Salzwedel l Das Seniorenzentrum Vita soll verkauft werden. So zumindest steht es in der Fortschreibung des Liquiditätskonzepts. Doch welche Auswirkungen könnte ein Verkauf für die Pflegeeinrichtung haben? In der Branche ist das Spiel hinlänglich bekannt. Investoren kaufen ein Pflegeheim, um möglichst viel Rendite zu erzielen. Zunächst wird die Verwaltung zentralisiert, um Kosten zu sparen. Im Fall der Vita könnte zudem die Küche im Haus geschlossen beziehungsweise ausgelagert werden. Viele große Pflegekonzerne haben eigene Firmen für die Essensversorgung. Geld sparen lässt sich aber vor allem bei den Personalkosten.

Hier ist zu beobachten, dass bei vielen Übernahmen durch große Pflegekonzerne das Lohn- und Gehaltsniveau unter Tarif abgesenkt wird. Durch die zentralisierten Prozesse können die Konzerne zudem Rechnungen an ihre Tochterunternehmen schicken. Buchhaltung, Beratungs- und Weiterbildungskosten fließen so in die Tasche der Investoren. Zudem wird versucht, die Kapazitäten an Pflegeplätzen zu erhöhen. Außerdem werden die Preise angehoben.

Wie die Volksstimme aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, ist es in der Pflegebranche nicht unüblich, dass Pflegeheime bis zu acht Prozent weniger Personal vorhalten als vorgesehen. Eine Strafe erhalten sie bisher nicht. Seit einigen Monaten schauen die Pflegeverbände allerdings genauer hin, um diese Masche zu unterbinden.

Hohe Fachkräftequote

Für die Vita würden sich Gehaltskürzungen vor allem auf die Fachkräftequote auswirken. Die liegt in dem Salzwedeler Seniorenzentrum momentan bei 67 und 68 Prozent in den beiden Einrichtungen. Gesetzlich vorgeschrieben sind 50 Prozent.

Laut Verkehrswertgutachten könnte für die Vita ein Preis zwischen 2,8 und 7,3 Millionen Euro erzielt werden. 2,8 Millionen Euro stellen dabei sozusagen den „Status Quo“ dar, das heißt, für einen Investor würde sich der Kauf zu diesem Preis bereits lohnen, wenn der Betrieb genau so fortgesetzt wird, wie er bisher ist. 7,3 Millionen Euro zu zahlen, würde für einen Großkonzern Sinn ergeben, der die Vita anschließend wie erwähnt auf Rendite trimmt.

Auch hier gibt es in der Branche einen Trend: Unternehmen schöpfen bis zu fünf Jahre Geld aus den Tochterunternehmen ab. Investitionen finden kaum statt. Dann wird die Konzerntochter weiterverkauft.

Fragen nach der Zukunft

Wie die Volksstimme aus Unternehmenskreisen erfuhr, wirkt sich die ungewisse Zukunft des Seniorenzentrums schon jetzt auf die Vita aus. Bei Bewerbungen werden häufig Fragen zur Zukunft des Hauses gestellt.

Die Vita ist mit 120 Mitarbeiterin die größte Pflegeeinrichtung in Salzwedel. 150 Menschen werden vollstationär versorgt. Hinzu kommen 49 Mieter, 10 Patienten in der Tagespflege sowie 47 in der ambulanten Pflege. Damit ist das Seniorenzentrum voll belegt.

Nach Volksstimme-Informationen haben die Fördermittelgeber – Altmarkkreis Salzwedel und Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt – ein genaues Auge auf die Entwicklungen um die Vita. Die Stadtverwaltung ist auf die Zustimmung beider Parteien angewiesen und hat angekündigt, sie in die Verkaufsverhandlungen einzubeziehen.