Salzwedel l Für gleich drei Vergehen sollte sich ein in Pakistan geborener 23-Jähriger Afghane vor dem Amtsgericht Salzwedel verantworten. Aber was wird dem Mann vorgeworfen? Der Mann soll im April unter dem Einfluss von Cannabis und Alkohol nachts auf dem Rad in der Uelzener Straße unterwegs gewesen sein. Der Vorwurf: Trunkenheit und Betäubungsmittel im Straßenverkehr. Beim zweiten Delikt ging es um Sachbeschädigung. Denn noch im gleichen Monat soll der 23-Jährige ein Fenster in der Gemeinschaftsunterkunft, in der er lebt, ausgehängt und auf die Straße geworfen haben.

Weiterhin sollte noch verhandelt werden, ob der Afghane in einem Salzwedeler Lokal einen Wirt attackiert haben soll. Doch dafür musste er sich vorerst doch nicht verantworten, weil der Nebenkläger, der Wirt, nicht ohne einen speziellen Paschtunisch-Dolmetscher aussagen konnte oder wollte. Ob das Verfahren aber noch einmal aufgerollt wird, ist fraglich. Richter Klaus Hüttermann will die Staatsanwaltschaft bitten, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen.

Dreiviertel Flasche Wodka und zwei Joints

Weil der 23-Jährige bereits im Vorfeld ein Geständnis bei der Polizei abgelegt hatte, verzichtete Richter Hüttermann auf Zeugen und kam direkt auf den Punkt: „Stimmen die Vorwürfe?“ Ebenso klar die Antwort des Afghanen: „Ja, ich bin schuldig!“ Bei seiner Alkoholtour auf dem Rad wurde am 15. April ein Alkoholwert von 1,86 Promille gemessen, sagte der Richter. Nach außen aber machte der Angeklagte nur einen leicht betrunkenen Anschein. Daher wollte der Richter wissen, ob er es mit einem Alkoholiker zu tun hätte. Das verneinte der 23-Jährige. Er trinke nicht jeden Tag. An besagten Tag trank er aber eine dreiviertel Flasche Wodka. Obendrein gönnte sich der Mann noch zwei Joints. Wie es dazu kam, wusste er nicht mehr. Ebenso wenig, welche Folgen sich daraus für ihn ergeben könnten. Dafür versicherte er dem Gericht, „seitdem nichts mehr angerührt“ zu haben.

Richter Klaus Hüttermann wurde etwas skeptisch ob der Eintragungen des 23-Jährigen. „Es gibt schon eine Geldstrafe aus 2017“, sagte er. Auch da ging es um fahrlässige Trunkenheit im Verkehr. Obendrein hat die Straßenverkehrsbehörde dem Mann, der zwei Einträge im Fahreignungsregister inne hat, bereits im Juni das Fahren untersagt. Demnach dürfte er weder Moped, Mofa noch ein Fahrrad im Straßenverkehr bewegen. Das ist für Angeklagten aber kein Drama, da er nach eigenen Angaben zu Fuß zu seinem Arbeitgeber komme. Trotzdem entschuldigte er sich mehrfach.

Vermutlich wäre alles halb so wild, wäre da nicht noch die Sachbeschädigung. „Warum musste das mit dem Fenster passieren?“, wollte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wissen. „Ich war voll“, räumte er ein. Demnach wisse er nicht, was sich genau zugetragen haben soll. Richter Hüttermann hakte an der Stelle ein. Schließlich wisse das Gericht, dass es im Vorfeld des Fenster-Wurfs einen Streit gegeben haben solle. Aber auch daran konnte sich der 32-Jährige nicht erinnern. Dafür aber daran, dass er den Schaden des hinausgeworfenen Fensters bereits beglichen hätte.

Schlussendlich gestand der Angeklagte in der Verhandlung ohne Umwege die beiden ihm vorgeworfenen Taten vor Gericht. Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft „kann die Sachbeschädigung so nicht hingenommen werden“. Dass der Afghane mit dreimonatiger Duldung sich nun aber in Deutschland eine Arbeit in der Lebensmittelbranche gesucht hatte, rechnete sie ihm positiv an. Schließlich bleibe ihm so keine Zeit für weitere „dumme Sachen“. Daher forderte sie für beide Delikte eine Strafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro.

Staatsanwaltschaft korrigierte Strafmaß

Das wiederum schien dem Angeklagten zu viel zu sein. Er verwies darauf, dass seine Einkünfte gut unter 1000 Euro lägen. Schließlich müsse er für die Unterkunft und Steuern davon bezahlen. „Dann muss ich mich korrigieren“, sagte die Amtsanwältin. So korrigierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ihre Forderung auf 40 Tagessätze zu jeweils 25 Euro.

„Das wird schwer für mich – das kann ich nicht zahlen“, lenkte er abermals ein. Noch einmal wich die Amtsanwältin aber nicht von ihrer Forderung und verwies auf die Möglichkeit der Ratenzahlung. Das bestätigte auch Richter Hüttermann, welcher die Forderung zu einem Urteil festsetzte. Daraufhin fragte der Angeklagte, ob er nicht ab Januar seine Strafe tilgen könne. Die Finte durchschaute der Richter aber sofort: „Weil dann Ihre Duldung endet? Nein, die Staatsanwaltschaft wird Ihnen Post schicken – da steht alles drin. Lesen Sie das und nehmen Sie das ernst!“

Zahlt der Angeklagte nicht, wird er für jeden Tagessatz einen Tag ins Gefängnis müssen, erklärte ihm der Richter und gab ihm mit auf den Weg: „Vielleicht sehen wir uns hier zur Körperverletzung wieder.“