Schönebeck l „Nicht ohne meinen Mann.“ Für Ursula Bunzler und ihren Ehemann Heinz ist eine neue Zeit angebrochen. Das Paar gehört zu den ersten Bewohnern des Demenzservicezentrums, das am gestrigen Dienstagnachmittag in der Wilhelm-Hellge-Straße eröffnet wurde. Auf die Frage, ob sie in die Wohngemeinschaft für Einzelpersonen oder Ehepaare zieht, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Natürlich nur zusammen.“

Das Ehepaar Bunzler ist das passende Beispiel für das Ansinnen, das hinter dem Wohnprojekt „Anker“ steht. Hier sollen sowohl einzelne an Demenz Erkrankte ein neues Heim finden, als auch Paare, bei denen ein Partner von Demenz betroffen ist.

Geboren und angeschoben wurde die Idee des Wohnprojektes von der Bürgerstiftung Salzland - Region Schönebeck. Einen festen Partner haben die Ehrenamtlichen in dem Netzwerk Demenz gefunden und vor allem in der Städtischen Wohnungsbau GmbH (SWB), die bei dem Projekt als Bauherr und letztlich als Vermieter auftritt.

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„Wir haben hier Beratung, Betreuung und Wohnen unter einem Dach“, sagt Sigrid Meyer, SWB-Geschäftsführerin, bei der feierlichen Eröffnung. Sie ist sichtlich froh über das Geschaffte. Denn selbstverständlich ist das nicht. „Ohne die Hilfe des Entwicklungsministeriums wären wir heute nicht hier“, richtet sie sich dankend an Klaus Klang, Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und Landesentwicklung. Mit mehr als 500 000 Euro fördert das Land das Schönebecker Anker-Wohnprojekt. Wie Sigrid Meyer sagt, ist diese Art der „Hilfe nötig, um solche Projekte anschieben zu können“.

Insgesamt betragen die Baukosten 2,4 Millionen Euro. Das helle, lichtdurchflutete Haus bietet Platz für zwei Wohngruppen, deren Zielgruppe an Demenz Erkrankte sind. Entstanden sind Wohngruppen für einerseits acht Demenzkranke und andererseits für acht Paare, bei denen ein Partner erkrankt ist. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß - für Einzelpersonen rund 28 Quadratmeter, für Paare zwischen 60 und 90 Quadratmetern.

Betreut werden die Bewohner rund um die Uhr durch einen Pflegedienst, gestellt durch den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Ebenfalls in dem Haus integriert ist eine Tagespflege. Und auch das Büro für das Beratungsangebot der Bürgerstiftung findet sich hier nun wieder.

„Das Geld, das das Land hierfür aufgebracht hat, ist sehr gut angelegt“, nennt Klaus Klang in seinem Grußwort eine Schlussfolgerung. Wie er sagt, sei der weitgehende Blick der Schönebecker Akteure bei dem Thema Demenz in der Landesregierung auf sehr großes Interesse gestoßen. Und er bestätigt erneut den Fakt, dass die Schönebecker ein Modellprojekt in die Realität umgesetzt haben. „Ich habe schon einige Projekte im Land gesehen, aber so in dieser Form wie hier in Schönebeck habe ich noch nichts Vergleichbares gesehen“, hebt der Staatssekretär die Einzigartigkeit des Anker-Projektes hervor.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch hebt in seinem Grußwort die Vorbildfunktion des Schönebecker Projektes hervor. Er freut sich, dass die Elbestadt nun wieder um eine alternative Wohnform reicher sei.

Doch damit allein ist das Thema nicht abgeschlossen. Darauf macht Guido Jurczyk, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, aufmerksam: „Die erste Etappe haben wir abgeschlossen. Und jetzt beginnt die Umsetzung.“ Ein Stichwort für Sigrid Meyer: „Unsere Bewohner sind der Maßstab.“ Sie sollen und werden das Haus mit Leben füllen. Die ersten werden zum 1. Oktober einziehen.