Schönebeck l Dass die Feuerwehren hin und wieder eine ganz eigene Welt sind, mussten Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und sein Dezernent Joachim Schulke am Montagabend erfahren. Beide Männer der Stadtverwaltung gingen mit einer Idee in die Kommandositzung der Wehrleiter der Stadt Schönebeck. Als die Beratung zu Ende war, kamen sie mit einem ganz anderen Ergebnis heraus.

Der Oberbürgermeister sieht es gelassen. „Das werden die Feuerwehrkameraden schon gelöst bekommen“, sagte er am Dinestag im Gespräch mit der Volksstimme. Mit „gelöst bekommen“ meinte er das derzeitige Führungsproblem. Ende Mai waren die Kameraden der Feuerwehren im Stadtgebiet aufgerufen waren, einen neuen Stadtteilwehrleiter zu wählen, weil die Amtszeit des derzeit amtieren Ronald Mühlsiegel in diesen Tagen endet. Er bekam aber nicht genügend Stimmen. Von den zu diesem Zeitpunkt 211 wahlberechtigten Kameraden gingen nur 121 an die Wahlurne. Für Ronald Mühlsiegel stimmten damals 41 Frauen und Männer, 62 hätten es bei der aktuellen Wahlbeteligung aber sein müssen.

Fehler bei der Wahl

Damit nicht genug: Wenig später wurde bemerkt, dass es beim Wahlverfahren Fehler gab, die die Wahl am Ende ungültig machten. So hätte der Kandidatenverschlag für den Stadtwehrleiter und seines Stellvertreters aus den Reihen der Feuerwehr selbst in einem festgelegten Verfahren kommen müssen. Das ist nicht geschehen.

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Somit war klar: Die Wahl muss wiederholt werden. Doch schon Mitte des Jahres traten einige Kameraden vehement dafür ein, dass die Feuerwehrsatzung zunächst im Stadtrat beschlossen werden muss, dann erst erneut gewählt werden sollte. Unter anderem wollten die Feuerwehren in der Satzung die Führung neu strukturiert haben: Aus einem Leiter und einem Stellvertreter sollten ein Leiter und drei Stellvertreter werden. Die Argumentation der Blauröcke: Die Belastung der Arbeit muss auf mehre Schultern verteilt werden.

Diesen Wünschen (oder Forderungen) der Feuerwehren ist die Verwaltung nun nachgekommen. Die überarbeitete Feuerwehrsatzung wurde in der jüngsten Stadtratssitzung beschlossen. Nur: Jetzt war die Zeit zu kurz, um vor Ablauf der Amtzeit von Ronald Mühlsiegel noch eine ordentliche Wahl auf die Beine zu stellen.

Auf Verfahren geeinigt

Deshalb haben sich Oberbürgermeister, sein Dezernent und die Wehrleiter auf folgendes Verfahren geeinigt: In den nächsten Tagen beruft der Oberbürgermeister auf Vorschlag der Feuerwehren eine Wahlkommission, die sich mit der Neuwahl befassen wird. In allen Feuerwehren werden danach Aushänge gemacht und auf die Wahl des Stadtwahlleiters und seiner drei Stellvertreter hingewiesen. Die Namen werden gesammelt und von der Wahlkommission zur Wahl vorgeschlagen.

„Damit sind wir dann schon im Jahr 2016 mit dem Verfahren“, so Bert Knoblauch. Aber das entspricht auch den Vorstellungen der Kameraden: Sie möchten nun so schnell wie möglich wieder eine gewählte Spitze haben.

Und bis dahin? Bis dahin hätte der Oberbürgermeister Kraft seines Amtes eine geeignete Personen benennen können. Knoblauch und Schulke waren auf den bisherigen Stadtwehrleiter fixiert - aus gutem Grund: „Ronald Mühlsiegel hat die Erfahrungen, hat eine gute Arbeit gemacht und muss nicht bis zur Neuwahl eingearbeitet werden“, argumentierte der Oberbürgermeister.

Doch diese Rechnung machte er ohne die Wehren. Die Mehrzahl der Wehrleiter muss offenbar kein Vertrauen mehr zum amtieren Stadtwehrleiter haben. Aus diesem Grund lehnten sie den Vorschlag ab – und zogen eine eigene Idee aus dem Hut: Uwe Tandler (Abschnittsleiter) sollte kommissarisch die Verantwortung übernehmen, sein Stellvertreter könnte Steffen David (Wehrleiter Bad Salzelmen werden) werden. Zweite Variante: Steffen David wird kommissarischer Stadtwehrleiter, sein Stellvertreter Daniel Schürmann (Wehrleiter Felgeleben).