Barby l Hermann Jeske ist leidenschaftlicher Radfahrer. Zusammen mit einem ähnlich tickenden Barbyer hält er sich bei Wind und Wetter fit. Eine Lieblingspiste der Männer ist der Elberadweg von der Eisenbahnbrücke in Richtung Dornburg. Doch der ist seit einigen Wochen infolge Bauarbeiten gesperrt. Laut Zerbster Planungsbüro soll die Sperrung bis Ende Januar dauern.

Werden Fördermittel versenkt?

Doch diese Einschränkungen sind es nicht, die Hermann Jeske auf die Palme bringen. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum der noch gar nicht so alte, fast vollkommen intakte Radweg rückgebaut wurde“, grollt der Barbyer. Wo anderen Orts die Leute mit Protestplakaten erfolglos für straßenbegleitende Radwege wie weiland Don Quichotte gegen Windmühlen kämpfen, werde hier ein „Luxusweg“ gebaut. „Ich nehme mal ganz stark an, dass der über Fördermittel der Hochwasserschadensbeseitigung finanziert wird“, vermutet Hermann Jeske. Wie er sagt, war der Vorgängerweg nur „an zwei Stellen ein bisschen kaputt“, was keinesfalls den grundhaften Neubau auf vier Kilometer Länge rechtfertige. Werden da Fördermittel versenkt?

Diese Frage stellten wir der Stadtverwaltung in Zerbst, die für den Bau zuständig ist. Laut Pressesprecherin Antje Rohm werde der Elberadweg multifunktional ausgebaut. Radfahrer, Wanderer oder landwirtschaftliche Fahrzeuge können ihn nach Fertigstellung nutzen. Der von Hermann Jeske beschriebene Abschnitt beginnt am Lepsgraben (auf dieser Höhe liegt westelbisch das Barbyer Schloss) und endet in Gödnitz. Er werde als Ersatzneubau an gleicher Stelle des bisherigen Radweges gebaut, so die Pressestelle im Zerbster Rathaus.

Bilder

Aber warum überhaupt ein Ersatzneubau?

Hauptargument der Stadtverwaltung Zerbst ist, dass der Weg bei zukünftigen Hochwassern sicherer sein soll und dem heutigen Stand der Technik angepasst werde. Ein fertiges Stück kann man sich zwischen Ronney und dem Lepsgraben angucken. Hier rollen die Radler bereits auf zwei glatten Betonspuren, wie man sie aus dem ländlichen Wegebau kennt. Dazwischen sind Rasengitter verlegt, die beim Spurenwechsel hilfreich sind. Der „alte Radweg“, der erst nach dem Hochwasser 2002 gebaut wurde, bestand aus aneinander gesetzten Profilsteinen.

„Die Ausführungsart wurde im Vorfeld mit allen zuständigen Behörden und Institutionen abgestimmt und genehmigt“, schreibt Antje Rohm. Die Kosten des zweiten Bauabschnitts beliefen sich auf rund 495 000 Euro, die aus dem Hochwasserschadensbeseitigungsprogramm finanziert werden.

Auf der ostelbischen Seite wurde eine großräumige Umleitung ausgeschildert, da der Weg innerhalb der Baustelle voll gesperrt ist. Das gilt auch für Nutzer, die aus Richtung Barby kommend über die Elbbrücke fahren. An der Nuthe ist Schluss. Es sei denn, sie sind Mountainbiker. Aber die sieht die Baufirma überhaupt nicht gern …