Hohengrieben l Schwoof und Preisskat: Danach lechzten die Westaltmärker auch in den 1960er Jahren. Warum ersteres nicht in Hohengrieben wiederbeleben? Im August 1925 wurde hier ein Reiterfest gefeiert, in den 1950er Jahren Erntefeste. Dann war erstmal Ruhe. Sollte es dabei bleiben? Diese Frage trieb damals die Jugendlichen Eberhard Küster und Gerhard Schulz um. „Wir sind zwischen Weihnachten und Neujahr 1968 mit dem Fahrrad zur Kneipe nach Hohenlangenbeck gefahren. Nach dem dritten Bier wurden wir mutig und haben die Wirtin Frau Gerecke gefragt, ob wir das Zelt ausleihen könnten“, erinnert sich der heute 65-jährige Gerhard Schulz. Dieses sei jedoch zwischen dem ersten Mai-Wochenende und Mitte September bereits verliehen gewesen. Warum nicht einen Tanzabend am letzten April-Wochenende ausprobieren? Schließlich sei das Zelt da noch zu haben. „Wir haben das unseren Eltern erzählt. Die meinten: Jungs, macht mal, wir sind auch noch da“, erzählt Gerhard Schulz.

Zur Premiere im Jahr 1969 seien 370 Gäste gekommen. „Wir haben acht Mark minus gemacht“, berichtet er. Gespielt habe Reinhold Gaede aus Drebenstedt mit seiner Kapelle. Sie seien mit dem Fahrrad und dem Moped gekommen, hatten ihre Instrumente – Trompete, Geige, Klampfe, Trommel und Saxophon – auf dem Rücken. Richtige Dorfmusik eben. Später hätten neben anderen die Gruppe Harmonie aus Jübar und mittlerweile seit vielen Jahren „Scheres Crew“ aus Dähre für die Musik gesorgt.

In den Stuben Kaffee getrunken

Bis zur Wende haben alle Dorfbewohner drei bis vier Tage Urlaub genommen, damit sie mit zupacken konnten. Schließlich habe der Aufbau des Zeltes samt Holzbalken und Fachwerk zwei Tage gedauert. „Einmal hat es doll geregnet. Sonst hatten wir meist Glück mit dem Wetter“, sagt Elsa Tegge, die in Hohengrieben aufgewachsen ist und heute mit ihrem Mann Wolfgang (75) in Bornsen lebt. Tische habe es einst keine im Festzelt gegeben, aber Stühle an den Außenwänden. „Da haben die Älteren gesessen und beobachtet, wer mit wem tanzt“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Zu DDR-Zeiten, erinnert sich die 75-Jährige, habe das Kaffeetrinken in den Stuben der Hohengriebener stattgefunden. „Bei uns waren es um die 50 Leute“, weiß Elsa Tegge.

Ihr Mann hatte die Organisation übernommen, als Gerhard Schulz zum Studium war. „Ich kannte solch einen Zelttanz aus Umfelde. Mir war wichtig, dass es weitergeht“, erzählt Wolfgang Tegge. Da er in Salzwedel Fleischer gelernt habe, sei er an Lebensmittel herangekommen und habe gute Kontakte zu Kneipern gehabt. „1972 gab es zum ersten Mal Schaschlik. Das war was besonderes“, sagt er. Überhaupt: Um ausreichend Schnaps vorrätig zu haben, sei teilweise schon Monate zuvor mit dem Besorgen begonnen worden.

Zelt als hohler Vogel

Das Zelt sei zu jener Zeit „ein hohler Vogel“ gewesen, erinnert sich Gerhard Schulz. Tische und Stühle seien aus anderen Gemeinden geholt worden, fügt Elsa Tegge hinzu. Die Theke sei selbst gebaut worden, das Wasser mit dem Wasserwagen herangefahren. „Ursprünglich war die Braterei mit im Zelt“, erzählt der 65-Jährige. Also sei eine Buswartehalle gebaut worden, aber verkehrt herum, mit Waschbecken und Elektrik drin. Sozusagen als „Versorgungshäuschen“: Darin seien auch Broiler gegrillt worden.

1970 gab es erstmals den Frühschoppen und den Kindertanz am Sonntag – daran wird bis heute festgehalten. Im Jahr 1984 kam freitags der Tanz für Ehepaare dazu: die Geburtsstunde des dreitägigen Festes. Zum Auftakt sei übrigens die Tanzgruppe Deelenpetter aus Salzwedel aufgetreten, sagt Gerhard Schulz. Fritz Hagen habe Plattdeutsches vorgetragen, die Klöntanten für gute Unterhaltung gesorgt.

Vortrag und Pellkartoffeln

Überhaupt: Der Tanz am Sonnabend sei immer gut gelaufen. „Zu DDR-Zeiten hatte sich abends halb acht eine lange Schlange gebildet. Um halb elf haben wir die Kasse zugemacht“, erzählt Gerhard Schulz. Heute habe sich das vollkommen geändert. Wenn halb elf die ersten Gäste kommen, sei das früh...

Seit zehn Jahren gibt es freitags einen Vortrag und ein Pellkartoffelgäste. Dazu werden persönliche Einladungen verschickt. Das Oldtimertreffen bereichert das Angebot seit 15 Jahren. „Wir bemühen uns, dass es schmuck aussieht, nähen die Tischdecken selbst. Hier soll sich jeder wohlfühlen“, sagt Gerhard Schulz. Das scheine abzufärben. Denn ums Festzelt herum sehe es sehr sauber aus.

Manchmal hat es gefunkt

Vor zehn Jahren hat er den Organisations-Staffelstab an Tino Fuhrmann und Daniel Schulz übergeben. Aber im Hintergrund würden „die Alten“ noch mithelfen. Ebenso wie so um die 45 bis 50 Freiwillige, die Ende April extra in den 28-Seelen-Ort kommen, um mit anzupacken, wenn die Einwohnerzahl an drei Tagen um das Tausendfache steigt. „Sonst würde das nicht funktionieren“, meint Gerhard Schulz.

Doch nicht nur gut gefeiert werden kann in Hohengrieben: Manchmal gibt es auch eine „Partnerbörse“. Beim ersten Zelttanz hätten sich Friedrich Kayser und Silvia Schnöckel kennengelernt, beim zweiten verlobt. Gefunkt hat es auch bei Waltraut Ritzke und Karl-Heinz Schulz, die später geheiratet haben, nennt der 65-Jährige zwei Beispiele.