Volkshochschule

Der 70. Geburtstag der Kreisvolkshochschule des Altmarkkreises wird am Sonnabend, 20. Oktober, gefeiert. Um 10 Uhr beginnt eine Festveranstaltung im Sitzungssaal Salzwedel der Kreisverwaltung. Zwei Stunden später, ab 12 Uhr, sind alle Interessenten zum Tag der offenen Tür in der Kreisvolkshochschule in Salzwedel, Karl-Marx-Straße 15, eingeladen. In den Räumen der Bildungseinrichtung soll die Arbeit in den einzelnen Fachbereichen beispielhaft vorgestellt werden. Kursleiter, die Wurzeln in anderen Ländern haben, werden über ihre Heimatländer berichten und Spezialitäten anbieten.

Salzwedel l „Die Idee, allen Menschen Bildung zu erschwinglichen Konditionen zugänglich zu machen, gab es bereits im 19. Jahrhundert“, erzählt Cornelia Blödow, Leiterin der Kreisvolkshochschule (KVHS) des Altmarkkreises. Anlass für die Gründung der heutigen Einrichtungen war der Befehl Nummer 5 der Sowjetischen Militäradminis-tration (SMAD) vom 31. Januar 1948, demzufolge in den Kreisstädten Volkshochschulen eingerichtet werden sollten. So nahmen einige Monate später die Einrichtungen in Gardelegen (2. Oktober 1948) und Salzwedel (10. Oktober 1948) ihre Arbeit auf. Die Volkshochschule in Salzwedel war zuerst in der damaligen Grundschule IV, der heutigen Comenius-Ganztagsschule, untergebracht. Rudi Pawlik übernahm die Leitung. Die Kurse wurden in den Bereichen Psychologie, Sozialismus, Geschichte, Arbeiterbewegung, Kulturfragen und Gegenwartproblemen angeboten. „Außerdem gab es bereits Sprachkurse in Russisch, Englisch und Französisch“, fügt Cornelia Blödow hinzu.

Schulabschlüsse und EDV-Kurse

Bereits zu DDR-Zeiten gab es an der KVHS die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen. „Das unterschied uns von den Volkshochschulen im Westen“, sagt Cornelia Blödow. Sie habe große Hochachtung vor den Menschen, die sich zwei Mal in der Woche abends auf die Schulbank setzen, um 10 bis 20 Jahre nach der eigentlichen Schulzeit einen Abschluss nachzuholen. „Das erfordert viel Selbststudium und Selbstdisziplin“, betont sie. Der Vorbereitungskurs für einen Realschulabschluss etwa dauere 18 Monate. Am Ende müssten die Teilnehmer dann zusammen mit den Jugendlichen an den regulären Schulen die Prüfungen absolvieren. „Das ist bestimmt eine besondere Erfahrung“, sagt Cornelia Blödow. In diesem Jahr schafften sechs Männer und Frauen den Realschulabschluss, zwei davon den erweiterten Abschluss.

Nach der Wende hielten EDV-Kurse in der Volkshochschule Einzug, die auch heute noch ein Schwerpunkt des Angebotes sind. Inzwischen besteht auch die Möglichkeit, an Internet-Seminaren, den sogenannten Webinaren, zur beruflichen Bildung teilzunehmen. „Einzelne Teilnehmer können sich dort zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine Videokonferenz einschalten, erklärt Cornelia Blödow. Diese Webinare sind in das bundesweite Kurs- und Zertifikatsystem der Volkshochschulen eingebunden.

Zeit für Experimente

Der Bedarf an Kursen zur Buchführung sei dagegen wieder rückläufig. Stark gewachsen ist demgegenüber die Zahl der Gesundheitsangebote, die sich an Menschen im Arbeitsprozess richten, die dafür fit bleiben wollen. Andere Adressaten sind ältere Menschen, die trotz abnehmender Muskelkraft so lange wie möglich bleiben wollen. Große Nachfrage verzeichneten zuletzt die Angebote zur neuen Datenschutzgrundverordnung.

„Kochen ist wieder in“, verweist Cornelia Blödow auf einen weiteren Schwerpunkt. Internationale Küche wird ebenso angeboten wie Kurse für die Zubereitung heimischer Köstlichkeiten. Außerdem gibt es die Möglichkeit für Experimente, beispielsweise am 29. November, wenn der gebürtige Kameruner Yogba Ngenjeh Gregory Speisen seines Heimatlandes vorstellt.

Integrationskurse

Die KVHS ist in den zurückliegenden Jahrzehnten bunter geworden, sowohl was die Vielfalt ihres Programms betrifft als auch die Herkunft von Schülern und Dozenten. Als 2015 zahlreiche Flüchtlinge auch in den Altmarkkreis kamen, stieg der Bedarf an Integrationskursen erheblich an. „Wir haben jetzt parallel sieben Integrationskurse. Vor 2015 waren es drei“, vergleicht Cornelia Blödow.

Immer wieder Neues zu organisieren, Althergebrachtes zu hinterfragen, darin besteht für Cornelia Blödow die Herausforderung, eine Volkshochschule zu leiten. Natürlich nutze sie selbst die Kurse des Hauses, gibt sie schmunzelnd zu. Koch- Yoga- und Italienischkurse habe sie schon belegt, sich auch über die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen informiert.