Salzwedel/Mechau l Michael Schrader beschreibt sich selbst eigentlich nicht als klassischen Eisenbahn-Fan. Es geht ihm grundsätzlich um den Erhalt des Schienenverkehrs im Allgemeinen, sagte der Mechauer einmal. Dieser Aufgabe widmet sich der 37-Jährige künftig bundesweit - als Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV). Die Wahl erfolgte beim 41. DBV-Verbandstag. Die Arbeit sei auf mehrere Schultern verteilt und der Vorstand erweitert worden, berichtet Michael Schrader. Er sei nunmehr für die Koordination der bundesweit im DBV organisierten Vereine zuständig, die sich für die Reaktivierung von Bahnstrecken einsetzen.

Was nach einem gut dotieren Posten klingt, ist beim Deutschen Bahnkundenverband jedoch ehrenamtlich. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen“, blickt Michael Schrader auf den Verbandstag zurück. Zuvor stand er dem Vorstand beratend zur Seite. Und jetzt ist er selbst mit dabei - gewählt zunächst für zwei Jahre. „Ich muss mich jetzt erst einmal einarbeiten“, so Michael Schrader weiter.

Wichtig sei die Kontaktpflege und der Aufbau eines Netzwerkes zwischen den DBV- Vereinen. Die agieren mitunter weit voneinander entfernt. Ziemlich weit seien beispielsweise Aktive in Südbayern, die sich um die Reaktivierung der Bahnlinie von Passau nach Hauzenberg bemühen, nennt Michael Schrader ein Beispiel. Andere Aktive kämpfen etwa um die Max-und-Moritz-Bahn zwischen Probstzella und Ernstthal in Thüringen.

Warum die Bahn ausgerechnet den Namen der Lausbuben von Wilhelm Busch trage, „das wüsste ich allerdings auch gern“, fügt Michael Schrader schmunzelnd hinzu. Eine weiter Bahn in Sachsen-Anhalt soll zwischen Halle und Hettstedt reaktiviert werden.

Erfahrungsaustausch

Viel zu tun also für den Mechauer, der bereits erste Kontakte nach Passau geknüpft hat. Erfahrungsaustausche, gegebenenfalls eine gemeinsame Homepage wären Möglichkeiten, um die bundesweit tätigen Vereine zusammenzubringen.

Neben seinem Engagement im Bundesvorstand wäre er auch bereit, weiter den Vorsitz im Regionalverband Altmark-Wendland zu übernehmen. In dieser Eigenschaft setzt er sich seit Jahren für die Reaktivierung der Bahnlinien zwischen Salzwedel und Arendsee sowie in Richtung Klötze ein. Ein Engagement, das Geduld und einen langen Atem erfordert.

Und auch eine Portion Gelassenheit. „Solange eine Strecke noch nicht offiziell entwidmet ist, gibt es immer ein Zurück, auch ohne Gleise“, sagt Michael Schrader. Optimistisch stimmt ihn in diesem Zusammenhang ein neues Gesetz, demzufolge Nachfrage nach einer Bahnlinie stets Vorrang vor der Entwidmung haben soll. „Für die Bahnlinie zwischen Dannenberg und Uelzen kam das Gesetz zwar zu spät. Da haben wir zwei Klagen gegen die Entwidmung verloren. Aber für die Zukunft ist das Gesetz wichtig.“

Züge zum Martinimarkt

Immerhin fuhren bereits wieder Züge zum Klötzer Martinimarkt. Das solle es auch in diesem Jahr geben, so Michael Schrader, wenn sich die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) dafür entscheide. Allerdings sei die NASA von den bisherigen Angeboten sehr angetan gewesen.

Auf der Strecke in Richtung Arendsee und weiter nach Geestgottberg sollen in diesem Jahr noch Schwellen eingezogen werden. „Unser Ziel ist, dass die Strecke bis Ende des Jahres fahrbereit ist“, kündigt Michael Schrader an.

Etwa drei bis vier Stunden pro Woche habe er bislang seinem Ehrenamt gewidmet, die Arbeitseinsätze zum Freischneiden der Strecken nicht mit eingerechnet. Das werde in Zukunft sicher mehr werden.