Pretzier l „Ich bin von der Beteiligung an der Umfrage positiv überrascht. 27 Prozent der Pretzierer Haushalte haben mitgemacht“: Das sagte Wolfgang Gröll von der New Way Betriebs- und Wirtschaftsberatung, der das Modellprojekt Dorfgemeinschaftsladen in Pretzier betreut, am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus. Hier präsentierte er das Ergebnis. Seine Überraschung, so begründete er, beruhe auch darauf, dass es „zum Zeitpunkt der Befragung keinen Standort gab, sondern alles nur eine Schnapsidee war“. Der mögliche Standort fehle immer noch. Doch das Signal der Pretzierer sei klar: Sie wollen wieder einen Laden vor Ort.

Das untermauerte er mit den Ergebnissen der Befragung. 48,7 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie Schwierigkeiten hätten einzukaufen. Woran das liege, beantworteten sie unter einem weiteren Punkt, wobei mehrere Varianten angekreuzt werden konnten: 42,9 Prozent sind körperlich oder gesundheitlich eingeschränkt, 35,7 Prozent sind berufstätig, 28,6 Prozent besitzen kein Auto. 8,9 Prozent verweisen auf eine schlechte Verkehrsanbindung.

Angebot ergänzen, nichts wegnehmen

„Alle Teilnehmer der Umfrage wünschen sich eine Verbesserung der Situation, da sie sich extrem unterversorgt fühlen. Das ist ein ganz klarer politischer Auftrag“, sagte Wolfgang Gröll. 80,6 Prozent würden für die Eröffnung eines Dorfladens in Pretzier plädieren, 11,3 Prozent für einen mobilen Supermarkt sein, zeigte er ein weiteres Ergebnis auf.

„Und 97,3 Prozent der Befragten gaben an, im Dorfladen auch einkaufen zu wollen“, schilderte der Berater. Wichtig sei, dass regionale Produkte gekauft werden können (72,2 Prozent), der Preis stimmt (67), der Laden zu Fuß erreichbar ist (63,5), die Öffnungszeiten passen (58,3), verpackungsfreie/-arme Waren angeboten werden (49,6) und dass problemlos geparkt werden könne (39,1). Die Mehrheit (47 Prozent) wolle einmal in der Woche einkaufen, 40 Prozent würden zweimal wöchentlich den Laden besuchen wollen.

Verzicht auf Blumen

„Wenn in Pretzier ein Dorfgemeinschaftsladen entsteht, dann wird es keine Blumen geben, weil ein Blumenhändler bereits existiert. Der Dorfladen soll ergänzen und nichts wegnehmen“, machte Wolfgang Gröll deutlich. Das gleiche treffe auf den Bäcker vor Ort zu. Auch in Sachen Eis müsse aufgepasst werden, warf Ortschaftsratsmitglied Frank Pieper ein. Denn die Eisdiele in Pretzier solle im nächsten Jahr wiedereröffnet werden.

Der künftige Versorger könnte als Genossenschaftsmodell entstehen. „21,7 Prozent der Befragten möchten sich finanziell mit Anteilen beteiligen. Das ist ein echt guter Wert dafür, dass wir noch nichts haben“, sagte der Berater. Der Großteil der Pretzierer stehe in den Startlöchern. Das dürfe jedoch nicht zu Leichtsinn verführen, sondern es müsse alles sorgfältig geplant werden.

Paketannahme wäre schön

Im künftigen Dorfgemeinschaftsladen, so der Wunsch der Pretzierer, sollte möglicherweise auch eine Paketannahme (58,3 Prozent), ein Café (44,3) und eine Wäscheannahme (27) integriert sein, nannte Wolfgang Gröll ein weiteres Umfrageergebnis.

Als nächster Schritt stehe das Bilden einer Arbeitsgruppe an, die sich unter anderem mit der Suche nach einem Standort beschäftige, blickte er voraus. „Die Lage an der Bundesstraße wäre schön, aber auch eine Nebenstraße ist möglich“, sagte der Berater.

Hoffen auf Zuschlag bei Wettbewerb

Stadtmitarbeiterin Kirsten Schwerin verwies darauf, dass die Begleitberatung auf dem Weg zur Gründung einer Genossenschaft weiter finanziert werden müsse. Sie hofft, dass die Stadt beim Wettbewerb „Kommunale Entwicklung“, den das Land ausgelobt hat, gute Karten habe. Am Montag werde sie die Idee vom Dorfgemeinschaftsladen vorstellen. Wer den Zuschlag bekomme, das stehe erst Ende Februar fest. „Wenn das nicht klappt, müssen wir nach einer anderen Finanzierung suchen. Denn wir merken, dass die Leute solch einen Laden in ihrem Dorf haben wollen“, sagte sie.