Salzwedel l Ein schöner lauer Sommerabend nahm für den Salzwedeler Carsten Saalfeld (49) ein ganz böses Ende. Mit einem Freund besuchte Saalfeld, der unter spastischer Tetraparese leidet und daher motorisch eingeschränkt ist, am Sonnabend das Weinfest im Burggarten. Vielen Salzwedelern ist der 49-Jährige aus dem Perver bekannt. Saalfeld ist ständig mit seiner Kamera unterwegs, dokumentiert unter anderem alle Ereignisse des Perver-Fördervereins.

Auch am Sonnabend hat er die Kamera dabei. „Ich habe noch mit vielen Bekannten gesprochen und dann zu meinem Freund gesagt: Ich gehe mal Fotos machen. Alles war easy“, erzählt Saalfeld, während er schon in einem Krankenzimmer im Salzwedeler Klinikum liegt. Heute soll er operiert werden. Der Oberschenkelhals seines rechten Beines ist gebrochen. Doch wie kam es dazu, dass der Abend ein so unschönes Ende nahm?

„Ich wollte gerade eine Gruppe fotografieren, die an einem Biertisch saß“, berichtet Saalfeld von dem Moment, in dem er urplötzlich auf dem Kiesweg angerempelt wird. Es ist gegen 22 Uhr, als der Salzwedeler unsanft zu Boden geht. Aus dem Augenwinkel kann er noch erkennen, dass zwei junge Frauen – Saalfeld schätzt sie zwischen 16 und 24 Jahre – einfach weitergehen. „Ich habe noch laut etwas nicht so schönes gerufen“, gibt er zu.

Die Gruppe, die er gerade fotografieren wollte, eilt ihm direkt zur Hilfe. „Sie wollten mir hoch helfen, doch ich konnte nicht mehr stehen“, beschreibt der Verletzte die Situation. Damit ist klar, es muss ein Rettungswagen her. „Der war ganz schnell vor Ort“, ist Saalfeld dankbar. „Das war toll“, meint er auch über die Hilfsbereitschaft der Leute vor Ort. Doch was er nicht verstehen kann: „Warum sind die Frauen einfach weitergegangen?“

Er wolle niemanden eine böse Absicht unterstellen, sagt der Perveraner zwei Tage nach dem Vorfall. „Doch es haben so viele in dem Moment gerufen. Das müssen die doch gehört haben“, meint Carsten Saalfeld. Und: „Für einen versehentlichen Rempler war das ganz schön stark“, betont Saalfeld, der aber auch weiß, dass er aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkung einen nicht ganz so sicheren Stand hat.

Polizei sucht Zeugen

Er hat mittlerweile bei der Polizei Anzeige erstattet. „Wir suchen Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben“, bestätigt Polizeisprecher Frank Semisch am Montag. Die Beamten erhoffen sich auch Hinweise zur Identität der Frauen, die Carsten Saalfeld angerempelt oder gestoßen haben. Mögliche Zeugen können sich im Revier Salzwedel auch unter Telefon 03901/84 80 melden. Das Weinfest war am Sonnabend gut besucht, weswegen der Geschädigte davon ausgeht, dass Gäste die Situation bemerkt haben.

Für das Opfer bedeutet der Vorfall nun sicher eine längere Einschränkung. Er muss operiert werden. Später wird es eine Reha geben. „Da habe ich mindestens drei Monate mit zu tun“, gibt Saalfeld die erste Einschätzung seiner behandelnden Ärzte weiter. Problematisch ist auch, dass er ausgerechnet auf sein stärkeres, „mein Standbein“, gefallen ist. Aber der 49-Jährige gibt sich kämpferisch. „Ich musste mich schon immer doppelt und dreifach bemühen“, erzählt er im Krankenbett liegend.

Unterstützung bekommt er von seinen Geschwistern, die ihn bereits im Krankenhaus besuchten sowie vom Perver-Verein. Dort ist er ein wichtiger Helfer, bestätigt der Vorsitzende Roland Lahmann. „Und wir packen ihn nie in Watte, das will er auch gar nicht“, erzählt der Vereinschef. Carsten Saalfeld hat die nächsten Vereinstermine schon im Kopf. Dann will er mit der Kamera wieder dabei sein.