standort am Rathausturmplatz ins Kunsthaus ausschlaggebend sein, sondern der bestehende Mietvertrag mit dem Hamburger Eigentümer des derzeitigen Standorts. Wie Joachim Mikolajczyk auf Nachfrage der Volksstimme gestern bestätigte, läuft eben dieser Vertrag erst 2019 aus. Bis zu einem Arbeitsgespräch zwischen dem kommissarischen Bürgermeister Andreas Vogel und Fraktionsvertretern am Montagabend wusste die Politik davon offenbar nichts.

"Das ganze ist ein Trauerspiel"

Norbert Hundt, Fraktions-Chef von SPD und Für Salzwedel, sagte gestern dazu: „Das Ganze ist ein Trauerspiel.“ Mitglieder des für die Tourist-Info zuständigen KulTour-Betriebsausschusses hätten ihm versichert, dass sie in den vergangenen Monaten mehrfach nach zusätzlichen Kosten bei einem Umzug der Tourist-Info gefragt hätten. Dies sei von Seiten des KulTour-Betriebes stets verneint worden. Nun stelle sich heraus, dass der Eigenbetrieb gar nicht ausziehen kann, weil er in diesem Fall bis 2019 am Rathausturmplatz und im Kunsthaus gleich doppelt Miete zahlen müsste.

Ähnlich äußerte sich Wolfgang Kappler, Fraktions-Chef Salzwedel Land. „Die Frage für uns ist, was ist da passiert“, sagte Kappler. Er forderte, der Eigenbetriebs-Leiter müsse jetzt vor den Fraktionen Stellung zu den Vorwürfen nehmen.

"Hat nichts mit Aufschub zu tun"

Joachim Mikolajczyk bestätigte zwar die Laufzeit des Mietvertrages am Rathausturmplatz, betonte aber: „Das hat nichts mit dem Aufschub des Umzugs zu tun.“ Dieser hänge wie berichtet mit befürchteten zusätzlichen Kosten für Umzug und Neugestaltung der Tourist-Info-Räume im künftigen Kunsthaus zusammen.

Mikolajczyk zeigte sich optimistisch, dass mit dem Besitzer des derzeitigen Info-Standorts eine Regelung gefunden wird, um zusätzliche Kosten für den Eigenbetrieb zu vermeiden. „Ich kann das aber nicht allein entscheiden“, betonte er. Der KulTour-Betrieb werde vor weiteren Schritten zunächst mit der Politik sprechen. Mit einer Lösung der Umzugs-Frage rechnet der Eigenbetriebsleiter nach dem Ende der Sommerpause. Auch wenn der KulTour-Betrieb jetzt über die Hintergründe des Aufschubs informieren will: Die Entscheidung über Umzug oder vorläufigen Verbleib am Rathausturmplatz wird am Ende abhängig von den zusätzlichen Kosten wohl doch entweder bei Joachim Mikolajczyk selbst (bis 30 000 Euro) oder beim Betriebs-Ausschuss (bis 125 000 Euro) liegen. In letzterem haben die Vertreter der Fraktionen allerdings Stimmrecht.

Der Umzug der Tourist-Information vom Rathausturmplatz ins Kunsthaus war seit Jahren geplant. Die Salzwedeler Kunststiftung ließ das am 27. August eröffnende Haus gezielt auf die Bedürfnisse der Information ausrichten. Nachdem Joachim Mikolajczyk in der vergangenen Woche überraschend den vorläufigen Aufschub der Umzugs-Pläne verkündet hatte, reagierte die Stiftung mit einer öffentlichen Stellungnahme, in der sie an die enge Abstimmung bei der Planung des Hauses erinnerte.

Norbert Hundt sagte gestern, mit seiner Informationspolitik habe der KulTour-Betrieb eine unmögliche Situation geschaffen. Für ihn sei derzeit weder ein Umzug bei gleichzeitiger Erfüllung des Mietvertrages am Rathausturmplatz noch eine Situation denkbar, in der die Stadt die Kunststiftung vor den Kopf stößt. Im Zweifelsfall müsse der KulTour-Betrieb eben beide Mieten zahlen und schauen, wo er bei der Kultur sonst noch sparen kann.