Salzwedel l Am Ende der Verhandlung zeigte sich der 39-Jährige am Salzwedeler Amtsgericht geständig. Ihm wurde von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 25. August 2018 sein Auto gegen einen Polizisten als Waffe eingesetzt zu haben. Denn bei einer Kontrolle habe der Mann Gas gegeben, während der Beamte vor seinem Auto stand. Doch was hat sich genau zugetragen?

Einfach losgefahren

Am besagten 25. August ging bei der Salzwedeler Polizei ein Hinweis ein, dass ein alkoholisierter Mann in seinem BMW bei einem Schnellimbiss zwischen der B71 und der Arendseer Straße wartet. Ein Polizist in einem Zivilfahrzeug war in der Nähe und fuhr zum Imbiss. Mittlerweile wartete der Fahrer in seinem Auto vor einer roten Ampel an der Arendseer Straße. Vor ihm standen noch ein oder zwei Autos. Der Polizist erkannte den BMW, stellte das Zivilfahrzeug entgegen der Fahrtrichtung neben dem 39-Jährigen ab. Er sei zum Auto gegangen, dass Fenster des BMW war unten.

„Ich sagte stop, Polizeikontrolle“, erklärte der Polizist, „er meinte aber nein, zivil zählt nicht.“ Dann sei er langsam angefahren. Der Polizist wollte eine Flucht verhindern, stellte sich vor den BMW. Doch dieser rollte weiter. „Ich habe geschrien, er soll anhalten.“ Dann schaltete die Ampel auf grün, die Autos vor dem BMW fuhren los und der Mann mit quietschenden Reifen in Richtung Kino davon. Der Polizist stürzte. Er sah dem BMW hinterher. „Er ist bei Rot über die Ampel in die St-Georg-Straße.“ Der Beamte stieg in seinen Zivilwagen, verständigte die Kollegen und nahm die Verfolgung auf. Doch von dem 39-Jährigen fehlte jede Spur.

Der Angeklagte bestritt zunächst diesen Hergang. Er sei an dem Tag bei seiner Ex-Frau gewesen, habe sich um sein Kind gekümmert, ließ er seinen Verteidiger ausrichten.

Zeuge beobachtet Situation

Ein Zeuge hatte das Szenario aber auch beobachtet. Er erkannte auch den 39-Jährigen auf der Anklagebank. „Ich habe bei Facebook geschaut, nachdem ich die Vorladung bekam“, sagte er. An dem Abend konnte er keinen hinterm Steuer erkennen, bei der Verhandlung hingegen schon.

Der junge Mann erinnerte sich, wie der Polizist vor dem BMW stand und zum Parkplatz zeigte, auf den der 39-Jährige fahren sollte. Auch dass der Polizist mehrfach wiederholte, der 39-Jährige solle den Wagen stoppen. „Er hat ihn mit dem linken Kotflügel gestriffen und der Polizist ist zu Boden gegangen“, erinnerte sich der 19-Jährige. Der Polizist soll sich schnell wieder aufgerappelt haben. „Er wollte sich noch an der B-Säule des BMW festhalten.“ Doch gegen den beschleunigenden Wagen war er machtlos. Später sei der BMW wieder über die Arendseer Straße gerast, dieses Mal aber entgegengesetzt – in Richtung Pretzier. In der St.-Georg-Straße traf der 19-Jährige schließlich den Polizisten mit seinem zivilen Fahrzeug. „Ich habe ihm gesagt, dass der BMW in Richtung Pretzier unterwegs sei.“ Der Beamte nahm die Verfolgung auf.

„War die Situation für den Polizisten gefährlich“, wollte Richter Klaus Hüttermann von dem jungen Mann wissen, was dieser sofort bejahte.

Angeklagter gesteht

Nachdem der Zeuge den Hergang umfassend beschrieb und sich seine Aussage mit der des Polizisten beinah komplett deckte, bat die Verteidigung um ein Rechtsgespräch mit dem Richter. Und dies zeigte Wirkung. Danach gestand der Angeklagte: „Wenn ich ihn angefahren habe, bedauere ich das. Wenn jemand vor mein Auto springt, bekomme ich Panik – ich hatte Angst.“

Da der Polizist nicht verletzt wurde, forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro. Sein Verteidiger plädierte für 30 Euro, bei gleicher Anzahl der Tagessätze. Unterm Strich verurteilte Richter Klaus Hüttermann den 39-Jährigen für den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte zu 90 Tagessätzen á 40 Euro – sprich 3600 Euro. Sein Geständnis bewahrte den Mann vor einer höheren Strafe. Dagegen kann der Mann noch Rechtsmittel einlegen.