Schönebeck l Die Zeugin Ursula W.* ringt mit den Tränen, während sie vor Gericht noch einmal verbal das durchleben muss, was in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 2014, kurz nach Mitternacht, an der Tankstelle in der Schönebecker Jakobsstraße passiert ist. Die damalige Tankstellenmitarbeitern war gerade im Hinterraum, um Wasser für ihre Reinigungsarbeiten zu holen, als sie plötzlich ein Scheppern und Klirren hörte. „Ich habe die Tür ganz langsam geöffnet und dabei um mein Leben gebangt“, so Ursula W. Und das nicht ohne Grund: Als die 57-Jährige die Tür öffnet, kommt ein junger Mann auf sie zu, drückt sie am Hals zurück und sperrt sie in den Hinterraum ein, so die Aussage des Opfers.

Justin R.* (16), Dominic K.* (17) und Jakob L.* (22) sollen für diesen Überfall verantwortlich sein. Die drei Schönebecker müssen sich jetzt vor Gericht für ihre Tat verantworten. Auf die Fragen der Vorsitzenden Richterin Sigrun Lehmann reagieren die jungen Männer beim Prozessauftakt am Dienstag gelassen. Justin R. behauptet: In die Tankstelle seien die Jungs „spontan“ eingebrochen, haben sich vorher nicht verabredet und „nur mit Augenkontakt kommuniziert“. Justin R. soll der Anklage zufolge mit einem Gerät, ähnlich einer Machete, die Tür der Tankstelle gewaltsam geöffnet haben. Dass sich Ursula W. zu diesem Zeitpunkt noch in der schon geschlossenen Tankstelle befand, hätten sie gewusst, so Justin R. auf Nachfrage der Richterin Lehmann. Danach sei alles ganz schnell gegangen. Justin R. sei zur Kasse gegangen, Dominic K. habe vor der Tankstelle „Wache“ gestanden und Jakob L. habe sich darum gekümmert, dass Ursula W. außer Gefecht gesetzt wird.

Die Aussage der Zeugin, dass einer der Jugendlichen sie beim Hals gepackt und zurück in den Raum gedrückt habe, streiten die Angeklagten ab. Jakob L. sagt zu seiner Verteidigung: „Wir haben niemanden gewaltsam bedrängt.“ Sie hätten einen Raub, jedoch keinen Überfall begangen.

Drei Wochen lang arbeitsunfähig

Zeugin und Opfer Ursula W. sieht das anders. Die ehemalige Verkäuferin war drei Wochen lang arbeitsunfähig. Noch immer hat sie nachts Angst, sobald sie ungewöhnliche Geräusche hört und auch den Arbeitsplatz musste sie aus Angst vor einer Wiederholungstat wechseln. Ein Video von dem Abend, das der Tankstellenbesitzer während seiner Zeugenaussage hervorholt, wird derzeit noch ausgewertet.

Justin R. ist der Polizei bereits bekannt. Der Angeklagte soll im Oktober des vergangenen Jahres Fahrrad und Handy eines gleichaltrigen Jungen genommen und ihn im Zuge dessen mehrfach zu Boden geschlagen haben. Der Ausweis des Opfers wurde bei Justin R. gefunden, erklärte die Richterin. Bezüglich der Anklage will der Verteidiger von Justin R. zunächst eine Zeugenaussage hören, räumte er vor Gericht ein.

Mehrfach angeklagt

Justin R. wird zusätzlich wegen eines dritten Vorfalls angeklagt. In der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember soll er den 22-jährigen Markus D.* krankenhausreif geschlagen haben. Mit Freunden habe er in der Nacht bei Markus D. geklingelt und sei mit einer Gruppe von Freunden uneingeladen in das Wohnzimmer von Markus D. gegangen, um dort eine Party zu feiern. „Als Justin R. und seine Freunde nach mehrfachen Aufforderungen um 7 Uhr morgens am Folgetag noch immer nicht gingen, habe ich die Sicherung heraus gezogen“, so der Zeuge. Danach sei Justin R. aggressiv auf ihn losgegangen und habe ihm mehrere Schläge und Tritte verpasst, welche eine Schädelprellung und eine blutende Platzwunde mit sich zogen.

Auch Dominic K. ist seit dem Überfall erneut bei der Polizei aufgefallen. Betrunken und ohne Fahrerlaubnis ist er im März dieses Jahres mit dem Auto seines Vaters gegen ein Straßenschild gefahren, heißt es in der Anklage. Der Prozess wird am Dienstag, 1. Dezember, fortgesetzt.

*Namen von der Redaktion

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