Stendal/Salzwedel l Haben die beiden Salzwedeler Fabian M. und Paul H. den ebenfalls in der Hansestadt wohnenden Niclas L. mit Tritten und Schlägen misshandelt, dass er schwer verletzt wurde, und ihm sein Handy gestohlen? Diese Frage wird seit Montagvormittag vor dem Landgericht Stendal verhandelt.

Das Salzwedeler Amtsgericht hatte bereits im November vergangenen Jahres ein Urteil dazu gefällt: ein Jahr und sieben Monate Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung und schweren Raubes für den Hauptangeklagten M. Und sechs Monate ausgesetzt zur Bewährung für den Mittäter H., bei dem noch ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz hinzu kam. Dagegen hatte der Anwalt des 21-jährigen M. Berufung eingelegt, die nun in voraussichtlich vier Prozesstagen vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler verhandelt wird. Der stellte eins klar: Die Sache mit dem Handy sei kein schwerer Raub, sondern als Diebstahl und oder Sachbesschädigung zu bewerten.

Während der Mittäter zu den Vorwürfen schwieg, gab M. zum in Frage stehenden Abend bereitwillig Auskunft und bestritt vehement, etwas mit den Verletzungen und dem Diebstahl zutun zu haben. Mit Freunden sei er zwischen zwei Lokalen in Salzwedel hin- und hergependelt. L. will er an dem Tag und in der Nacht nicht gesehen haben. Er habe mit dem Geschädigten nichts zu tun, kenne ihn nur aus der Schule. Dass der ihm nun solche Taten vorwerfe, könne er sich nur mit einem Zwischenfall einige Zeit zuvor im City-Club erklären. Er sei dort als Ordner tätig und es habe Ärger mit L. gegeben, so dass der letztendlich rausgeworfen wurde.

Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades

Zum Auftakt der vier Verhandlungen kam der Geschädigte als Zeuge zu Wort. Nach der in Rede stehenden Attacke hatte er unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades, Prellungen und eine gebrochene Nase davon getragen. Der 20-Jährige wurde von Justizbeamten in Handschellen vorgeführt. Er sitzt zurzeit wegen anderer Delikte in der Jugendanstalt Raßnitz und unterzieht sich dort nach eigener Aussage einem Alkohol- und Drogenentzug. In einer gut anderthalbstündigen Befragung wurde seine Geduld auf eine harte Probe gestellt, wie an Unmutsbezeugungen seinerseits zu merken war. Als er eine Mitarbeit beim Anfertigen einer Skizze verweigerte, musste ihn Richter Galler zur Ordnung rufen.

Nach seinen Angaben sei er gegen Mitternacht aus der elterlichen Wohnung seiner Freundin auf dem Weg zur Goethestraße gewesen. Dort wollte er sich mit Freunden treffen. Als er den City-Club passierte, habe er seinen Namen gehört, schließlich sei er durch das Birkenwäldchen verfolgt worden. Auf einer Auffahrt an der Goethestraße habe er sich zwischen Autos versteckt. Die Angeklagten hätten ihn ausfindig gemacht, gegen seinen Kopf und Oberkörper getreten und ihm schließlich das Handy aus der Hand genommen. Er habe beide sicher erkannt und auch sein Kumpel, der ihnen nachgeschaut habe, als sie die Straße entlang gelaufen seien.

Als aggressiv beschrieben

Schwester und Mutter von Ls Freundin beschrieben den 20-Jährigen als aggressiv, wenn er unter Alkohol und Drogen stehe. An jenem Abend habe sie die Polizei gerufen, weil L. randaliert und gepöbelt habe, so die Zeugin. Erst als die Beamten ihn massiv aufforderten zu gehen, nachdem er auch sie beleidigt hatte, verließ er das Haus und beschädigte aus Wut noch ein Schild. L. selbst hatte angegeben, sich einträchtig von seiner Freundin verabschiedet zu haben.

Der Prozess wird am heutigen Dienstag mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Für Dienstag, 24. April, wird das Urteil erwartet.