Musik

Von der Straße ins Rampenlicht

Für Straßenmusikanten bestehen in Salzwedel keine rechtlichen Vorgaben. In München gibt es sogar ein Casting.

Von Arno Zähringer

Salzwedel l Es gibt in unserer doch so verwaltungsorientierten Gesellschaft immer noch Bereiche, die nicht per Gesetz, Verfügung oder Satzung geregelt sind – zumindest in Salzwedel, Stendal, Klötze und Gardelegen. Für Straßenmusikanten bestehen keine rechtlichen Vorgaben. In Großstädten können die Straßenmusiker durchaus zum Problem werden. Vor allem dann, wenn sie laut und/oder schlecht spielen. Oder ihr Repertoire ziemlich begrenzt ist. Denn welcher Kunde oder Einzelhändler möchte mehrmals am Tag das immer gleiche Stück hören? So schön der Song „Blowin in The Wind“ von Bob Dylan ja auch ist: Ihn in einer gefühlten Endlosschleife immer aufs Neue hören zu müssen, das grenzt schon fast an musikalischer Nötigung. Und nervt!

In der bayerischen Landeshauptstadt München müssen Straßenmusiker sogar durch ein sogenanntes Casting. Sie müssen ihre Darbietung vor Erteilung der ersten Genehmigung in der Stadtinformation vorstellen. Werden sie als gut befunden, müssen für die Ausstellung der Genehmigung 10 Euro für den Verwaltungaufwand bezahlen. Und in Hannover gibt es eine „Allgemeinverfügung Straßenmusik“. In ihr ist unter anderem geregelt: „Nach 30 Minuten Spielzeit ist der jeweilige Standort zu wechseln. Der neue Standort muss mindestens 100 Meter vom vorherigen Standort entfernt sein. Die Musiker dürfen in einer Straße nur einmal am Tag auftreten.“

Doch davon sind die altmärkischen Städte Salzwedel, Gardelegen, Klötze und Stendal weit entfernt. „Auf Grund der geringen Nachfrage von Straßenkünstlern bestand bislang kein Bedarf, einen entsprechenden Gebührentatbestand in die Sondernutzungsgebührensatzung einzufügen“, sagt beispielsweise Andreas Köhler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Hansestadt Salzwedel. In der Vergangenheit hätte es mal einen Fall gegeben, als sich Gewerbetreibende und Anwohner über die schlechte Spielkunst eines Hobbymusikers beklagt haben. „In Salzwedel ist Straßenmusik aber selten und eher eine Ausnahme, daher hält sich der Ärger auch in Grenzen“, weiß Köhler. Generell gilt jedoch: „Grundsätzlich freuen wir uns über jede Aktivität, die zur Belebung der Innenstadt beitragen kann.“

Ähnlich wird das auch in Gardelegen, Klötze und Stendal gesehen. „Auch bei uns ist das kein großes Thema und deshalb auch nicht sehr relevant“, sagt Stendals Pressesprecher Klaus Ortmann.

Und das, obwohl sich die Straßenmusik vor allem in den vergangenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Form der Kleinkunst etabliert hat. Straßenmusik wird oft von Instrumentalisten oder Sängern, gelegentlich auch von Alleinunterhaltern vorgetragen. Musikstudenten und auch Jugendliche treten zeitweilig als Straßenmusiker auf und finanzieren sich damit einen Teil ihrer Reisekosten.

Für Musiker ist die Straße jedenfalls die härteste Bühne der Welt. Doch manche von ihnen haben den Sprung ins professionelle Musikgeschäft geschafft. Denn auf der Straße angefangen haben auch Rod Stewart („Sailing“) oder Paul Simon, der später im Duo Simon & Garfunkel („Sounds of Silence“) weltberühmt wurde. Auch Joni Mitchell, Joe Strummer, Eric Clapton, Michael Hirte, Wolfgang Ambros oder Schlagersänger Semino Rossi haben sich ihr erstes Geld auf der Straße verdient. Und „Tatort“-Kommissar Axel Prahl hat sich in jungen Jahren als Student in Spanien als Straßenmusikant durchgeschlagen.