Salzwedel l „Ich habe mich nicht groß auf den Wettbewerb vorbereitet, sondern lese einfach gern“, verrät Ludger Seifert (10), Sachsen-Anhalts Lesekönig 2018. Ludger ist ein fröhlicher Viertklässler mit einem schelmischen Lächeln. Er geht in die Evangelische Grundschule Praetorius. „Woher ich das Talent zum Vorlesen habe, weiß ich auch nicht so genau“, sagt er etwas ratlos.

Der Lesekönig wird in vier Runden entschieden

Vor dem Finale in Magdeburg musste Ludger drei Vorrunden für sich entscheiden. Zuerst setzte er sich unter seinen Mitschülern in der Grundschule durch, danach folgte ein Kreis- und Bezirksausscheid. Die Teilnehmer mussten aus einem mitgebrachten und einem fremden Buch vorlesen. „Drachenreiter“, „Die Chroniken von Narnia“ und „Wunder“ zählten zu Ludgers Ausrüstung. Im Landesfunkhaus las er eine Passage aus „Luzifer Junior“ vor. Darin geht es um den Sohn des Teufels, der von seinem Vater auf die Erde geschickt wird. Dort soll er lernen, richtig fies zu sein. Das fremde Buch, welches von allen 14 Schülern vorgelesen werden musste, war „Die Herdmanns“. „Das hat mir auch gut gefallen“, erwähnt der Zehnjährige.

Auch seine Klassenlehrerin Claudia Schneider sowie ein paar befreundete Mitschüler waren in Magdeburg mit dabei. Schneider: „Das Niveau war unglaublich hoch. Man hat gemerkt, dass sich viele intensiv auf ihr Buch vorbereitet hatten. Das ist umso mehr aufgefallen, wenn die Kinder beim Vorlesen des unbekannten Buches ins Stocken gerieten.“ Ludger konnte einen kühlen Kopf sowie eine flüssige und betonte Sprechweise bewahren, so dass die Wahl der mehrköpfigen Jury letzendlich auf ihn fiel. Neben der Lesekrone gab es unter anderem auch einen 20-Euro-Buchhandlungs-Gutschein und eine Eintrittskarte für die Leipziger Buchmesse vom 21. bis zum 24. März 2019 für den Sieger.

Besonders gespannt ist der Viertklässler auf die Comics in Leipzig: „Die lese ich am liebsten.“ Wenn er nicht gerade in seinen Büchern versunken ist, spielt Ludger Seifert gerne Handball. Seit zwei Jahren lernt er auch noch, Trompete zu spielen. „Ich gehe aber auch gerne zum Stöbern in die Bibliothek“, erzählt er.

Spaß am Lesen dank Bibliothek und Lehrerin

Sein Interesse hat also zum Teil die Kreis- und Stadtbibliothek Salzwedel, allen voran Kerstin Gromeyer, Leiterin der Kinderbibliothek, entfacht. Doch auch im Deutschunterricht unter Klassenlehrerin Claudia Schneider dürfte der eine oder andere Funke übergesprungen sein. „Wir sprechen jeden Morgen über eine Lektüre. Außerdem müssen die Kinder jedes Jahr ein Buch für den Unterricht lesen. Das macht vielen Spaß“, erzählt Schneider.

Doch zurück zu Ludgers Talent: Das scheint zumindest ein bisschen in der Familie zu liegen. Schon Ludgers großer Bruder Heinz-Edgar konnte die Lesekrone vor zwei Jahren nach Salzwedel holen. Ludger gibt zu: „Ein bisschen Druck von meinem Bruder hatte ich schon. Immerhin wollen wir stets gleich gut sein.“ Das wird jedoch nicht einfach für den kleinen Bruder. Aktuell befindet sich Heinz-Edgar im Vorlesewettbewerb für Sechstklässler, der sogar bundesweit ausgetragen wird. Ludger ist sich sicher: „Das will ich auch.“