Calbe l Die Bevölkerung wird immer älter. Kaum eine Stadt spiegelt diese Aussage so gut wider, wie die Saalestadt Calbe. Den größten Anteil Senioren, gemessen an der Gesamtbevölkerung unter vergleichbaren Städten hat die Stadt bereits heute. Aktuell leben 2514 Menschen in der Kleinstadt, die über 65 Jahre alt sind. Das entspricht nach den Zahlen des Rathauses 27,4 Prozent der Bevölkerung. Dass der Anteil der Senioren in der nahen Zukunft weiter wächst, das zeigt die Stärke der Bevölkerungsgruppe, die demnächst in den Ruhestand tritt. 2585 Einwohner sind nach den statistischen Erhebungen der Stadtverwaltung aktuell zwischen 50 und 65 Jahre alt. Der Anteil der Senioren dürfte in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen. Mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft bereitet sich auf den nahenden Ruhestand vor oder befindet sich bereits darin.

Mit einem Wachsen der älter werdenden Bevölkerung verändern sich aber auch die Angebote in der Stadt, die nachgefragt werden. Im Fokus stehen dabei vor allem Pflegeeinrichtungen sowie die medizinische Betreuung. Annett Koschmieder ist durchaus bewusst, dass die Nachfrage nach Pflege in der ambulanten sowie Tages- und Kurzzeitpflege und Heimplätzen in den kommenden Jahren noch deutlich ansteigen könnte. 37 stationäre Pflegeplätze hat ihre Einrichtung. Betreutes Wohnen und ambulanter Pflegedienst gehören zum Tannenhof außerdem dazu. Eine steigende Nachfrage nach Dienstleistungen in der Pflege sieht die Unternehmerin. Dass sie in der Zukunft noch wachsen könnte, schließt sie aber aus. Als Grund gibt sie fehlende Fachkräfte an.

Fachpersonal knapp

60 Prozent des täglichen Geschäfts, erläutert sie, fülle sie inzwischen mit der Lösung von Personalfragen aus. Das Fachpersonal in der Pflege sei inzwischen so knapp, dass an ein Wachstum überhaupt nicht zu denken sei. Die Pflegeberufe müssten eine weit größere Anerkennung finden, damit sich mehr junge Leute in den Berufen engagieren, wünscht sie sich.

Gut aufgestellt auf die künftigen Herausforderungen sieht sich nach den Worten von Pressesprecherin Kathleen Paech das AWO Krankenhaus in Calbe. Die Einrichtung verfügt bereits über eine Geriatrie. Die Bezeichnung steht für die Behandlung von Leiden älterer Menschen. Damit habe die Klinik bereits das große Thema erkannt und widme sich der ständig wachsenden Bevölkerungsgruppe der älteren Einwohner.

Wer einen Blick auf die Internetseite der Klinik wirft, stellt schnell fest, dass auch die Arbeiterwohlfahrt als Träger die Personalsorgen drücken. Auf zahlreiche freie Stellen macht das Krankenhaus aufmerksam und sucht neben allerlei Pflegekräften auch Ärzte für die Einrichtung. Zunehmend werde es für die Einrichtung schwerer, räumt Kathleen Paech ein, das gesuchte Personal zu finden. Im Pflegebereich greift die Arbeiterwohlfahrt inzwischen auf Kontakte und Verbindungen mit anderen Ländern zurück. Arbeitskräfte aus dem Ausland sind bereits im Einsatz und erlernen das notwendige Rüstzeug, bestätigt sie.

Welche Auswirkungen?

Doch welche Auswirkungen könnte es haben, wenn die Angebote in der Pflege in der Kleinstadt mit der Nachfrage nicht mithalten können? Schon heute gibt es im Tannenhof von Annett Koschmieder eine Warteliste auf einen der Plätze, bestätigt sie. Dass es schwierig ist, nach einem Krankenhausaufenthalt einen passenden Platz in einem Seniorenheim zu bekommen, schildert sie. Doch wo gehen die Leute dann hin?

Andere Regionen haben ein Überangebot

Während in Calbe das Angebot an Plätzen in der nahen und mittleren Zukunft vielleicht nicht ausreichen wird, haben andere Regionen im Land in einigen Jahren ein Überangebot an Plätzen zu erwarten. Die Bürger könnten dann im hohen Alter von der Saalestadt abwandern, wenn die entsprechenden Angebote fehlen. So könnte der Einwohnerschwund, der bereits nach dem Mauerfall eingesetzt hat, sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

Es könnten aber auch neue Angebote entstehen und die Stadt somit sogar attraktiver für Senioren machen, die dann vielleicht im Rentenalter nach Calbe ziehen. Beide Szenarien sind denkbar.

Für die Kommunalpolitik ist der Wandel der Bevölkerungsstruktur in den kommenden Jahren eine große Herausforderung. Vor diesem Hintergrund hatte der Stadtrat ein lokales Demografiekonzept in Auftrag gegeben. Für den Calbenser Bürgermeister Sven Hause steht fest, dass auf die Zukunftsfragen komplexe Ansätze als Antworten gegeben werden müssen. Ziel müsse es sein, die älter werdenden Menschen eine intensive Teilhabe am Alltag zu ermöglichen, sieht er eines der Ziele.

Weitere Vereinsamung

Daneben sieht der junge Stadtchef aber noch viele weitere Aspekte, mit denen sich die Lokalpolitik befassen müsse. So wird die Vereinsamung der Menschen ebenso eine Rolle spielen müssen. Bereits heute sind 34 Prozent der über 65-Jährigen verwitwet. Zunehmend werde es für die Einrichtung schwerer, räumt Kathleen Paech ein, das gesuchte Personal zu finden. Im Pflegebereich greift die Arbeiterwohlfahrt inzwischen auf Kontakte und Verbindungen mit anderen Ländern zurück. Arbeitskräfte aus dem Ausland sind bereits im Einsatz und erlernen das notwendige Rüstzeug, bestätigt sie.

Viele ältere Menschen, die mobil sind, wollen das Leben allerdings individueller genießen. Bis in das hohe Alter unternehmen sie Reisen und treffen sich mit Freunden und Bekannten. Die Sehnsucht nach Gruppentreffen im festen Rhythmus ist da begrenzt. Dennoch spielen auch diese Fragen bei dem zu erarbeitenden Demografiekonzept für die Saalestadt eine wichtige Rolle, sagt Sven Hause.