Salzwedel l Wer die beiden Lokalpolitiker Norbert Hundt (SPD) und Peter Fernitz (CDU)zu einem Gespräch einlädt, der kriegt eines mit Sicherheit nicht: lauwarme Aussagen und verbales Geplänkel am Rande der Langeweile. Dafür sind sie schlicht zu lange im Geschäft und nie um eine klare Aussage verlegen. Umso unterhaltsamer gestaltete sich die fünfte Ausgabe des Volksstimme-Talks am Donnerstagabend in Lutzes Butzes. Gut 90 Minuten diskutierten die beiden Urgesteine der Salzwedeler Kommunalpolitik mit Moderator Arno Zähringer. Von der Neuauflage der Großen Koalition über den Breitbandausbau bis hin zur Belebung der Salzwedeler Innenstadt: Der Themen gab es genug.

Schnell wurde klar, was Peter Fernitz und Norbert Hundt ungeachtet ihrer parteipolitischen Differenzen verbindet: Mit Stillstand geben sie sich nicht zufrieden. Der Wille, zu gestalten und dabei eine federführende Rolle zu spielen, treibt sie an. Passenderweise eint sie eine Eigenschaft, nämlich die Ungeduld. „Ich bin in einem Sinne ungeduldig, dass ich Ziele, die ich mir setze, auch schnell verwirklichen möchte“, erklärte Norbert Hundt. Der CDU-Mann sah es ganz ähnlich: „Habe ich ein Ziel vor Augen, dann strample ich mich ab, um es zu erreichen.“

Wahrscheinlich ist es diese Eigenschaft, die dazu führt, dass sie die hitzigen Diskussionen im Stadtrat und den Ausschüssen selten als Zuhörer verfolgen. Wenn es hoch hergeht, dann mischen sie mit. „Auseinandersetzungen müssen nun mal geführt werden. Entscheidungen, ohne darüber zu diskutieren, sind nicht meine Sache“, kommentierte Fernitz seine Streitlust. Die jüngst hitzige Atmosphäre in den städtischen Gremien bewertete der CDU-Kreisvorsitzende folgendermaßen: „Ich habe manchmal den Eindruck, dass manche Meinungen nicht gelten sollen. Das ist mit mir nicht zu machen.“

Ob er damit auf die Diskussionen über einen möglichen Beitritt der Hansestadt zum Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) anspielte, blieb offen. Nicht aber, dass sowohl Fernitz und Hundt vehemente Befürworter einer ZBA-Mitgliedschaft sind. In der kommenden Woche wird der Stadtrat über einen entsprechenden Antrag abstimmen. „Es geht darum, die Zukunft der Stadt zu sichern. Das geht nur mit Glasfaser bis zum Haus“, ließ Norbert Hundt keine Zweifel an seiner Position. „Vectoring ist, wie ein totes Pferd zu reiten“, schlug Peter Fernitz mit Blick auf die Technik der Telekom, die nur Übertragungsraten bis 100 Mbit ermöglicht, in dieselbe Kerbe. Nicht zufällig hätten sich beim Neujahrsempfang zwei Vertreter der Salzwedeler Wirtschaft dafür ausgesprochen, der Digitalisierung höchste Priorität einzuräumen.

Nicht weniger emotional wurde es, als das Thema der darbenden Innenstadt angesprochen wurde. „In der Burgstraße kann man an einem Wochentag eine Ladung Schrot abfeuern, aber trotzdem wird niemand getroffen“, illustrierte der CDU-Mann den Zustand der Fußgängerzone. Dass man es beispielsweise nicht geschafft habe, einen Wochenmarkt in der Innenstadt anzusiedeln, sei ein großes Manko. Stattdessen würden mit Marktplatz und dem Rathausturmplatz zwei potenzielle Standorte brachliegen. Norbert Hundt monierte, dass es in der Vergangenheit verpasst worden sei, namhafte Geschäfte nach Salzwedel zu locken: „Es gab die Initiativen, aber sie wurden zu oft unterbunden.“ Am Ende des Abends warf die Runde noch einen Blick in die Zukunft, schließlich stehen im nächsten Jahr die Kommunalwahlen an. Es ist wahrscheinlich, dass die beiden noch einmal antreten. Die Lust auf Lokalpolitik ist ihnen noch lange nicht vergangen. Seite 17