Jahrsau l An einem geschichtsträchtigen Ort trafen sich am Dienstagvormittag Landrat Michael Ziche und der Projektleiter für das Grüne Band beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Dieter Leupold. In der Wüstung Jahrsau stellten sie den neuen Veranstaltungkalender für das Grüne Band vor. Die Bewohner mussten ihr Dorf Anfang der 60er Jahre verlassen, wurden zwangsumgesiedelt, weil der Ort zu dicht an den Grenzanlagen lag. 1970 wurde Jahrsau geschleift.

Heute erinnern nur noch einige Fundamente und Mauerreste an die Gehöfte und Häuser, die dort einst standen. Auf dem inzwischen mit Bäumen und Büschen bestandenen Areal lassen sich bei genauerem Hinsehen aber auch noch andere Dinge finden, die an die Bewohner erinnern und die bewusst dort belassen wurden. So beispielsweise verschiedene Behältnisse, ein alter Gummistiefel, leere Fischbüchsen, Milchflaschen und vieles mehr.

Die Mitarbeiter des BUND haben dort einen kleinen Rundweg angelegt. Schilder weisen die einzelnen Höfe aus. Ein Holzkreuz erinnert an den Platz, an dem die Kapelle von Jahrsau stand.

Bilder

Innerdeutsche Grenze

„Die Grenzöffnung ist unteilbar mit dem Grünen Band verbunden“, sagte der Landrat. Im Altmarkkreis seien sich die Akteure seit langem einig, das Grüne Band so zu bewahren, dass auch nachfolgende Generationen erfahren, was damit zusammenhängt und welches Leid die innerdeutsche Grenze vielen Menschen gebracht hat.

2019 sei ein wichtiges Jahr, um daran zu erinnern. Er sei sich sicher, dass weiteren Orten im damaligen Sperrgebiet das Schicksal von Jahrsau gedroht hätte, wenn die Grenzöffnung nicht gekommen wäre. Denn die DDR habe kein Interesse daran gehabt, diese Dörfer zu erhalten. Inzwischen hätten sie gute Perspektiven, betonte Ziche und nannte als Beispiel den Ort Wendischbrome.

Der Kreis unterstütze den BUND mit Ausgleichs- und Ersatz- sowie Natutschutzmaßnahmen, Flächentausch und weiteren Projekten beim Erhalt des einzigartigen Biotopverbundes.

Naturmonument

Die „Zwangsberuhigung“ der Gebiete rund um die Grenzanlagen hätten der Natur eine Atempause und gleichzeitig eine Chance gegeben, sich weitgehend ungestört zu entwickeln, schätzte Dieter Leupold ein. Der Slogan „Vom Todestreifen zur Lebenslinie“ stehe dafür. Ziel sei jetzt, noch mehr Menschen mit dem Dreiklang aus Natur, Geschichte und Kultur zu begeistern. Schon jetzt gebe es eine gute Resonanz auf die angebotenen Veranstaltungen. In diesem Jahr soll diese gesteigert werden. Die mediale Aufmerksamkeit sei bundesweit größer. Auch die geplante Ausweisung als Naturmonument mit dem entsprechenden Schutzstatus trage dazu bei. Dabei sei das „Erlebnis Grünes Band“ immer mit der Grenzgeschichte verbunden. Deshalb sei es dem BUND sehr wichtig, Orte wie die Wüstung Jahrsau oder auch die noch vorhandenen Grenztürme zu erhalten.

„Mit dem Kreis haben wir einen starken Partner an unserer Seite“, schätzte Leupold ein. Er präsentierte die neue – in diesem Jahr besonders star-ke – Broschüre mit den Veranstaltungen rund um das Grüne Band, die sich hauptsächlich auf die Region rund um Salzwedel bis Arendsee konzentrieren. Das Heft enthält neben den Terminen (siehe Infokasten) auch eine Vorstellung der einzelnen Lebensräume und eine Karte mit den wichtigsten Anlaufpunkten und dem Verlauf des Vier-Länder-Grenzradweges.