Salzwedel l Wenn die Zaunkönige in der Adventszeit ihre Stimmen zum Gesang erheben, dann ist sicher, dass das Weihnachtsfest unmittelbar vor der Tür steht.

In diesem Fall sind allerdings nicht die gefiederten Sangeskünstler gemeint, sondern der Traditionschor „Zaunkönige“ unter der Leitung von Hermann Horenburg, der den Chor 1985 aus der Taufe gehoben hatte. Seine Zaunkönige lehrte er das Fliegen auf gesanglicher Ebene und seit Jahrzehnten werden sie auf nationalen wie auch auf internationalen Bühnen begeistert gefeiert. So erstaunte es auch am Vorabend zum 4. Advent nicht, dass in der Mönchskirche an diesem späten Nachmittag kein Platz unbesetzt geblieben war.

Als das elektrische Licht in der Konzerthalle erlosch und stattdessen Kerzen angezündet wurden, verstummten die Konzertbesucher. Zunächst leise, dann kräftiger, erfüllte der Gesang der in schwarz gekleideten Damen das ehemalige Gotteshaus.

Bilder

Erhabener Moment

In einer Prozession, so auch der Titel des Chorals aus dem Werk „A ceremony of Carols“ des britischen Komponisten Benjamin Britten (1913 – 1976), schritten die Sängerinnen mit Kerzen in den Händen, durch die Zuschauerreihen zur Bühne. Wie bereits in den Jahren zuvor, stets ein erhabener Moment, und ein vortrefflicher musikalischer Einstieg in das fast zweistündige Weihnachtskonzert mit den bekanntesten Weihnachtsliedern, nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum. Darunter auch einige Stücke, die die Handschrift Salzwedeler Chorleiter tragen. So hatte nicht nur Hermann Horenburg einigen Liedern seinen persönlichen musikalischen Stempel aufgedrückt, sondern auch ehemalige Chorleiter wie Hans-Joachim Schade und Eberhard Hopp.

Seit 2010 wird der Frauenkammerchor durch Sänger aus verschiedenen altmärkischen Chören verstärkt und nennt sich seitdem „Chorensemble Zaunkönige“. Instrumental wurden die Sängerinnen und Sänger während des Konzertes von Stefan Huth am Klavier und Volker Jeberien am Akkordeon begleitet. In der Pause unterhielten die Blechbläser der Kreismusikschule die Gäste mit weihnachtlichen Weisen.

Durch das Programm führte Andrea Döge-Wotapek. Sie begrüßte die weit über 400 Besucher mit einem Zitat des Dichters Joachim Ringelnatz: „Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht“. Und genau diesem wollte das Ensemble mit seinem Konzert entgegenwirken. Was ihm mit seinem fünfunddreißig Titel umfassenden Programm auch mit Bravour gelang. „Süßer die Glocken nie klingen“, sangen Konzertbesucher und Ensemble zum Abschluss gemeinsam. Danach verließen die Sängerinnen die Bühne, wie sie sie betreten hatten. Es erklang mit Recession der 11. Abschnitt des Werks von Britten.