Salzwedel l „Bitte zahlen Sie kontaktlos oder mit Karte“ – so oder so ähnlich heißt es an den Kassen vieler Geschäfte. So soll etwa das Risiko vermieden werden, seinem Gegenüber mit den Geldscheinen auch eine Corona-Infektion zu reichen – bargeldlos zu zahlen ist also eine Möglichkeit, die Pandemie einzugrenzen. Aber das Umgewöhnen wird immer von der Macht der Gewohnheit behindert. Halten sich die Salzwedeler dran – und wie stehen private Ladenbetreiber zum Umstieg von Papierscheinen auf die Plastikkarten?

Gerade in kleineren Läden ist nicht unbedingt sicher, dass auch ein Kartenlesegerät an der Kasse steht. Mustafa Cedinkaya besteht in seinem Dönerladen zum Beispiel auf Barzahlung. „Wir wollen auf unser Bargeld nicht verzichten. Das muss man fühlen“, begründet er die Entscheidung. Außerdem vertraut er wohl der Technik nicht: „Stell dir vor, der Computer stürzt ab – alles weg!“ Sollte mal jemand ohne Bargeld aufschlagen, werde er weggeschickt, um welches zu holen, schildert Cedinkaya.

Das Geld lieber direkt fühlen

Andere Ladenbetreiber akzeptieren zwar Kartenzahlung, Scheine und Münzen scheinen auch ihnen aber deutlich lieber. „Es ist tatsächlich so, seit Corona, dass Leute mehr mit Karte bezahlen“, beschreibt etwa Kirsten Schiller die Erfahrung in ihrem Biogeschäft. „Ich bin davon aber nicht so der Freund, weil die Banken immer was verdienen.“

Gemeint sind damit die Transaktionskosten, die Banken bei einer Überweisung erheben. Diese liegen in Sachsen-Anhalt im Schnitt bei 40 bis 55 Cent pro Vorgang – kein großer Betrag, aber wenn bei einem Einkauf von 5 Euro jemand die Karte zückt, zahlt der Verbraucher schon ein Zehntel des Preises drauf. Außerdem bestehe immer noch ein Infektions-Risiko, wenn viele Leute das Lesegerät berühren, beschreibt Schiller. Ganz kontaktlos geht es also auch hier nicht immer.

Unter anderem wegen der Extra-Gebühren steht ein Hinweis schon wesentlich länger in Geschäften als die Bitte um Kartenzahlung: nämlich der, dass Karten erst ab einem bestimmten Wert akzeptiert werden. Dieser Wert ist nicht gesetzlich geregelt. Händler dürfen ihn frei wählen. So wie Martina Kuhlmann, in deren Fleischerei die Untergrenze bei zehn Euro liegt. Die Option, mit Karte zu zahlen, gebe es aber ohnehin erst in der neuen Filiale (das Unternehmen ist gerade umgezogen). Im bisherigen Ladengeschäft ließ sich das nicht einrichten, erzählt sie. Nun habe sie auf die Kundennachfrage reagiert, und beobachtet: „Kartenzahlung – das kann ich bestätigen – nimmt zu.“ Sie stört sich zwar daran, dass die Zahlung länger dauert und den Kundenverkehr aufhält – sieht aber auch die praktische Seite, „vor allem, wenn die Kunden es nicht passend haben.“

Wobei es immer noch die Option gibt, einfach aufzurunden, um das Portemonnaie etwas vom Münzgeld zu entlasten. Insofern bietet es sich vielleicht – nach der Pandemie – doch an, sich wieder „zurückzugewöhnen“.