Salzwedel l Die Salzwedeler Deelenpetter wirbelten wie zu besten Zeiten über das Parkett – im Hansehof waren es Fliesen – und boten wieder einmal ihr komplettes tänzerisches Geschick auf, um die recht wenigen Gäste zu begeistern. Die Salzwedeler Volkstanz- und Trachtengruppe feierte ihr 30-jähriges Vereinsbestehen in gemütlicher, aber natürlich zuerst auch sportlicher Runde in der hansestädtischen Lokalität. Die eine oder andere Träne im Knopfloch musste dabei weggewischt werden, denn die Zukunft der Gruppe ist mehr als ungewiss. Eine Auflösung ist möglich.

„Wir müssen schauen, wie das Jahr weiter verläuft. Die Sorge um den Fortbestand ist da“, sagt der Vorsitzende Ralf Michalowski im Gespräch mit der Volksstimme. Karola George, künstlerische Leiterin des altmärkischen Volkstanz-Aushängeschildes, pflichtet Michalowski bei. „Es ist traurig, dass die Jugend aus Salzwedel weggeht“, sagt George. Wobei ihr Vereinschef natürlich weiß, dass die jungen Tänzer eher den Showtanz bevorzugen.

Nur noch 16 Mitglieder, davon zwei passiv

Auch in der kurzen Ansprache der langjährigen Vereinschefin Veronika Labes schwingt Wehmut mit. „Wir sind nur noch 16 Mitglieder und davon sind zwei passiv“, berichtet die 74-Jährige, die an diesem Abend schwungvoll mittanzt. Unterstützung ist gekommen. Die Fitschebeen-Mitglieder tanzen mit den Deelenpettern gemeinsam. Zusammen zeigen die Gruppen die ausgefallenen Choreografien zu „Rosamunde“ und dem „Trompetenecho“. Karola George hatte zuvor betont: „Wir als Gruppe bevorzugen die schnellen Tänze. Da kommt man ordentlich ins Schwitzen. Mich selbst nicht ausgeschlossen.“

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Über drei Jahrzehnte haben die Deelenpetter nun die Hansestadt Salzwedel, den Altmarkkreis und die gesamte Region bei vielen großen und kleinen Veranstaltungen würdig vertreten. Veronika Labes erinnerte an die Fahrten zum Sachsen-Anhalt-Tag, dem Tag der Niedersachsen, die Grüne Woche in Berlin und viele Feste rund um Salzwedel.

Dank und Anerkennung überbrachten dazu auch Vize-Bürgermeister Olaf Meining, Altmarkkreis-Dezernatsleiter Jürgen Kulow und Norbert Block für den Kreissportbund. Olaf Meining hatte ganz persönliche Erinnerungen an die frühen 1990er-Jahre. „Da wart ihr Teil des ECC-Karnevals“, wusste er zu berichten und gestand: „Als Lichttechniker hab ich Euch mal versehentlich im Dunkeln stehen lassen.“

Die Deelenpetter gingen Ende der 1980er-Jahre aus den Fitschebeen hervor. Ältere Tänzer gründeten einen eigenen Verein, die Trachten wurden ein wesentlicher Bestandteil der Auftritte. Unterstützung gab es dafür aus dem Diesdorfer Freilichtmuseum. Dort werden sie immer wieder gerne für Auftritte gebucht.

Tanz zaubert ein Lächeln

Am Freitag entschied die Gruppe gemeinsam, welche Tänze gezeigt werden sollten. Die „Masurka“ und die „Schmetterlingspolka“ zauberten den Frauen und Männern ein Lächeln neben die Schweißperlen. Geprobt wird immer dienstags zwischen 20 und 21 Uhr in der Turnhalle der Comeniusschule. „Man lernt das Tanzen bei uns“, sagt Michalowski und versucht doch noch etwas Werbung für die Gruppe zu machen. „Man braucht nur Taktgefühl und Lust am Tanzen“, sagt Karola George. Beide betonen, dass die Tänzer eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. „Bei Geburtstagen oder Hochzeiten sind wir alle da“, weiß George zu berichten.

Dennoch können an diesem eigentlich fröhlichen Festabend nicht alle dunklen Wolken vertrieben werden.