Biere l Als Armin Schneeberger eine Flamme unter dem Glühkopf seines Lanz Bulldog in Position bringt, finden sich schlagartig dutzende Technikfans zum Zuschauen ein. Gleich wird der Loburger seinen Ackerschlepper von 1938 starten. „Aber erstmal muss der Glühkopf eine Temperatur von ungefähr 600 Grad erreichen“, erklärt Achim Schneeberger. Dass sein Fahrzeug aus Familienbesitz nicht unbedingt ein DDR-Fahrzeug, zumindest kein IFA-Wagen, ist, stört am Sonnabend in Biere niemanden.

„Wenn jetzt jemand mit einem zwanzig Jahre alten Opel angekommen wäre, hätten wir ihn nicht auf das Gelände gelassen. Aber so ein Lanz Bulldog, da sagen wir natürlich nicht nein!“, erläutert Björn Reimann als Mitorganisator des Ostmobile-Treffens in Biere. Bereits die 7. Veranstaltung ihrer Art haben die Trabantfreunde.de in der Gemeinde Bördeland auf die Beine gestellt. 215 Aussteller und zahlreiche Gäste waren am Wochenende dabei und ließen sich selbst von den heftigen zeitweiligen Regenschauern nicht abschrecken. Armin Schneeberger legte den Ölhebel und den zum Dieseleinspritzen um und drehte das Lenkrad, das bei seinem Lanz Bulldog abgeschraubt und als Anlasser verwendet wird. Dann tuckelten er und seine Frau Annegret mit rund 20 Stundenkilometern wieder Richtung Heimat, im Schlepptau übrigens eine Kolb Feuerwehrspritze von 1926, die der Loburger wieder voll funktionstüchtig gemacht hat.

Leidenschaft auf Sohn übertragen

Nicht nur über sein Gefährt fachsimpelten die Besucher – vornehmlich Männer – sondern auch über etliche Fahrzeuge, die sie selbst einmal besessen haben. „So einen bin ich selbst mal gefahren, in der gleichen Farbe“, sagte beispielsweise Georg Bechtloff über den blau-weißen Trabant P50 seines Sohnes Oliver. Die Magdeburger wiesen darauf hin, dass ihr Auto Baujahr 1959, das Oliver Bechtloff übrigens vor zehn Jahren erworben und restauriert und nicht vom Vater geerbt hat, eine Besonderheit besitzt, die bei allen Trabis der ersten Produktionsreihe gleich waren. Ein Türschloss gab es nämlich nur rechts auf der Beifahrerseite – damit sollte die Sicherheit beim Auf-und Abschließen gewahrt bleiben.

Bilder

Eine Schwalbe aus dem Jahr 1986 hat Jeffrey Bierwald aus Biere von seinem Opa geerbt. Und das gute Stück läuft wie geschmiert. „Ich fahre damit jeden Tag von hier nach Magdeburg und wieder zurück, bei Wind und Wetter“, verriet der 17-Jährige. Er zeigte seine Schwalbe, Vater Roger Wieden ein Piccolo Trumpf 5 von 1963, das als Vorgänger des bekannten Krause Duos galt. „Es war ein reines Versehrtenfahrzeug und konnte mit Motor aber auch per Hand angetrieben werden“, erklärte der Besitzer, der seine Leidenschaft für Ostmobile auf seinen Sohn übertragen hat. Auch bei Christian-Andreas Meyer aus Calbe liegt die Sammelleidenschaft für DDR-Fahrzeuge in der Familie. Er erklärte den Gästen seine Simson von 1974 und zeigte stolz den passenden Anhänger von 1979, dem einzigen Baujahr, in dem die Anhänger in Calbe verzinkt worden sind. Auch das Diamant-Fahrrad seines Schwiegervaters Olaf Arndt interessierte die Besucher, denn das gute Stück von 1954 ist mit einem Zusatzmotor ausgestattet.

Veranstaltung mit Liebe zum Detail

„Hier gibt es schon wahre Schätze“, freute sich Organisator Björn Reimann über die Resonanz der Veranstaltung, die von den Trabantfreunden.de, früher Trabantfreunde Schönebeck, gemeinsam mit dem Bierer Kultuverein 2004 veranstaltet wird. Mit Liebe zum Detail und großer Unterstützung vieler Sponsoren hatten die Veranstalter das Treffen organisiert, zu dem auch Fahrzeug-Liebhaber aus anderen Bundesländern, aus Städten wie Leipzig, Hannover und Chemnitz, angereist waren und teilweise auf der Bierer Festwiese campten.

Unter ihnen waren auch etliche junge Ostmobile-Fans. So hatte sich Chris Rafferty aus Pretzien beispielsweise aus alten Simson-Teilen ein ganz eigenes Fahrzeug zusammengeschraubt. Sein „Mofakiller“ ist zwar winzig, besiegt aber mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde noch seine größeren Fahrzeug-Geschwister. Zwar darf das Gefährt nicht am Verkehrsgeschehen teilnehmen, hat dafür aber schon Preise abgeräumt.

Andreas Schulle und Marcus Schmidt aus dem Jerichower Land haben ihren Trabi einmal ganz anders ausgestattet. „Ein Polo GTI Motor, Getriebe, eigentlich alles vom GTI. Nur die Hülle ist noch Trabi“, erzählten die jungen Männer lächelnd und fachsimpelten gern mit den älteren Gästen, die den Motorinnenraum des Trabant noch ganz anders kennen.

Unter den ausgestellten Fahrzeugen fanden sich auch alte Militärwagen aus DDR-Zeiten, wie ein Robur und Barkase aller Art. Einen Barkas der nationalen Volksarmee hatten auch Hartmut Kuwald, Peter Hennig und Jürgen Danielack vom Eisenbahnclub Aschersleben dabei. Mit der „Militärstreife“ kamen sie nach Biere gefahren.