Diesdorf l „Der Kaffee schmeckt besser in Gesellschaft“: Das meint Anita Gohl und begründet damit, warum sie gern die Angebote der Volkssolidaritäts-Ortsgruppe in Diesdorf nutzt. Hier habe sie Spaß und Unterhaltung und müsse nicht allein zu Hause sitzen, fügt sie hinzu. Dann kommt das nächste Päckchen auf den Tisch, um liebevoll eingepackt zu werden.

Denn an diesem Nachmittag steht ein weiterer gemeinsamer Einsatz an: für die Tombola im Freilichtmuseum. „Das machen wir etwa seit 2010“, weiß Kassenwartin Elke Wiswinkel. In die Kartons kommen Gegenstände, die man selbst nicht braucht, aber anderen eine Freude bereiten könnten. Die Überraschungs-Päckchen gibt es dann zu einem symbolischen Preis. „Den Erlös stecken wir uns nicht in die eigene Tasche, sondern unterstützen damit soziale Einrichtungen“, erklärt Elke Wiswinkel, die seit dem Jahr 2002 über die Finanzen wacht. Das Kinder- und Frauenhaus Salzwedel, das Tierheim Ahlum, die Gemeindebibliothek, der Jugendclub, die Jugendwehren aus der Gemeinde und viele mehr haben sich schon über den Erlös freuen können.

Dorfgemeinschaft ist wichtig

„Ich glaube, wir haben mehr Päckchen als im Vorjahr“, meint Christine Lenard, die wie die anderen Frauen schon eine wahre Perfektion im Umgang mit dem Geschenkpapier entwickelt haben. Sie sei noch ziemlich neu in Diesdorf, wohne erst seit etwa acht Jahren hier. „Ich bin auf den Sportverein und die Ortsgruppe zugegangen, bringe mich gern mit ein. Es macht mir richtig Spaß, zwischen Menschen zu sein. Das macht für mich die Dorfgemeinschaft aus“, schildert sie. Auch das Grüßen auf der Straße sei angenehm. Das habe sie aus der VW-Stadt nicht gekannt. Dann greift Christine Lenard zum nächsten Päckchen.

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Auch Ingrid Leusmann, die mittlerweile in Salzwedel lebt, packt mit an. „Ich bin hier zur Schule gegangen. Deshalb komme ich gern her. Und es ist auch schön, etwas zusammen zu machen“, sagt sie und fügt hinzu: „Prima finde ich die vielen Unternehmungen, die Fahrten. In diesem Jahr waren wir in der Uckermark, im nächsten Jahr geht es ins Erzgebirge.“

Ostereier-Färben für die Tafel

„Auch die Treffen in der Begegnungsstätte sind mir wichtig“, fügt Annemarie Neumann hinzu. Skat, Rommee, Vorträge, Buchlesungen, gemeinsames Ostereier-Färben für die Tafel – das sind einige Angebote, zählt Elke Wiswinkel auf.

Nach der Wende habe es für die Älteren in Diesdorf nichts mehr gegeben bis auf wenige lockere Runden im „Altmärkischen Café“, erinnert sich Angelika Scholz. Die Gemeinderätin sprach das im Sozialausschuss, dem sie damals vorstand, an, und ergriff die Initiative. Am 2. Oktober 1997 wurde die Volkssolidaritäts-Ortsgruppe Diesdorf gegründet. Seither steht Angelika Scholz an der Spitze, nun schon seit 21 Jahren.

Derzeit 150 Mitglieder

Die Volkssolidarität schuf eine Seniorenresidenz und Betreutes Wohnen in Diesdorf. Und Anfang der 2000er Jahre wurde die Begegnungsstätte eröffnet. „Für uns ein Glücksfall. Nun haben wir einen richtigen Treffpunkt“, sagt die Vorsitzende.

Heute zählt die Ortsgruppe etwa 150 Mitglieder. „Das Kartenspielen wird am meisten angenommen. Aber auch die Fahrten kommen an“, erzählt Angelika Scholz. Kooperiert werde bei einigen Veranstaltungen mit der Kirche. Das Schauen über den eigenen Tellerrand sei auf dem Lande sehr wichtig.

Eine Besonderheit der Diesdorfer Gruppe seien die „Klosterlerchen“. Der Chor entstand im März 2003, weil einige Frauen gern singen wollten. Heidi Schmidt aus Dähre übernahm den Dirigentenstab, den sie bis heute inne hat. Intensives Proben gehört dazu, um bei Auftritten und Ständchen den Zuhörern Freude bereiten zu können. Der Spaß an der Sache ist dabei immer zu merken.

Eine Bank spendiert

„Im September beteiligen wir uns an der Spendensammlung für die Volkssolidarität. Da muss man immer Zeit einplanen“, erzählt Angelika Scholz schmunzelnd. Denn dann gehöre auch das Plaudern dazu.

Nicht vergessen werden die Mitglieder, die nicht mehr zu den Veranstaltungen kommen können, und die Heimbewohner. „Wir besuchen sie, überbringen manche Überraschung“, beschreibt Angelika Scholz. Auch für die Allgemeinheit wollen sich die Mitglieder der Ortsgruppe einbringen: So haben sie eine Bank gekauft, auf der sich die Besucher am Borrmannschen Platz im Sommer ausruhen können.